Kiel-Lübeck: Holpriger Betriebsstart für neuen Eisenbahn-Anbieter

Pünktlich zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember hat das Lübecker Eisenbahnunternehmen „erixx Holstein“ den Betrieb der Strecke zwischen Lüneburg, Lübeck und Kiel übernommen. Aber das war auch schon fast alles, was fahrplanmäßig ablief. In den ersten Tagen machten Verspätungen und Zugausfälle den Passagieren Ärger. Außerdem gibt’s technische Probleme bei der Bereitstellung von Echtzeitinformationen zu Zugverbindungen, sodass Ausfälle und Verspätungen zeitweise in den digitalen Fahrplanauskünften nicht korrekt angezeigt werden.

Neuer Verkehrsvertrag läuft über 13 Jahre

Es läuft noch nicht alles rund, obwohl in den vergangenen Monaten sowohl am Verwaltungssitz am Lübecker Bahnhof als auch in der neuen Leitstelle in Lübeck emsig Vorbereitungen getroffen wurden. „erixx Holstein“ löst als Nahverkehrsanbieter die Deutsche Bahn ab. Der Verkehrsvertrag mit dem Land Schleswig-Holstein läuft über 13 Jahre. Die Firma gehört zur Osthannoverschen Eisenbahnen AG, einem der bundesweit größten privaten Eisenbahnunternehmen.

Bis zum Sommer fahren auf der Strecke nur noch Akkuzüge

Zunächst ist „erixx“ weiter mit den roten Dieselfahrzeugen des Vorgängers DB Regio auf der Strecke unterwegs. Bis Sommer 2023 sollen aber alle Züge durch nagelneue Akkuzüge im blau-petrolfarbenen Design des Nahverkehrsverbundes Schleswig-Holstein ersetzt werden. „Elektrifizierung ohne Oberleitung ist ein schneller Weg, den CO2-Ausstoß zu verringern“, so Landesverkehrsminister Madsen.

Tourist-Info Eutin übernimmt Ticketschalter im Bahnhof

Mit den Beschwerden der Kunden durften sich nun die neuen Mitarbeiterinnen des Ticketschalters im Eutiner Bahnhof auseinandersetzen. Die Tourist-Info Eutin hat nämlich hier am Montag den Fahrkartenverkauf im Auftrag von „erixx Holstein“ übernommen. „Wir hätten uns einen anderen Start gewünscht. Es ruckelt noch, und die Kommunikation mit ,erixx‘ ist unbefriedigend“, stellt Tourismuschef Michael Keller fest. Er hofft, dass das Unternehmen die Probleme nach der Einrichtung eines Krisenstabes schnell in den Griff bekommt.

Räume bis Weihnachten aufhübschen

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn auf eine ordentliche Übergabe verzichtet hat. Von Freitag auf Montag musste der Ticketschalter von den Eutinern neu eingerichtet werden. Auch das Eutiner Verkaufsteam müsse sich noch in die Software einfuchsen. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe, meint Keller.  Immerhin sorgte die Stadt innerhalb kürzester Zeit für die Verlegung eines Glasfaserkabels. „Unsere nächste Aufgabe ist es, etwas Qualität in das Kundenzentren hineinzubekommen und es bis Weihnachten aufzuhübschen“, so Keller.

Das NAH.SH-Kundenzentrum im Eutiner Bahnhof wird jetzt von der Tourist-Info Eutin betrieben. (Foto: Graap)

Malente: Kein Fahrkartenverkauf für Fernverkehr

Geöffnet ist Montag bis Freitag von 7 bis 12 Uhr und 16 bis 17 Uhr sowie Sonnabend von 8 bis 13 Uhr. Zur Verstärkung des Teams wird noch eine 520-Euro-Kraft gesucht. Denn auch das zentrale Fundbüro für die Bahnstrecke Kiel-Lüneburg wird in Eutin beheimatet sein. Übrigens wird es in Malente künftig in der Tourist-Information nur noch einen NAH.SH-Shop geben – Fahrkarten für den Fernverkehr werden dort nicht mehr angeboten. Alle weiteren Infos zum Fahrplan und zum Unternehmen gibt es auf der Website www.erixx.de.

Volker Graap

Noch fahren die bekannten roten Züge auf der Strecke. Neue Akkuzüge sollen sie bis zum Sommer 2023 ablösen. (Foto: Graap)

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3 Antworten auf &‌#8222;Kiel-Lübeck: Holpriger Betriebsstart für neuen Eisenbahn-Anbieter&‌#8220;

  1. Jürgen Skop sagt:

    Grundsätzlich ist es eigentlich fast eine Straftat, Eisenbahnstrecken und Stadtwerke zu privatisieren. Beides wurde vom Volk erwirtschaftet und kann nicht einfach an privat verkauft werden. Die Argumente, dass es privat wirtschaftlicher läuft, ist ein Armutszeugnis für die jetzigen Betreiber. Sie bestätigen damit ihre eigenene Unfähigkeit. Es wird so viel geklagt. Warum findet sich nicht hier auch mal jemand der gegen dieses Unding klagt!?

  2. Der frustierte Bahnfahrer sagt:

    Jaaa was soll man sagen stand heute morgen ab ca 5 uhr eine Stunde in Büchen rum weil der Anschlusszug nach Hamburg weg war weil der Lokführer so getrödelt hat, ich frage mich immer was der mist soll warum fährt der erixx nicht früher in LG los anstatt auf den letzten drücker. Letzte Woche sind die Züge morgens ausgefallen aber es intressiert keinen ob man zur Arbeit muss es wird so hingenommen WCs funktionieren nicht ob das Erix oder Metronom ist. Wenn der Zug schon morgen mit 4 Wagen ankommt wo kein WC funktioniert dann frage ich mich wozu ich soviel Kohle bezahle.

  3. Sven Riedel sagt:

    Es ist unglaublich! Selbst in Mölln drehen die Pendelnden durch, Züge kommen zu spät, keine Monatsfahrkarten, so wie Wochenkarten,! Die Zugführer sind unfreundlich, nur scheisse so was!

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