Museum Pönitz: Ausstellung über die „Mutter“ aller Ostsee-Sturmfluten

Vor 150 Jahren ereignete sich an der Ostseeküste Unvorstellbares: Am 12. und 13. November 1872 traf die bislang schwerste Ostsee-Sturmflut die Region. Für das Scharbeutzer Museum für Regionalgeschichte in Pönitz, Lindenstraße 23, ist der Jahrestag Anlass genug, das verheerende Hochwasser in einer Sonderausstellung umfassend zu dokumentieren. Am jetzigen Sonnabend, 23. April, ist die Eröffnung der Schau.

Mindestens 271 Menschen starben, Hunderte Schiffe sanken

Dass sich das hiesige Museum des Themas annimmt, kommt nicht von ungefähr. Denn im Zentrum der Katastrophe lagen die heutigen Badeorte an der Lübecker Bucht. Sierksdorf, Haffkrug, Scharbeutz und Niendorf waren betroffen. Aber auch die gesamte südwestliche Ostseeküste zwischen Dänemark und Usedom hat diese Katastrophe erwischt. Mindestens 271 Menschen starben, Hunderte Schiffe sanken, Tausende Häuser wurden zerstört. Mehr als 10.000 Nutz- und Haustiere ertranken. Der zweitägige Orkan ließ die Pegel auf über 3,30 Meter steigen. Der Wellenschlag erreichte bis zu 5,50 Meter, einzelne Brecher waren etwa sieben Meter hoch.

Sturmflut 1872: Die Wellen zerstörten dieses Niendorfer Zollhaus. (Foto: Gemeindearchiv Timmendorfer Strand)

Sonderausstellung zeigt auch historische Fotografien

Kaum ein Haus in Strandnähe blieb unbeschädigt. Die Ernte wurde vernichtet, fast alle Fischerboote, Netze und Reusen zerstört. Eckernförde, Fehmarn und Lübeck standen unter Wasser, die Inseln Hiddensee und Usedom wurden in zwei Teile gerissen. „Diese Ausstellung ist die bislang umfassendste Darstellung der damaligen Ereignisse. Sie enthält fast alle historischen Zeichnungen, Illustrationen und frühen Fotos sowie Augenzeugenberichte, Tagebucheintragungen und Dokumente“, erläutern Dr. Kersten Jungk, Vorsitzender des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung, und Sven-Michael Veit, der für die Ausstellung verantwortliche Museumsmitarbeiter. Zu sehen sind zudem 34 Sturmflutmarken aus den betroffenen Orten an der Ostseeküste.

Wie ist der aktuelle Stand des Küstenschutzes?

Weitere Themen der Ausstellung sind der aktuelle Stand des Küstenschutzes sowie die zu erwartenden Folgen des Klimawandels. Wie kann man bei steigendem Meeresspiegel und stärkeren Sturmen künftig Hab und Gut, Leib und Leben der Bevölkerung an den Küsten der Ostsee sichern? Sturmfluten und Hochwasser waren und bleiben reale Gefahren für die Küstenbewohner.

Geöffnet ist sonnabends, sonntags und dienstags

Die Ausstellung läuft bis zum 11. Dezember. Geöffnet ist  sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie dienstags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Besuche und Führungen für Gruppen und Schulklassen außerhalb der Öffnungszeiten kann man unter Telefon 04503 73273 oder per E-Mail an museum@museum-scharbeutz.de vereinbaren.

Pressemitteilung Museum Pönitz

Die Schautafeln im Pönitzer Museum sind unter anderem auch mit historischen Fotos bestückt. (Foto: hfr)

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