Eutin: Grass illustriert Märchen von Hans Christian Andersen

Wer sich in der Advents- und Weihnachtszeit den Märchen zuwendet, kann eigentlich nichts falsch machen. Das Ostholstein-Museum am Schlossplatz 1 in Eutin setzt dabei auf gleich zwei Zugpferde: „Andersens Märchen in Illustrationen von Günter Grass“ lautet der Titel der gerade eröffneten Winterausstellung im Dachgeschoss des Museums.

30 ausgewählte Märchen in Szene gesetzt

Beide Künstler sind als überragende Schriftsteller in die Geschichte eingegangen. Literaturnobelpreisträger Grass hat sich darüber hinaus als Bildhauer und Grafiker einen Namen gemacht. „Anlässlich des 200. Geburtstages des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen im April 2005 erhielt Grass den Auftrag, ein Mappenwerk mit zehn Grafiken zu dessen Märchen zu gestalten. Im weiteren Verlauf entstand schließlich zusätzlich ein rund 100 Blatt umfassendes Konvolut, in dem der Lübecker Künstler 30 ausgewählte Märchen in seiner ganz eigenen Bildsprache illustrierte“, berichtet Museumsleiterin Dr. Julia Hümme. Einen Großteil dieser Lithographien – Leihgaben des Kunsthauses Lübeck – präsentiert sie nun in der neuen Sonderausstellung.

Mensch und Tier im Wechselspiel des Lebens

„Des Kaisers neue Kleider“, „Die kleine Meerjungfrau“, „Die Schneekönigin“ oder „Die Prinzessin auf der Erbse“ – in seinen Märchen hat Hans Christian Andersen (1805-1875) im 19. Jahrhundert viele unvergessliche Figuren und Geschichten erschaffen. „Doch nicht alle Erzählungen spiegeln eine märchenhafte Welt wider. Vielmehr zeigen sie auch Mensch und Tier im Wechselspiel des Lebens mit seinen großen und kleinen Herausforderungen, stets auf der Suche nach dem eigenen Glück. Manches Märchen endet im Guten, wenn zum Beispiel das hässliche Entlein zu voller Schönheit erblüht. Manch andere Geschichte – wie etwa die des Mädchens mit den Schwefelhölzern – endet dagegen nur allzu tragisch“, so Julia Hümme.

Betrachter haben Spielraum für eigene Interpretationen

Kein Wunder also, dass Andersens Erzählungen noch immer Menschen jeden Alters bewegen. „Und so werden die Märchen bis heute von Alt und Jung gelesen, immer wieder inhaltlich neu ausgelegt und nicht selten bildkünstlerisch interpretiert.“ Letzteres hat Günter Grass (1927-2015) in seinem typischen Stil gemacht: Er wandelte die äußerst bildhafte Sprache Andersens in inhaltlich stark reduzierte Darstellungen um, die beim Betrachter wiederum großen Spielraum für eigene Interpretationen zulassen. Die Geschichten dahinter jedoch bleiben erhalten – ob es nun die allgemein bekannten oder die weniger verbreiteten Erzählungen sind. Die Sonderausstellung läuft bis zum 29. Januar. Weitere Infos auf www.oh-museum.de.

Volker Graap

Museumsleiterin Dr. Julia Hümme zeigt in ihrem Ausstellungshaus ungefähr 60 Märchen-Lithographien von Günter Grass. (Foto: Graap)

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