Gasknappheit: Lage ist ernst, Stadtwerke Eutin werben fürs Energiesparen

Was rollt da nur auf die Verbraucher zu? Vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise hat Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, vor einer Verdreifachung der Gaspreise gewarnt. Gilt das auch für unsere Region? „Es ist schwer, die Preisentwicklung zu prognostizieren. Sie hängt stark vom Fortgang der Krise ab, die durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgelöst wurde. Der Preis lässt sich Stand jetzt nicht seriös kalkulieren“, sagt Marc Mißling, Geschäftsführer der Stadtwerke Eutin.

Preiserhöhung zum 1. September

Feststeht, dass die Stadtwerke ihre Strom- und Gaspreise zum 1. September erhöhen. Eine Reaktion auf den allgemeinen Preisanstieg bei der Energiebeschaffung, der schon vor Kriegsbeginn eingesetzt hat. In Zahlen bedeutet das, dass der Preis für Gas im Grundversorgungstarif bezogen auf 20 000 kWh um rund 34 Prozent steigt. Bei Strom sind es bezogen auf 3000 kWh etwa 17 Prozent – „ein Anstieg, der jedoch durch den Wegfall der EEG-Umlage Anfang Juli abgefedert wird“, so Vertriebsleiter Kenneth Clausen. Ähnliche Preissteigerungen haben gerade auch die Gemeindewerke Malente bekanntgegeben.

Auch Staat ist in der Verantwortung

„Wir empfehlen unseren Kunden deshalb, die Abschlagszahlungen anzupassen. So kann das Risiko hoher Nachzahlungen reduziert werden. Unsere Mitarbeiter stehen den Kunden dabei mit Rat und Tat zur Seite“, betont Mißling. Was ist mit Haushalten, die bei weiter steigenden Preisen ins Schwimmen geraten? „Als lokaler Versorger suchen wir natürlich das Gespräch und versuchen, eine Lösung zu finden. Am Ende ist angesichts dieser beispiellosen Entwicklung aber der Staat in der Verantwortung“, so Mißling.

Bürger beim Energiesparen in die Pflicht nehmen

Nichtsdestotrotz muss in dieser Lage jeder Bürger beim Thema Energiesparen in die Pflicht genommen werden. „Denn jede nicht verbrauchte Kilowattstunde hilft, die Speicher zu füllen, und hat darüber hinaus einen positiven Effekt auf den eigenen Geldbeutel“, unterstreicht Marc Mißling. Die frisch aufgelegte Energiesparkampagne der Stadtwerke Eutin (online auf www.eutinspartenergie.de) ist daher ein eindringlicher Appell an den Gemeinsinn der Bürger. Denn auch die von der Bundesregierung durchgespielten Szenarien gehen von einem Gasmangel im Winter aus – egal ob Russland kein Gas oder nur 40 Prozent der regulären Menge liefert. „Und in diese Berechnungen sind schon 20 Prozent Einsparungen durch die Verbraucher einkalkuliert“, weist Mißling auf den Ernst der Lage hin.

Wassertemperatur in der Schwimmhalle sinkt

Kein Wunder also, dass die Stadtwerke in der Schwimmhalle die Wassertemperatur senken wollen und weitere Sparmaßnahmen im städtischen Kontext prüfen. „Das Absenken der Raumtemperatur um ein Grad spart sechs Prozent Energie. Man kann also mit einfachen Maßnahmen erhebliche Effekte erzielen“, sagt Mißling. Es gelte, so viel wie möglich auf den Prüfstand zu stellen und dann bewusste Entscheidungen zu treffen. Auch auf den schlimmsten Fall sind die Stadtwerke vorbereitet: „Es könnte passieren, dass beim Notfallplan Gas die dritte Stufe ausgerufen und die Gasverteilung staatlich geregelt wird. Wir haben uns darauf eingestellt und können handeln.“

Strom in naher Zukunft selbst erzeugen

Der Blick der Stadtwerke richtet sich jedoch noch weiter in die Zukunft, auch um den Klimaschutz voranzutreiben. „Allein durch unsere Beteiligungen an Solar- und Windparkprojekten werden wir in naher Zukunft bis zu 15 000 Haushalte mit selbst erzeugtem Strom versorgen können“, so Marc Mißling.

Volker Graap

Geschäftsführer Marc Mißling (links) und Vertriebsleiter Kenneth Clausen werben fürs Energiesparen. (Foto: Graap)

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