Obdachlose & Wohnungslose in Lübeck: So wird ihnen geholfen

Obdachlose Wohnungslose Lübeck

Die Temperaturen sinken wieder, und viele Menschen sorgen sich um obdach- und wohnungslose Menschen in Lübeck. In einer neuen Serie beleuchten wir das Schicksal dieser Menschen und zeigen, welche Hilfsangebote es in Lübeck gibt.

Obdachlosigkeit kann jeden treffen

Wer bei Verlust der Wohnung in das soziale Aus gerät, braucht ein starkes soziales Umfeld, um irgendwie „oben“ zu bleiben – trotz großer Scham und dem drohenden Verlust von Würde. „Es kann jeden treffen“, unterstreicht Aleksa Kiene von der Zentralen Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie. Der verlorene Job, eine Trennung, das Versterben des Partners, auch psychische Erkrankungen können dazu führen, dass die Miete allein nicht tragbar ist und die Wohnung gekündigt wird.

Psychische Erkrankungen bei Wohnungslosen nehmen zu

„Zudem nehmen die psychischen Erkrankungen bei wohnungslosen Menschen zu“, bestätigt Kristin Wendt (Öffentlichkeitsarbeit Vorwerker Diakonie) eine besorgniserregende Situation. Wer erst viel zu spät Hilfe suche, drohe durch die enorme Belastung der aussichtslos erscheinenden Situation psychisch krank zu werden. Auch Drogen- oder Alkoholsucht seien häufig ein Problem.

Notunterkunft oder Straße?

Betroffen sind Männer, Frauen und junge Erwachsene. Diese versuchen zunächst, bei Freunden und Bekannten unterzukommen. Finden sie keine Wohnung, landen sie dann doch in den Notunterkünften der Vorwerker Diakonie oder im Männerwohnheim der Heilsarmee. Wer es in den engen Verhältnissen der Notunterkünfte nicht aushält, lebt auf der Straße und ist ohne Dach über dem Kopf obdachlos. „Frauen halten es in der Notunterkunft eher aus“, weiß Aleksa Kiene. Doch der Grund dafür sei, dass das Leben auf der Straße für sie durch drohende körperliche oder sexuelle Gewalt gefährlicher sei.

Die Notunterkünfte in Lübeck sind voll

80 Plätze und einige Notplätze gibt es in den Notunterkünften der Vorwerker Diakonie. Sie sind das ganze Jahr über nahezu voll belegt. Auch die 37 Plätze und sechs Notplätze für Männer bei der Heilsarmee sind immer belegt. Nach dem Konzept der Stadt und der Vorwerker Diakonie soll den Betroffenen geholfen werden, in einen geregelten Alltag zurück zu kehren. Das Projekt „Wohnraumhilfe“ beinhaltet, günstige Wohnungen anzumieten und an zwei, drei Wohnungslose in Wohngemeinschaften unterzuvermieten. Über das Trainingswohnen soll ihnen ermöglicht werden, wieder eine Wohnung mieten und halten zu können. Daneben gibt es ein Präventivprojekt, dass Vermietern ermöglicht, sich an die Vorwerker Diakonie zu wenden, um Wohnungskündigungen bei säumigen und/oder „auffälligen“ Mietern zu verhindern.

„Niemand wird abgewiesen.“

„Zur Einschätzung der aktuellen Situation findet noch im Oktober ein Runder Tisch der Stadt mit den einzelnen Institutionen statt, um Hilfsangebote für die kommenden Monate zu optimieren“, kündigt Sozialsenatorin Pia Steinrücke an. Niemand werde bei sozialer Not oder Verlust der Wohnung abgewiesen, sagt sie. Doch auch wenn die neue noch vom Bund zu beschließende Wohngeldanpassung die aktuelle Not abmildern soll, bleibt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum eklatant. Das muss sich ändern. Monika Poppe-Albrecht

Zentrale Beratungsstellen der Vorwerker Diakonie für Frauen und junge Erwachsene, Tel.: 0451/4002-56 550, für Männer, Tel.: 0451/4002-57 640 sowie bei der Heilsarmee, Tel.: 0451/73394. Sachspenden für den Winter: Schlafsäcke, Isomatten und klappbare Betten. Abgabe Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr in der Zentralen Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie, Wahmstraße 60. Alle Informationen auf: https://www.luebeck.de/de/rathaus/verwaltung/unterstuetzung-fuer-hilfsbeduerftige-menschen.html.

Foto: Lutz Roeßler

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