Historisches: Ein Eutiner Mediziner war „Hitlers Mann in Hollywood“

Neun Aufsätze auf gut 300 Seiten umfasst der neueste, dritte Band der Reihe „Beiträge zur Eutiner Geschichte“. Ein Themenschwerpunkt liegt auf dem Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Die vielleicht überraschendste Erkenntnis liefert eine Recherche zum Eutiner Mediziner Dr. Konrad Burchardi, der einst „Hitlers Mann in Hollywood“ war.

Konrad Burchardi: Agitation für das Dritte Reich

„Das ist tatsächlich eine filmreife Geschichte“, sagt der Herausgeber und Eutiner Verleger Wolfgang Griep. Die Autoren Joachim Tautz und Karl-Heinz Ziessow beschäftigen sich mit dem gebürtigen Ostholsteiner Burchardi, der schon vor 1933 Nationalsozialist war, in die USA auswanderte und in Hollywood einen Nazi-Klub mitbegründete – die „Friends of New Germany“. Es blieb nicht bei der Agitation für das Dritte Reich, auch vor Rufmord und Mordanschlägen sollte Burchardi nicht zurückschrecken.

Vier Mitglieder der „Friends of New Germany“ zeigen 1934 den Hitlergruß vor Gericht in Los Angeles. Ganz links steht der Eutiner Mediziner Dr. Konrad Burchardi. (Foto: Fred Coffey/Los Angeles Times)

Rückkehr nach Deutschland dank Eutiner Netzwerk

„Als die Luft in den USA für Nazisympathisanten dünner wurde, reaktivierte er seine Kontakte nach Deutschland und flüchtete zu alten Freunden“, berichtet Griep. „Durch die Protektion eines anderen Eutiners, des berüchtigten NSDAP-Politikers Heinrich Böhmcker, wurde er 1938 in Bremen Direktor des Krankenhauses. Diese weitgehend unbekannte Biografie wird hier zum ersten Mal anhand von Archivalien und Zeitungsmaterial erzählt.“

Drei fundierte Beiträge für den Goethe-Maler Tischbein

Gleich drei, sich wunderbar ergänzende Beiträge befassen sich mit dem Eutiner Hofmaler Tischbein. Dr. Stephanie Rehm vom Landesmuseum Oldenburg wirft einen Blick auf den ganzen Tischbein und seinen eigenständigen, modernen Malstil. Der Weimarer Kunsthistoriker Dr. Sebastian Dohe verweist auf die Traditionen, in denen Tischbein stand. Denn der Künstler hat nicht nur Italien bereist, sondern auch die großen niederländischen Barockmaler unmittelbar kennengelernt. Und schließlich rekonstruiert der Schriftsteller Peter Engel die Tischbein-Verbindung nach Hamburg und steuert neue Details zu Tischbeins Plänen für eine Kunstakademie in der Hansestadt bei.

Eutin während der Franzosenzeit und weitere Texte

Weitere Texte drehen sich um Eutin während der Franzosenzeit, um Biografien von Schülern, die im 19. Jahrhundert zwischen der Plöner und der Eutiner Gelehrtenschule wechselten und um Gedanken zur Geschichte, die sich Professor Dr. Oliver Auge anlässlich des 50-jährigen Kreisjubiläums machte. Erhältlich ist der neue Band für 19,80 Euro im Buchhandel und online auf www.lumpeter.de, wo auch die zwei bisherigen Bücher bestellt werden können.

Erinnerung an Mitinitiator Klaus-Dieter Hahn

Die „Beträge zur Eutiner Geschichten“ hatten Griep und der frühere Leiter des Ostholstein-Museums, Klaus-Dieter Hahn, 2018 als Fortsetzung der „Jahrbücher für Heimatkunde“ des mittlerweile aufgelösten Heimatverbandes Eutin ins Leben gerufen. „Es ging uns darum, den vielen geschichtlich Interessierten, den Ortschronisten, Heimatforschern und universitären Historikern eine neue Publikationsbasis zu bieten“, erläutert der Verleger. Klaus-Dieter Hahn hat die Fertigstellung des neuen Buches nicht mehr erlebt. Er verstarb im März, hatte als Redakteur die Texte aber noch weitgehend redigieren können. Ihm widmet Wolfgang Griep, der die Reihe jetzt alleine fortsetzt und bereits am vierten Band arbeitet, einen umfassenden Nachruf.

Volker Graap

Dr. Wolfgang Griep präsentiert den dritten und neuesten Band in der Reihe „Beiträge zur Eutiner Geschichte“. (Foto: Graap)

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.