Friedhof statt Klassenzimmer: Neues Projekt für Schulklassen gestartet

Die Kinder der Klasse 4b der Paul-Gerhardt-Grundschule aus Lübeck haben einen intensiven Einblick in die Bestattungskultur sammeln können.

Schulausflug auf den Friedhof

Die Mädchen und Jungen der Klasse 4b der Paul-Gerhardt-Grundschule aus Lübeck haben jetzt auf Einladung der Gärtnerei Hinze, des Bestattungsunternehmens Schäfer und Co und der Hansestadt Lübeck einen intensiven Einblick in die Bestattungskultur sammeln können. Vor allem aber durften sie all ihre Fragen zum Thema Trauer und Tod stellen.

Ist Weinen oder Lachen bei einer Beerdigung erlaubt? Wie schwer ist eigentlich so ein Sarg? Gibt es eine Seele? Und was passiert eigentlich mit dem Körper nach dem Tod? Die Schüler hatten viele Fragen, als sie jetzt für einen Vormittag lang den Klassenraum gegen den Vorwerker Friedhof eintauschten. Für Sabine Watzinger, Leiterin des Geschäftsbereichs Friedhofsgärtnerei bei der Lübecker Gärtnerei Hinze in der Friedhofsallee, ist dies die Bestätigung, dass sie mit ihrem engagierten Projekt genau richtig gelegen hat. „In unserem Beruf haben wir tagtäglich mit trauernden Menschen zu tun, die mit einer Vielzahl von Regularien konfrontiert sind. Die vielen Aspekte, die Kinder nach dem Verlust eines Angehörigen beschäftigen, stehen dabei meist hintenan“, berichtet die Gärtnermeisterin. Hier wollte Sabine Watzinger ein Angebot für Kinder schaffen, sich mit dem Thema Tod und Trauer altersgerecht auseinanderzusetzen. „Ziel ist es, Ängste abzubauen, um letztlich besser mit der Trauer umgehen zu können.“

Den Friedhof hautnah erkunden

Schnell fand Sabine Watzinger die Unterstützung für das Konzept der Gärtnerei Hinze: Mitarbeitende des Bestattungsunternehmens Schäfer und Co und der Hansestadt Lübeck als Eignerin des Vorwerker Friedhofs unterstützten den Projekttag.

Gemeinsam warfen die Jungen und Mädchen einen Blick hinter die Kulissen der Gärtnerei. Sie konnten das Gezeitenhaus des Bestattungsunternehmens inspizieren und starteten zu einem Rundgang über den 54 Hektar großen Friedhof. Dass es der größte Ruheacker in Schleswig-Holstein ist, das wussten die Schüler noch nicht. Und dass der neue Teil der Anlage in Form eines Schmetterlings angelegt worden ist, ebenso wenig. Vor allem aber wurde der Wissensdurst der Kinder gestillt. Aus erster Hand erfuhren sie, dass ein Sarg – je nach Material – zwischen 20 und 80 Kilogramm wiegt, die Gräber mit bunten Blumen als Ausdruck des Gedenkens an den oder die Verstorbenen bepflanzt werden und es bis zu 25 Jahre dauert, bis ein Leichnam wieder zu Erde geworden ist.

Der Projekttag war ein Erfolg – und Fortsetzungen sind bereits in Planung. Für das kommende Jahr haben mehrere Klassen aus Lübeck Interesse angemeldet, berichtet Initiatorin Sabine Watzinger.

Foto: hfr

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