Freilichtbühne Eutin: Der Tribünen-Abriss ist in vollem Gange

Die Festspiel-Tribüne in Eutin ist bald Geschichte: Im Schlossgarten hat endlich der Abriss der Zuschauerränge begonnen. Dafür sind zwei Wochen Zeit eingeplant. Nach und nach frisst sich der Greifarm des Baggers durch die Stuhlreihen auf der 1976 errichteten Stahlkonstruktion. Bis März 2024 soll an dieser Stelle ein moderner Neubau in Form eines geschwungenen Beton-Hörnchens entstehen.

Enger Zeitplan, aber es ist zu schaffen

„Der Zeitplan ist wirklich eng. Aber nach dem jetzigen Stand ist es zu schaffen“, sagt Projektleiter Per Schmidt von der Stadt Eutin. Der Architekt hofft, dass die Weltpolitik nicht dazwischen grätscht. Denn im Frühjahr 2024 ist tatsächlich Deadline für das Vorhaben. Ab dann müssen die Eutiner Festspiele Kulissen aufbauen, die Technik einrichten und langsam mit den Proben für die Spielzeit beginnen.

Ausschreibung für Rohbau läuft bis zum 25. Oktober

Ein entscheidender Faktor wird das Ergebnis der europaweiten Ausschreibung für den Rohbau sein. Bis zum 25. Oktober haben Unternehmen Zeit, ihre Angebote einzureichen. Das Bauamt hofft, im Anschluss zügig den Auftrag vergeben zu können, damit im kommenden März die Vorplanung für die Betonarbeiten starten kann. Schon bis Dezember soll dort, wo heute noch Tribüne und Orchestergraben stehen, eine bebaubare Ebene hergerichtet werden, auf der das neue Bauwerk hochgezogen werden kann. Zuvor muss im Uferbereich eine Spundwand neun bis zwölf Meter tief in die Erde getrieben werden, damit die Arbeiter auf dem Trockenen werkeln können. Die Tribüne entsteht in unmittelbarer Ufernähe. Deshalb müssen für das Bauwerk auch zahlreiche Bohrpfähle installiert werden.

Neuausrichtung von Bühnenhügel und Orchestergraben

Anders als ursprünglich vorgesehen, wird die Betonschüssel nicht mit Fertigteilen errichtet. „Das hat sich als zu schwer und unhandlich herausgestellt. Wir verschalen und gießen den Beton vor Ort. Nur die Stufenteile, auf denen auch die Sitze montiert werden, liefert das Werk als Fertigteile“, so Schmidt. Der Sommer sollte dann beste Bedingungen für die Aushärtung des Betons garantieren. Parallel dazu erfolgt die zentrale Ausrichtung des Bühnenhügels und des neuen Orchestergrabens auf die Zuschauerränge. Damit wird künftig auch das Publikum am Tribünenrand einen besseren Blick aufs Opern- und Musicalgeschehen haben.

Grunddienstbarkeit ist unterschriftsreif

Brigitta Herrmann, Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Eutin, kündigte an, dass die Grunddienstbarkeit der Stiftung, die Voraussetzung für Fördermittel- und Bauantrag ist, in der kommenden Woche unterzeichnet werden könne. Die Freilichtbühne steht auf einem Teil des Schlossgartens, deshalb bedarf es der Abstimmung zwischen der Schloss-Stiftung als Grundbesitzer, der Stadt Eutin als Träger der Tribüne und der Festspiele als Nutzer.

Neue Tribüne kostet 9,2 Millionen Euro

Die neue Tribüne für 1900 Zuschauer hat der Hamburger Architekt Holger Moths entworfen. Sie soll durch ihre geschwungene Form mit der angrenzenden Landschaft verschmelzen. Darüber hinaus gewinnt die Rückseite der Tribüne eine neue Aufenthaltsqualität. Dort lassen sich See und Uferkante künftig aus nächster Nähe erleben. Die Kosten sind aktuell mit 9,2 Millionen Euro kalkuliert. Die Stadt rechnet mit öffentlichen Fördermitteln in Höhe von 5,5 Millionen Euro.  Die Spielzeit 2023 überbrücken die Festspiele mit Konzertveranstaltungen. Für die Bühne ist der Schloss-Parkplatz, der der Stadt gehört, im Gespräch.

Volker Graap

Beim Start der Abrissarbeiten am Mittwoch vor Ort auf dem „grünen Hügel“ wurde bereits kräftig geackert. (Fotos: Graap)

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