Bürgermeisterwahl Eutin: Erstes Schaulaufen dauerte drei Stunden

Einen eindeutigen Favoriten für die Eutiner Bürgermeisterwahl am 23. Oktober gibt es auch nach der ersten Vorstellungsrunde der sieben Kandidaten am Montagabend auf der Freilichtbühne nicht. Die knapp 500 Besucher dürften aber einen Eindruck vom Auftreten und von den Positionen der Bewerber erhalten haben. Moderator Carsten Kock hat das eine oder andere Wissenswerte aus ihnen herausgekitzelt.

Sascha Clasen (CDU) ist amtierender Bürgermeister

Bei der persönlichen Vorstellung zum Auftakt fällt auf, dass alle Kandidaten eng mit Eutin verbunden sind. Die Rosenstadt ist für sie eine Herzensangelegenheit. Und alle versprechen, in der Rolle des Bürgermeisters ansprechbar und bürgernah sein zu wollen. Sascha Clasen (50, CDU) stellt sich als offen, ehrlich und verlässlich dar – das sei er als Polizeibeamter schon von Berufs wegen. „In den viereinhalb Jahren als stellvertretender Bürgermeister habe ich dieses Amt wertschätzen gelernt“, sagte Clasen.  Als amtierender Bürgermeister könne er noch bis zum Jahresende tief in die Materie eintauchen und, sollte er gewählt werden, im Januar bei fast 100 Prozent loslegen. Drei Dinge, die er unbedingt schnell anpacken würde? „Den Teamgedanken in der Mitarbeiterführung umsetzen. Ich bin jetzt schon in konkreten Gesprächen, um Veranstaltung für junge Leute in Eutin anzubieten – deshalb sind auch die Schlossterrassen ein wichtiges Thema.“ Außerdem gehe es darum, Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.

Finanzberater Olaf Bentke hat Blick auf Haushalt

Olaf Bentke (47, Freie Wähler) betonte, er kenne sich als seit 21 Jahren selbstständiger Finanzberater mit Finanzen aus – „und Eutin braucht jemanden, der auf den Haushalt achtet!“ Er wolle dafür kämpfen, die Bürger stärker in die kommunalpolitischen Entscheidungen einzubinden und den Charme von Eutin zu erhalten. Auf der Agenda ganz oben stehen für Bentke die Digitalisierung im Rathaus, der Bau der Festspieltribüne bevor Fördergelder verloren gehen sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Kommunalpolitik und Bürgern. „Ich bin authentisch und setze mich seit Beginn meiner kommunalpolitischen Tätigkeit für bürgernahe Politik ein.“

Christoph Müller „immer mit dem Ohr am Volk“

Einzelbewerber Christoph Müller (70), Gastronom und Bauunternehmer, will als Bürgermeister einige Fehler, die in der Vergangenheit gemacht worden seien, korrigieren und neue Perspektiven schaffen – „immer mit dem Ohr am Volk“, wie er unterstrich. Er möchte vorrangig einen Kompromiss bei der Auseinandersetzung um die Wisser-Schule finden. Er will, dass die Stadt selbst sozialen Wohnungsbau betreibt, und sich für den Bau eines Parkhauses in der Innenstadt einsetzen.

Elfi-Jacqueline Meyer hat Energie und Leidenschaft

Die Reiterhofbesitzerin und Fissauer Dorfvorsteherin Elfi-Jacqueline Meyer (57, FDP) sieht sich als lebendige Bürgermeisterin, die für die Einwohner da ist und sich für jedes ihrer Probleme einsetzt. „Ich habe genügend Energie, Leidenschaft und Lust dazu, aus Eutin eine Wohlfühlstadt für alle zu machen.“ Schnell anpacken würde sie nach einer Wahl die Schaffung eines digitalen Mängelmelders, auf dem Bürger unkompliziert Hinweise geben können, die Wiederbelebung des Projekts „Jugendherberge“ sowie das Erblühen der Stadt durch Ordnung und Sauberkeit. Was es mit ihr nicht gibt, machte Elfi-Jacqueline Meyer auch klar: „Ich baue keine Luftschlösser!“

Ein letztes Mal vor ihrem Abriss war die Tribüne mit knapp 500 Teilnehmern relativ gut gefüllt.

Sven Radestock bringt Ideen von außen mit

Der Rundfunkjournalist Sven Radestock (53, Grüne) will als Bürgermeister Impulsgeber und Bindeglied zwischen Verwaltung, Stadtvertretung und Bürgern sein. „Ich nehme für mich in Anspruch, nicht alles zu wissen, und deshalb stets Fachleute vor Entscheidungen zu Rate zu ziehen.“ Drei Dinge, die für ihn Priorität hätten: „Um das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen, müssen die Menschen, die hier wohnen, bei allem, was entschieden wird, zu Wort kommen. Wichtig sind außerdem Maßnahmen zum Klimaschutz und das Einstellen auf Klimaveränderungen. Und wir müssen uns fragen, was wir tun können, damit sich junge Leute in Eutin wohlfühlen – hier gibt es zurzeit ein Defizit“, so Radestock. Er betonte, dass er der richtige Kandidat für alle sei, die nach den bisherigen Erfahrungen etwas Neues wollten: „Ich habe einerseits Insider-Wisser und bringe andererseits Ideen von außen mit“, sagte der in Neumünster lebende gebürtige Eutiner.

Michael Kasch macht Schlossterrassen zur Chefsache

Einzelbewerber Michael Kasch (59, CDU) hob seine auf verschiedenen Ebenen erworbenen Verwaltungserfahrungen hervor und versprach, Bürger künftig regelmäßig über Sachstände zu informieren und ihnen Entscheidungen besser zu erklären. Für ihn ist wichtig, das Vertrauen in das Handeln der Verwaltung wieder herzustellen sowie den Bau der Festspieltribüne zügig zu realisieren und die Schlossterrassen zeitnah zu sanieren – beides sind für ihn Chefsachen. Außerdem will er die Umsetzung eines Verkehrskonzeptes, das unter anderem den Durchgangsverkehr aus der Stadt drängt, priorisieren und stets auch kritisch auf den Haushalt blicken.

Daniel Hettwich richtet Fokus auf soziale Sicherheit

Einzelbewerber Daniel Hettwich (57) ist Flüchtlingsberater beim Kirchenkreis Ostholstein. Als Bürgermeister würde er seinen Schwerpunkt auf die soziale Sicherheit und den Zusammenhalt in der Stadt legen. Welche Felder er, sollte er gewählt werden, schnellst möglich angehen würde: „Ich würde versuchen, das Ringen um den Schulneubau zu befrieden. Die Stimmen des Bürgerbegehrens dürfen nicht ungehört bleiben. Zweitens würde ich Beiräte, besetzt mit Experten, Bürgern und Stadtvertretern, zu wichtigen Themen installieren – beispielsweise zum Klimaschutz. Und es geht um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Ich würde mir Kooperationspartner suchen und Bauprojekte initiieren. Die Kirche etwa hat viel Land, die Stadt könnte als Bauherr auftreten“, schlug Hettwich vor.

Hat jemand eine Leiche im Keller?

Eine nicht ganz unwichtige Nebensächlichkeit an diesem Abend war die Aufforderung eines Zuschauers, falls einer der Kandidaten „eine Leiche im Keller“ haben sollte, dann bitte jetzt sofort zurückzutreten. Keiner der Bewerber hat sich angesprochen gefühlt. Nach dem Gehl-Skandal sind dann wohl weitere ausgeschlossen …

Volker Graap

Sieben auf einen Streich wollen das Bürgermeisteramt erobern (von links): Sven Radestock, Olaf Bentke, Michael Kasch, Elfi-Jacqueline Meyer, Daniel Hettwich, Christoph Müller und Sascha Clasen stellten sich am Montag auf der Freilichtbühne der Diskussion. (Fotos: Graap)

Weitere Infos zur Bürgermeisterwahl
Am Dienstag, 4. Oktober, findet um 19 Uhr im Ostholsteinsaal des Kreishauses eine inklusive Veranstaltung zur Vorstellung der Kandidaten statt. Geplant ist, dass Gebärdensprachdolmetscher, Simultan-Schriftdolmetscherinnen sowie Dolmetscher für das Übertragen der Beiträge in leichte Sprache zur Verfügung stehen. Diese Veranstaltung wird zudem ins Internet gestreamt. Der Stream wird dann bis zur Wahl über die Homepage der Stadt auf www.eutin.de erreichbar sein. Online erfährt man außerdem Details zur Briefwahl, die ab dem 12. September startet. Die entsprechenden Unterlagen können über die Stadt angefordert werden. Am Wahltag, 23. Oktober, sind die Wahllokale wie gewohnt von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer sich noch näher über die sieben Kandidaten informieren möchte, findet auf der Homepage www.eutin.de zusätzlich Einzelinterview, die RSH-Chefkorrespondent Carsten Kock mit allen Bewerbern geführt hat.
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