Lübeck: Happy End nach Obdachlosigkeit

Wir stellen einen Lübecker vor, der durch die Wohnraumhilfe der Vorwerker Diakonie ein neues Mietverhältnis erhielt. 

Wochenspiegel-Serie: Obdachlosigkeit in Lübeck

Wir stellen einen Lübecker vor, der durch die Wohnraumhilfe der Vorwerker Diakonie ein neues Mietverhältnis erhielt. 

Christian Lüth war als junger Mann über längere Zeit wohnungs- und auch obdachlos. 2019 drohte dem 74-jährigen Lübecker noch einmal ein ähnliches Schicksal. Björn Steinbrecher von der Wohnraumhilfe der Vorwerker Diakonie konnte ihm jedoch helfen.

Als Jugendlicher wollte Lüth Journalist werden. Sein Opa war Postbeamter, und er trat dann doch in die vertrauten Fußstapfen. Als 18-Jähriger zog er nach Hamburg und wurde Postbeamter. Durch die Teilnahme an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg verlor der Staatsbeamte dann seine Stellung. „Wie aus dem Nest gefallen“ schlug der er sich viele Jahre ohne eigene Wohnung durch. „Ich schlief mal bei Freunden oder Bekannten“, sagt er. Sein Elend sah er nicht, dafür sei die Zeit damals für ihn viel zu aufregend gewesen. Später ging er nach Portugal und blieb dort sechs Jahre. „Bei meiner Rückkehr nach Lübeck, das war ein Kulturschock!“, fasst er seine Eindrücke zusammen.

Der Weg in die Obdachlosigkeit

Er fasste aber Fuß, arbeitete 30 Jahre im Garten- und Landschaftsbau und wohnte in der Böttcherstraße in der Altstadt. Dort war sein Kiez – er war endlich angekommen. Im „Seepferdchen“, einer ehemaligen Lübecker Kultkneipe, stand er oft hinter dem Tresen. „Meine zweite Heimat“, lacht er.

Sein Vermieter, ein Hamburger Investor, hatte das Haus, in dem Lüth damals wohnte, verfallen lassen. Selbst ohne sanitäre Versorgung hielt der Altachtundsechziger dort weiter aus. Mit der Räumungsklage musste er dann raus aus der Wohnung und das Quartier verlassen. Eine schlimme Erfahrung, zumal seine intensive Wohnungssuche erfolglos blieb.

Lüths Rechtsanwalt kannte die Wohnraumhilfe der Vorwerker Diakonie. Das Projekt, durch das wohnungslose Menschen unterstützt und wieder in ein Mietverhältnis gebracht werden, war Lüths Rettung.

Beratungsangebote konnten helfen

Für Wohnungs- und Obdachlose und Menschen in sozialer Not sind zunächst die Beratungsstellen der Vorwerker Diakonie erste Anlaufstelle. Im Beratungsgespräch klärt sich, welche Hilfebedarfe es gibt. „Es kann ein langer Weg sein, bis Lebenskrisen und soziale Probleme von den Betroffenen erkannt und bewältigt werden“, weiß Björn Steinbrecher von der Wohnraumhilfe. Ziel ist es, die gefestigten Menschen wieder zurück in den Alltag als Hauptmieter einer Wohnung zu führen.

„Wir bieten ein Rundumsorglospaket, denn wir garantieren pünktliche Mietzahlungen und betreuen die Menschen weiterhin. Sieht der Vermieter, dass das Mietverhältnis tragfähig ist, wird der Betroffene Hauptmieter“, erläutert der Projektleiter. Er ist in Kontakt mit Lübecker Immobiliengesellschaften und privaten Vermietern.

Christian Lüth malt seit Jahren farbenfroh und großformatig. Die Arbeiten hängen in seiner Einzimmerwohnung in Eichholz. Da die alten Kontakte fehlen, radelt er täglich in die Altstadt. Am Liebsten würde er dort wieder eine Wohnung finden.

Bunte Welt mit eigenen Malereien: Christian Lüth hat sich seine Wohnung sehr persönlich gestaltet. Foto: mpa

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