Eutiner Stadtvertreter beraten über Zukunft der Wisser-Schule

Eine sehr spannende Sitzung der Eutiner Stadtvertretung kündigt sich an. Sie findet am Mittwoch, 14. Dezember, um 17 Uhr im Ostholsteinsaal des Kreishauses, Lübecker Straße 41, statt. Denn das heftig umstrittene Bauprojekt Wisser-Schule kommt noch einmal auf die Tagesordnung – zum vierten Mal innerhalb von 15 Monaten wird die Standortfrage diskutiert.

FWE will bisherige Planung stoppen

Die Freie Wählergemeinschaft Eutin hat einen Planungs- und Realisierungsstopp für die Wilhelm-Wisser-Schule am jetzigen Standort an der Elisabethstraße beantrag. Auch die zugehörige Interimslösung – das in Bau befindliche Containerdorf auf dem Festplatz – soll eingefroren werden. Stattdessen beantragt die FWE die Neuplanung der Schule an der Blauen Lehmkuhle. Nachdem ein ähnliches Ansinnen kürzlich nur knapp gescheitert ist, hofft man vermutlich jetzt auf eine Mehrheit.

CDU fordert genaue Prüfung des Alternativstandortes

Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass die CDU nun plötzlich die genauere „Prüfung des Standortes Blaue Lehmkuhle für einen Schulneubau“ beantragt hat. Die CDU hält es für unverantwortlich, ein mitten in der Umsetzung befindliches Projekt zu kippen, „ohne dass es eine wirkliche und überprüfte Alternative gibt“, so Fraktionschef Matthias Rachfahl. Bis ein Prüfergebnis vorliege, sollten alle Planungen und baulichen Vorhaben für die Wisser-Schule ruhen. „Um eine sachliche Grundlage für die fortwährende Debatte eines möglichen Standortes der Wisser-Schule am Standort Blaue Lehmkuhle zu schaffen, fordert die Eutiner CDU-Fraktion, diesen Standort und einen möglichen Neubau an dieser Stelle eingehend zu untersuchen“, heißt es nun in dem Antrag der Christdemokraten.

„Grundlegende Fakten liegen bis heute nicht vor“

Weiter kritisiert die CDU, „dass in den städtischen Gremien die aktuellen Planungen der Sanierung und Erweiterung der Schule fortlaufend infrage gestellt und ein Neubau am Standort Blaue Lehmkuhle von seinen Befürwortern idealisiert“ werden. „Grundlegende Fakten, ob der Baugrund an der Blauen Lehmkuhle einen Schulneubau ermögliche, wie er gestaltet sein müsste, in welchem Zeitrahmen er realisiert werden könnte und welche Kosten zu erwarten wären, liegen bis heute nicht vor“, so die CDU-Fraktion.

FWE: Stadt hat belastbare Fakten schon ermittelt

Letzterer Behauptung widerspricht die FWE-Fraktion postwendend: „So zu tun, als gäbe es gar keine belastbaren Fakten für eine zu treffende Entscheidung, offenbart nicht nur die eigene Ahnungslosigkeit und Ignoranz, sondern missachtet auch die Arbeit der Stadtverwaltung und des beauftragten Architektenbüros, die in wochenlanger Arbeit im Rahmen der Kostenermittlung für das Bürgerbegehren genau diese Fakten bereits ermittelt haben. Dabei ist die grundsätzliche Eignung des Standortes bereits festgestellt worden. Wenngleich der Baugrund nicht untersucht, sondern nur kostenerhöhend berücksichtigt wurde“, so FWE-Vertreter Olaf Blanck.

Bürgerinitiative zeigt kein Verständnis

Auch die Bürgerinitiative „Mehr Raum für Entwicklung“, die für den Alternativstandort und einen entsprechenden Bürgerentscheid kämpft, hat kein Verständnis für den CDU-Antrag. Sie hätte sich beizeiten, spätestens im vergangenen Jahr, schon ein solches Interesse der CDU für den Standort Blaue Lehmkuhle gewünscht. „Stattdessen wurde alles, was mit Neubau und Sanierung der Wisser-Schule am Berg zu tun hatte, durch CDU, FDP und Grüne vorangetrieben und durchgewunken. Argumente von uns und den anderen Fraktionen, sowie Sorgen von Schuleltern und nicht zuletzt der Brandbrief der Lehrerschaft blieben ungehört“, kritisiert Mitinitiatorin Sonja Wirges.

Stadt hat bereits Kostenschätzung abgegeben

Sie betont: „Herr Rachfahl liegt falsch, wenn er sagt, dass ihm zum Standort Blaue Lehmkuhle nichts vorläge. Für die Begründung zum Bürgerbegehren hat die Stadt Eutin bereits eine Kostenschätzung zum Standort Blaue Lehmkuhle abgegeben. Es wurde vonseiten der Stadt hierzu nicht mitgeteilt, dass man dort nicht bauen könne.“

Plan B: Containerdorf für Geflüchtete nutzen

„Dass man nun für das Interim bereits sechs Millionen Euro ausgegeben hat, finden wir, tut weh. Aber auch hier hat die Stadt bereits einen Plan B, denn der Wohnraumbedarf für Geflüchtete ist so hoch, dass er derzeit nur mit teuren Anmietungen zu realisieren ist. Zumindest würde dann ein Teil der Kosten für das Interim wieder vom Land erstattet werden. Auch die Kosten für die vorangeschrittenen Planungen sind nicht grundsätzlich umsonst gewesen, denn das Raumbuch ist erstellt und bräuchte nur großzügiger an dem Standort Blaue Lehmkuhle umgesetzt werden“, so Wirges.

Volker Graap

Nur das denkmalgeschützte Hauptgebäude der Wisser-Schule an der Elisabethstraße bleibt erhalten, dahinter will man nach den aktuellen Plänen vieles neu bauen. Nun streitet man wieder über einen Alternativstandort für die Gemeinschaftsschule. (Foto: Graap)

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