Bürgermeisterwahl: Eutiner Grüne schicken Sven Radestock ins Rennen

Nach dem Verzicht von Christoph Gehl, das Amt des Bürgermeisters in Eutin nach seinem Veruntreuungsskandal anzutreten, kommt es im Herbst zu einer Neuwahl. Zwei Kandidaten haben sich aus der Deckung gewagt.

Gastwirt Christoph Müller will es erneut versuchen

Zuerst hatte Christoph Müller (70) öffentlich gemacht, dass er nach seiner gescheiterten Kandidatur im Februar erneut antreten werde. Damals verpasste der parteilose Einzelbewerber mit nur 8,8 Prozent der Stimmen deutlich die Stichwahl.  „Dieses Mal werde ich wesentlich mehr Stimmen holen“, sagte er jetzt den Lübecker Nachrichten. „Ich bin so oft aufgefordert worden, noch einmal anzutreten.“ Müller betreibt in Eutin die Musikkneipe „Frogs“ sowie das Bootshaus im Seepark, ihm gehört zudem ein Malermeisterbetrieb. Als Motivation, sich für das Amt des Verwaltungschefs zu bewerben, nannte er Anfang des Jahres „die große Politikverdrossenheit in der Stadt“ – seine eigene und die vieler Mitbürger. Dies treibt ihn auch jetzt an.

Christoph Müller
Der Eutiner Gastwirt und Unternehmer Christoph Müller will es noch einmal wissen. (Foto: Graap)

Einstimmiges Votum der Grünen für Radestock

Am Donnerstagabend hat nun der Eutiner Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen seine Position festgezurrt und mit Sven Radestock einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt. Die Mitgliederversammlung votierte einstimmig dafür, den 52-jährigen Rundfunkredakteur zu unterstützen und den Bürgern zur Wahl zu empfehlen.

Ein pragmatischer, kompromissbereiter Vermittler

„Es ist nicht einfach das grüne Parteibuch von Sven Radestock, das den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat. Er ist pragmatisch, kann zuhören, vermitteln, überzeugen und Kompromisse finden. Viele Menschen schätzen ihn als einen, der anpackt und Lösungen sucht“, erläutern die beiden grünen Ortssprecher Volker Rosenau und Per Köster.

Für Klimaschutz und eine sozial gerechte Wirtschaft

Hinzu kämen wichtige inhaltliche Schwerpunkte: „Wir sind überzeugt, dass auf allen Ebenen, auf Bundes-, Landes-, Kreis- und eben auch auf der Kommunalebene Themen wie Klima- und Umweltschutz, Energie- und Mobilitätswende sowie sozial gerechte Wirtschaft und Arbeitsplätze besonders in den Vordergrund gerückt werden müssen – und dafür steht Sven Radestock. Seine Erfahrungen an der Schnittstelle von Bürgern, Politik und Verwaltung qualifizieren ihn unserer Auffassung nach sehr“.

Andere Parteien sind zur Unterstützung eingeladen

Und sie führen weiter aus, dass insbesondere auf örtlicher Ebene nicht das Parteibuch entscheidend sein sollte. Folgerichtig laden sie auch andere Parteien herzlich ein, Sven Radestock kennenzulernen und zu unterstützen. Dann könnte er gerne als überparteilicher Kandidat ins Rennen geschickt werden. Gespräche darüber mit anderen Eutiner Parteien wurden von den örtlichen Grünen schon vor längerer Zeit aufgenommen.

Radestock ist in Eutin geboren und aufgewachsen

Eutins erster Grüner Bürgermeister-Kandidat freut sich über die Unterstützung: „Ich bin in Eutin fest verwurzelt, kenne und mag unsere Stadt. Deshalb freue ich mich sehr auf diese Aufgabe. Auch wenn ich Mitglied der Grünen bin, verstehe ich mich als unabhängiger Kandidat für alle Eutinerinnen und Eutiner. Wir alle zusammen gestalten die Zukunft unserer Stadt – mit Blick auf Geschichte und Traditionen, aber auch auf mutige neue Wege.“ Radestock ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 17 und 20 Jahren. Er ist in Eutin geboren und aufgewachsen und erst mit 26 Jahren aus beruflichen Gründen nach Neumünster gezogen.

Sven Radestock hat die volle Rückendeckung der Grünen in Eutin und ist offen für weitere Unterstützer. (Foto: hfr)

Senderedakteur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Nach Schule und Grundwehrdienst in Eutin, Volontariat und einem Jahr als Lokalredakteur beim Ostholsteiner Anzeiger studierte Sven Radestock Deutsch und Erdkunde im Lehramt (1. Staatsexamen), um dann über Tätigkeiten während des Studiums wieder beim Journalismus zu landen. Heute ist er fest als Senderedakteur beim NDR angestellt.

2021 vergeblich als Oberbürgermeister kandidiert

Schon seit seiner Jugend engagiert sich Sven Radestock ehrenamtlich. Zunächst als Jugendgruppenleiter, später als Moderator und Programmmacher bei den Eutiner Patienten-Radios und beim Stadtfernsehen, heute in der Kirche als Gemeinderatsmitglied und Synodaler. Und seit neun Jahren auch in der Kommunalpolitik: Er ist Stadtteilvorsteher und seit der letzten Kommunalwahl mit einem Direktmandat Vorsitzender der Grünen-Fraktion der Neumünsteraner Ratsversammlung. Im Frühjahr 2021 hatte Radestock dort auch für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, das Ziel aber mit einem Stimmenanteil von 22,3 Prozent verfehlt.

Die CDU entscheidet am 21. Juni

Der CDU-Ortsverband Eutin will auf seiner Mitgliederversammlung am 21. Juni eine Entscheidung in Sachen Bürgermeisterwahl treffen. Die Aufstellung eines eigenen Kandidaten deutet sich aber an.

Volker Graap

Sven Radestock, Volker Rosenau und Per Köster (von links) zeigen im Stadtplan auf das Eutiner Rathaus – da soll es für den Kandidaten hingehen. (Foto: hfr)

 

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