Untreue-Affäre Eutin: Christoph Gehl verzichtet auf Bürgermeisteramt

Erst hat er sich um Kopf und Kragen geredet, dann eine Woche lang geschwiegen: Aus einer am 13. April publik gewordenen Untreue-Affäre hat der gewählte Eutiner Bürgermeister Christoph Gehl jetzt aber doch Konsequenzen gezogen. Am Donnerstagmittag ließ er über seinen Kieler Rechtsanwalt Friedrich Fülscher erklären, dass er auf sein Amt als Verwaltungschef verzichten wird. Dies hatten zuvor alle kommunalpolitischen Kräfte in Eutin von Gehl gefordert.

Gehl soll fast 44.000 Euro veruntreut haben

Was war überhaupt geschehen? Am Mittwoch vergangener Woche erhob der SPD-Kreisverband Ostholstein schwere Anschuldigungen gegen seinen bisherigen Kreisschatzmeister Christoph Gehl. Er soll seit dem Jahr 2020 insgesamt 43.911,20 Euro aus der Parteikasse privat verwendet haben. Gehl habe die Vorwürfe eingeräumt, fast das gesamte Geld innerhalb von zwei Tagen zurückgezahlt und an der Aufklärung des Sachverhaltes mitgewirkt, so der SPD-Kreisvorsitzende Niclas Dürbrook. Er forderte Gehl auf, auf den Amtsantritt als Bürgermeister zu verzichten und auch aus der Partei auszutreten. „Mit dieser Vorgeschichte kann Christoph Gehl das Amt des Bürgermeisters von Eutin nicht wie vorgesehen am 1. August antreten“, so Dürbrook.

SPD-Kreisverband stellt Strafantrag

Eine außerordentliche Revision durch die Bundes-SPD ergab, dass 2020 genau 19.403,95 Euro entwendet wurden. 2021 waren es 14.726,60 Euro und 2022 noch einmal 9.700 Euro. Obwohl Gehl den finanziellen Schaden ausgeglichen hat, sich voll geständig und voll kooperativ zeigte, hat der SPD-Kreisverband Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Lübeck gestellt. Dürbrook: „Diese Entscheidung haben wir uns menschlich nicht leicht gemacht. Sie ist aber mit Blick auf den Umfang, über den wir sprechen, alternativlos.“ Als Schatzmeister ist Gehl auf Drängen des Kreisvorsitzenden bereits zurückgetreten. Seinen Parteiaustritt hat Gehl am 14. April per E-Mail erklärt.

Gehl brauchte wohl Geld

Gegenüber dem Wochenspiegel bezog Christoph Gehl am 14. April zunächst Stellung und sprach von einem „klaren Fehlverhalten“. Die große Frage nach dem Warum konnte er nicht schlüssig beantworten. „Ich kann es nicht erklären. Auch für mich ist es am Ende ein nicht nachvollziehbares Fehlverhalten.“ Weiter gab Gehl zu Protokoll: „In einer schweren Lebensphase habe ich damit angefangen – es war so leicht.“ Unumwunden gibt Gehl zu, auf großem Fuß gelebt zu haben. „Ich habe mir aber keine Luxusuhren gekauft, sondern das Geld einfach verlebt.“ Wie er die entwendete Summe auf einen Schlag zurückzahlen konnte, erklärte er nicht.
Gehl betonte: „Ich sage weiterhin: Ich möchte Bürgermeister sein. Dass das Vertrauen der Menschen weg ist, ist klar. Nun gilt es zu klären, ob ich es zurückgewinnen kann.“ Dafür wollte er sich eigentlich den Bürgern auf dem Wochenmarkt stellen. Von diesem Vorhaben allerdings nahm er dann auf Anraten seines Anwaltes noch am selben Tag Abstand. Seitdem gab Christoph Gehl keine öffentlichen Stellungnahmen mehr ab.

SPD forderte Gehl zum Verzicht auf das Amt auf

Dass Gehl nach dem Griff in die SPD-Kasse unbeirrt daran geglaubt hat, doch noch Bürgermeister werden zu können, hat in der Kreisstadt für Sprach- und Fassungslosigkeit gesorgt. Am Mittwoch sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli am Rande einer Veranstaltung in Malente: „Das Vertrauen ist aufgebraucht. Wir können nur auf Einsicht hoffen. Für das Bürgermeisteramt ist Christoph Gehl charakterlich nicht geeignet.“

Anwahlt: Gehl will nicht mehr Bürgermeister werden

Jetzt erfolgte fast schon überraschend die Einsicht. In einem kurzen Statement erklärt Gehls Anwalt in puncto Amtsverzicht: „Eine solche Entscheidung wird nicht, wie von einigen politischen Gegnern gefordert, aus dem Bauch heraus getroffen, sondern nach einer Abwägung von Fakten. Unabhängig von dem Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen und der damit verbundenen rechtlichen Bewertung der Vorwürfe gegen meinen Mandanten, ist aufgrund des Stimmungsbildes in Politik und Bevölkerung dieser Schritt für ihn nunmehr der einzig richtige.“

Neuwahlen in Eutin

Damit ist der Weg frei für eine Neuwahl, die spätestens sechs Monate nach Freiwerden der Stelle erfolgen muss. Die Amtszeit von Bürgermeister Carsten Behnk endet am 31. Juli. Spannend dürfte die Frage werden, ob sich Amtsinhaber Behnk nach der im März verlorenen Bürgermeisterwahl nun erneut als Kandidat bewirbt.

Volker Graap

Christoph Gehl ist jetzt doch zu der Einsicht gekommen, aufs Bürgermeisteramt zu verzichten. (Foto: Lutz Roeßler)

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