„Madama Butterfly“ in Eutin: Eine Oper mit Wucht und Tragik

Die zweite Premiere der Eutiner Festspiele kündigt sich an: Am Freitag, 22. Juli, um 20 Uhr bringt das Ensemble Giacomo Puccinis Meisteroper „Madama Butterfly“ auf die Bretter der Freilichtbühne im Schlossgarten – in italienischer Sprache.

Dirigent Hilary Griffiths hat Oper schon 100 Mal aufgeführt

Vor allem für Dirigent Hilary Griffiths dürfte sich bei den Proben ein Gefühl der Vertrautheit eingestellt haben. Denn „Madama Butterfly“ ist ein Stück, „das mich über die Jahre regelrecht verfolgt“, sagt der musikalische Leiter der Eutiner Festspiele. Inzwischen hat er es über 100 Mal auf die Bühnen in aller Welt gebracht – im Jahr 1999 schon einmal in Eutin, aber zum Beispiel auch auf Teneriffa und in Kolumbien. Seine Partitur spricht Bände, derart ausgefranst und mitgenommen ist das Notenheft bereits.

Fasziniert von der Wucht und Menschlichkeit des Stücks

„Ich hatte das Glück, vor fast 40 Jahren ‚Madama Butterfly‘ in der legendären Inszenierung von Jean-Pierre Ponelle in Köln dirigieren zu dürfen. Wie beim ersten Mal bin ich immer wieder fasziniert von der Wucht, aber auch der Menschlichkeit dieses Werkes“, betont Griffiths. Er sei ein großer Bewunderer von Puccini und dessen Fähigkeit, intime und persönliche Emotionen auf der großen Bühne auszudrücken.

Puccinis Musik spiegelt Kontrast virtuos

„Bei dieser Oper haben wir auf der einer Seite den Kontrast zwischen der westlichen und der östlichen Welt, der virtuos in der Musik gespiegelt wird. Da ist aber auch ein menschliches Drama von Liebe und Verlassen, von Treue und Betrug, das jedem ans Herz geht“, erklärt Griffiths. Das 60-köpfige Festspiel-Orchester – die Kammerphilharmonie Lübeck – wird diese Gefühle zum Klingen bringen.

Exotisches Abenteuer mit tragischem Ausgang

Regisseur Igor Folwill setzt ganz auf Drama und zeigt, dass diese Oper nichts anderes als eine Tragödie ist. Die Story beginnt für die blutjunge Japanerin Cio-Cio San (Tetiana Miyus), als sie den Amerikaner Pinkerton (Timothy Richards) kennenlernt: Sie wird dem Marineoffizier zu seiner Unterkunft bei Nagasaki gleich mit zur Verfügung gestellt. Die kleine „Frau Schmetterling“ fühlt sich zu dem schneidigen Militär hingezogen, der aber nimmt sie nicht wirklich als fühlendes Wesen wahr. Für ihn ist sie ein exotisches Abenteuer, sie wird zur Verschmähten und Verächteten …

„Die Cio-Cio San ist eine absolute Traumrolle für mich“

Für die Titelrolle haben die Eutiner Festspiele die ukrainische Sopranistin Tetiana Miyus verpflichtet. 33 Rollen, meist im lyrischen Fach, hat die junge Sängerin der Oper Graz schon gestaltet. Jetzt übernimmt sie erstmals als Hauptfigur eine ausgeprägt dramatische Stimmpartie. „Die Cio-Cio San ist eine absolute Traumrolle für mich. Aber ich war mir unsicher, ob die Butterfly nicht zwei, drei Jahre zu früh kommt für meine Stimme“, erzählt sie. Dort Dirigent Griffiths, der die Seebühne wie kein Zweiter kennt, habe ihr versichert, „dass meine Stimme dort genau richtig sein wird“.

„Madama Butterfly“ steht neunmal auf dem Programm

Für einige Veranstaltungen gibt es jedoch eine zweite Besetzung, da an den aufeinanderfolgenden Tagen eine andere Butterfly singen muss – „sonst ist das nicht machbar“, betont Festspiel-Geschäftsführerin Anna-Luise Hoffmann. Dann kommt die chinesische Sopranistin Yitian Luan zum Zug. „Madama Butterfly“ steht in Eutin insgesamt neunmal auf dem Programm. Alle Infos zum Kartenverkauf gibt es online auf www.eutiner-festspiele.de.

Volker Graap

Die ukrainische Sopranistin Tetiana Miyus singt in der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ die exotisch anmutende Titelrolle der Cio-Cio San. (Foto: Lucija Novak)

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