Migranten organisieren Fahrradverleih in Lübeck

Der Verein Sonntagsdialoge hat den Fahrradverleih am Hüxterdamm übernommen und nutzt weitere Räume für Angebote für geflüchtete Menschen.

Der Verleih läuft unter der Regie des Vereins „Sonntagsdialoge“

Im Hüxterdamm 2 ist immer etwas los. Dort hat Lübecker Verein Sonntagsdialoge den Fahrradverleih übernommen und nutzt zwei weitere Räume für seine Sprach- und Laptopkurse sowie weitere Angebote für geflüchtete und zugewanderte Menschen. Seit dem 1. März sind die Türen nach aufwändiger Renovierungen wieder geöffnet. Die Arbeiten wurden von den jungen Migranten engagiert ausgeführt, die auch mit für neuen Fahrradverleih zuständig sind. Dabei gilt der Verleih als Trainingsprojekt für die jungen Geflüchteten oder Zugewanderten, die Verleih, Büroarbeit und Reparatur gemeinsam mit jungen Lübeckerinnen und Lübeckern managen. „Wir haben am Osterwochenende bereits erfolgreich Fahrräder an Touristen verliehen“, freut sich Regine Norden, die erste Vorsitzende des Vereins. Tipps für Radwanderungen werden auf Wunsch auch gerne gegeben. Geführte Touren in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sollen demnächst ebenfalls angeboten werden.

Elf stabile Leihfahrräder stehen zur Verfügung und können pro Stunde, Tag oder Woche gemietet werden. „Über den Austausch mit den Touristen verbessern die Migranten ihre Deutschkenntnisse und lernen neue Menschen kennen“, freut sich die erste Vorsitzende über die Kommunikation miteinander. „Neben diesem Austausch sind Selbstvertrauen und Verantwortung zwei weitere Aspekte unseres Projektes“, sagt sie und freut sich über die unkomplizierte Vielfalt, die immer wieder zustande kommt.

Kontakt mit Geflüchteten als Austausch

Auch Matthias Pelzer ist nach seinem Informatikstudium regelmäßig bei den Sonntagsdialogen anzutreffen. „Der Kontakt zu den jungen Menschen, die geflüchtet und nach Lübeck gekommen sind, hätte sich so nicht in meinem privaten Leben ergeben“, weiß er. Jetzt ist er vom lebendigen und interessanten Miteinander begeistert. „Das ist ein Fahrradverleih einmal anders“, unterstreicht Regine Norden. So soll auch der Name des Projektes lauten, der außen an der Fassade noch angebracht wird. Der Erlös aus dem Verleih soll für die Miete der Räumlichkeiten verwandt werden.

Nach der Pandemie mit monatlichen Online-Treffen des Vereinskerns sind die Vereinsmitglieder froh, den Herausforderungen rund um die Integration in neuen Räumen wieder besser begegnen zu können. „Bei uns ist alles immer in Entwicklung“, so Regine Norden über ständige Veränderungen. Aktuell steht der Verein vor dem Start von Deutschsprachangeboten für geflohene Menschen aus der Ukraine. Es werden weitere ehrenamtliche Sprachlehrerinnen und -lehrer ins Boot geholt, um auch die ukrainischen Flüchtlinge zu unterstützen. Monika Poppe-Albrecht

Wer ein Rad leihen möchte, ist dort richtig: Die BWL-Studierenden Wael und Salma aus dem Jemen, Omid aus Afghanistan sowie der Lübecker Andreas Huth haben die Aufgaben des Fahrradverleihs übernommen (v.l.). Foto: hfr

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