Eutin-Kalender 2024: Monat für Monat ein Stück Stadtgeschichte

Wenn man früh im neuen Jahr bereits vom nächsten spricht, geht es wahrscheinlich um die druckfrische Ausgabe des Kalenders „Eutin in alten Ansichten“. Das Autorenteam Regine und Karlheinz Jepp hat jetzt das Exemplar für 2024 vorgestellt. Darin finden sich wieder 13 historische Fotografien mit stadtgeschichtlichen Texten auf der Rückseite. Im Fokus steht diesmal die lokale Geschäftswelt im Wandel der Zeit.

Jubiläumsausgabe: Zum 30. Mal in dieser Form

Der Kalender feiert Jubiläum, denn in dieser Form erscheint er nun zum 30. Mal. Das Heimatforscher-Ehepaar führt eine Tradition fort, die die Bürgergemeinschaft Eutin vor über 40 Jahren begründet hat. „Die ersten Kalender zeigten aktuelle Stadtansichten sowie Federzeichnungen vom Abriss bedrohter Häuser“, berichtet Regine Jepp. Am dann folgenden Konzept, charmante Histörchen der Stadt nachzuerzählen – Sammler können auf ein Kompendium von fast 400 stadtgeschichtlichen Episoden zurückgreifen –, war 1996/97 auch der frisch gewählte Bürgermeister Sven Radestock beteiligt. Als Journalist hat er einige dieser Zeitreise-Texte verfasst. „Ich war überzeugt von dem positiven Ansatz: Statt eines Abrisskalenders haben wir etwas zum Aufbewahren produziert“, sagt er heute.

Zeitungen durchforstet und Schätze im Stadtarchiv gehoben

Für den Jubiläumskalender haben Jepps nun wieder alte Zeitungen durchforstet, Schätze im Stadtarchiv gehoben, in Erinnerungsalben geblättert und sehr persönliche, hoch interessante Erzählungen als Quellen genutzt. „Wir haben alles verwurstet, was wir kriegen konnten“, schmunzelt Regine Jepp. Darunter ist auch die Story von „Autoreparateur“ Julius Steinhöfel. Der Selfmademan gehörte mit Breede, Kania, Möller und Rohardt zu den ältesten seiner Zunft in Eutin. Er betrieb schon Mitte der 1920er-Jahre eine Autowerkstatt mit Tankstelle in der Plöner Straße 11. Erst handelte er mit Motorrädern, später auch mit Opel-Limousinen. „In der Zeitung findet sich sein Name aber öfter in Zusammenhang mit seinem Hobby: Er war begeisterter Turner“, erzählt Regine Jepp.

Robert Schade, der Vater der Freiwilligen Feuerwehr Eutin

Auch der Goldschmied Robert Schade machte mehr mit seinem Einsatz abseits seines Hauptberufes Schlagzeilen. Er engagierte sich vielfältig ehrenamtlich – in der Kommunalpolitik, im Bürgerverein und für die Sozialfürsorge. Am bekanntesten ist er aber als treibende Kraft hinter dem Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr und als deren langjähriger Vorsitzender.

Viele Namen, die heute noch aktuell sind

Im Kalender wird auch über Geschäftsleute berichtet, deren Namen noch heute für wirtschaftlichen Erfolg stehen – vom Metallverarbeiter Heinz Stöckel über den Brunnenbohrer Otto Cobobes bis zum Optiker Dr. Werner Pistor. Letzterer war ein Mann von internationaler Bedeutung, widmete er sich doch der Entwicklung der ersten elektronischen Hörhilfen. Jahrzehntelang war er Bundesvorsitzender der Hörgeräteakustiker. Und so reiht sich eine erstaunliche Geschichte an die nächste.

Erhältlich bei Buch Hoffmann und in der Tourist-Info

Der Eutin-Kalender erscheint in einer Auflage von 600 Exemplaren und ist in der Buchhandlung Hoffmann und bei der Tourist-Info Eutin erhältlich. Trotz der deutlich gestiegenen Druckkosten bleibt es beim Preis von zwölf Euro. Damit in diesen herausfordernden Zeiten niemand am Kalender sparen muss, verzichtet das Ehepaar Jepp auf den eigenen Anteil am Erlös.

Volker Graap

Stellen den Eutin-Kalender 2024 vor (von links): Heimatforscher Karlheinz Jepp, Kreispräsident Harald Werner, Bürgermeister Sven Radestock, Regine Jepp und Bürgervorsteher Dieter Holst. (Foto: Graap)

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