Eutiner Festspiele bereiten Puccini-Tragödie „Madama Butterfly“ vor

Rund um Opernscheune und Freilichtbühne herrscht zunehmend Betriebsamkeit. In anderthalb Monaten beginnt die 71. Spielzeit der Eutiner Festspiele, und nicht nur Bühne und Kulissen wachsen von Tag zu Tag. Auch die Zusammenstellung der Künstlerensembles ist fast schon abgeschlossen. Für die Puccini-Oper „Madama Butterfly“ zum Beispiel hat der musikalische Leiter Hilary Griffiths jetzt seine Traumbesetzung gefunden.

Alles läuft unausweichlich aufs Unglück zu

Für die aktuelle Inszenierung zeichnet erneut das Team verantwortlich, das im vergangenen Jahr so erfolgreich Puccinis „La Bohème“ auf die Seebühne gebracht hat. Neben Dirigent Hilary Griffiths und Bühnenbildner Jörg Brombacher ist auch Regisseur Igor Folwill, der 2021 sein Eutin-Debüt gab, mit dabei. „Ich habe mir vorgenommen, die Tragödie, die hinter der Geschichte steht, zu zeigen und die Figuren nicht aufzuweichen. Sämtliche Handlungsfäden laufen unausweichlich auf das Unglück zu“, sagt Folwill. Die 1904 in Mailand uraufgeführte Oper beschreibt das Schicksal einer japanischen Geisha, die an der Liebe zu einem amerikanischen Marineoffizier zerbricht. Während sie glaubt, den Traum ihres Lebens zu erleben, will er nicht mehr als zwei, drei schöne Nächte mit ihr. Für ihn ist sie ein exotisches Abenteuer, sie wird zur Verschmähten und Verächteten, die schließlich den Tod sucht.

Atmosphäre einer merkwürdig exotischen Welt

„Das Musical ist eigentlich ein Kammerspiel mit zwei größeren Chorauftritten. Unser Bühnenbild hilft, das Ganze zu öffnen“, sagt Folwill. Jörg Brombacher hat für den Beginn einen japanischen Steingarten entworfen und die Bühne für mehr Publikumsnähe nach vorn gezogen, teilweise über den Orchestergraben hinaus. Im Verlauf des Abends entwickelt sich dann aber das Bild vom Innern eines Hauses mit typisch japanischen Papierwänden. „Auch der Zuschauer soll das Gefühl haben, sich in einer merkwürdig exotischen Welt zu befinden“, sagt Folwill.

Hilary Griffiths ist „Madama Butterfly“-Spezialist

Für Hilary Griffiths dürfte sich ein Gefühl der Vertrautheit einstellen. Denn „Madama Butterfly“ ist ein Stück, „das mich über die Jahre regelrecht verfolgt“, sagt der Dirigent. Inzwischen hat er es um die 50 Mal auf die Bühnen in aller Welt gebracht – vor gut 20 Jahren in Eutin, aber zum Beispiel auch in Kolumbien. Seine Partitur spricht darüber Bände, derart ausgefranst und mitgenommen ist das Notenheft.

Traumbesetzung für die Hauptrollen gefunden

Dass Griffiths allgemein viel herumkommt in den Opern- und Theaterhäusern, hat sich für die Eutiner Festspiele ausgezahlt: Für die Hauptrollen der Cio-Cio-San und des Pinkerton hat er kürzlich in Graz die gebürtige Ukrainerin Tetiana Miyus (Sopran) und in Mannheim den walisischen Tenor Timothy Richards entdeckt und fast vom Fleck weg engagiert. „Ich spüre, das ist eine Traumbesetzung. Auch für die kleineren Rollen haben wir tolle Sänger gefunden“, sagt Griffiths. Am 20. Juni beginnen die Proben, am 22. Juli ist Premiere.

Die neuen Stimmen bei den Eutiner Festspielen: Tetiana Miyus und Timothy Richards singen in „Madama Butterfly“. (Fotos: hfr)

Festspiele können auf Rekordergebnis hoffen

„Der Kartenverkauf läuft sehr, sehr gut“, sagt Geschäftsführer Falk Herzog. „Wir haben bereits 20.000 Tickets verkauft und können auf ein Rekordergebnis hoffen.“ Im günstigsten Fall könnte die in den 90er-Jahren aufgestellte Bestmarke von 43.000 Besuchern geknackt werden.  Infos zum Ticketverkauf auf www.eutiner-festspiele.de

Volker Graap

Berichteten über die Vorbereitungen für „Madama Butterfly“ (v.l.):  Hilary Griffiths, Igor Folwill, Jörg Brombacher sowie die Festspiel-Geschäftsführer Anna-Luise Hoffmann und Falk Herzog. (Foto: Graap)

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