Bittere Nachricht: Kino „CineRoyal“ in Eutin muss schließen

Auf Eutins Kinofreunde kommen schwere Zeiten zu: Am 30. April laufen letztmals aktuelle Spielfilme über die Leinwand im „CineRoyal“. Nach zehn Jahren stellen die Pächter Gisela und Fredy Müller den Betrieb des Lichtspieltheaters in der Königstraßenpassage ein. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben sie am Ende in die Knie gezwungen.

Müllers gehen in den Ruhestand

„Schlussendlich sind wir uns mit dem Vermieter einig geworden und gehen jetzt in den Ruhestand“, sagt Fredy Müller, der sein ganzes Leben lang im Kinogeschäft tätig war. „Vor 65 Jahren fing ich als Laufjunge an“, berichtet er. Zusammen mit seiner Ehefrau hat er Kinos in Bredstedt, St. Peter-Ording, Garding und Eckernförde geleitet. „Jedes Mal sind wir auch umgezogen. Aber jetzt bleiben wir in unserem Haus in Eutin und genießen unser Rentnerdasein. Immerhin gehen wir schon auf die 80 zu“, meint Müller. „Bisher sind wir ja kaum rausgekommen, haben täglich Filme gespielt. Nun haben wir Zeit, Eutin und Umgebung mit Hund und Fahrrad zu entdecken und vielleicht mal bei Kollegen ins Kino zu gehen“, kündigt Gisela Müller an.

Streaming-Dienste sind weitere Konkurrenz geworden

Nicht nur die Lockdowns haben den Kinobetrieb schwer getroffen, auch die Verunsicherung und Angst der Zuschauer, Veranstaltungen in Innenräumen zu besuchen, ließen die Umsätze einbrechen. „Und manche Eutiner fahren lieber nach Lübeck oder Kiel ins Kino, weil sie dort im Anschluss noch etwas unternehmen können. Eutin hat in dieser Beziehung ja leider nicht viel zu bieten“, sagt Gisela Müller. Das Ehepaar weiß aber auch, dass die Streaming-Dienste gerade in der Corona-Zeit eine zusätzliche Konkurrenz fürs Kino geworden sind. Insgesamt also keine guten Voraussetzungen, um das Eutiner Filmtheater in den letzten Jahren erfolgreich betreiben zu können.

Schönste Momente mit „Bohemian Rhapsody“

Es gibt aber auch unvergessliche Momente, die die alten Kino-Hasen in Eutin erlebt haben. Ein echtes Highlight war zum Beispiel das Biopic über Freddie Mercury. „Die Resonanz auf ,Bohemian Rhapsody’ war sagenhaft. Die Besucher haben mitgesungen und mitgetanzt“, erinnert sich Gisela Müller. Sie freut sich ebenfalls über das treue Publikum der gut besuchten Matineen an jedem Sonntag. „Wir hoffen, dass Eutin bald wieder ein kommerzielles Kino bekommt“, wünscht sich Fredy Müller abschließend.

Vermieter sucht intensiv einen Nachfolger

Wie steht es um die Zukunft des Kinos? „Bislang konnten wir, trotz intensiver Suche, leider keinen Nachfolger für den derzeitigen Pächter finden“, sagt Eigentümer Manfred Wenzel aus Berlin. Mögliche Interessenten erhalten per E-Mail an wenzel-hw@gmx.de Kontakt zum Vermieter.

Ab Mai gibt es nur noch das kommunale Kino

Kino gibt es in Eutin also ab Mai vorläufig nur noch jeden Freitagabend im kommunalen Binchen-Filmkunsttheater des Kulturbundes, wo allerdings keine aktuellen Streifen laufen. Zurzeit ist dort eine Reihe mit Filmen des britischen Regisseurs Richard Lester zu sehen. Dort flimmern am 22. April der Thriller „18 Stunden bis zur Ewigkeit“ (GB 1974) und am 29. April die Musiktournee-Doku „Paul McCartney: Get Back“ (GB 1991) jeweils um 20 Uhr über die Leinwand. Aber bis einschließlich 30. April ist ja auch noch im „CineRoyal“ Programm!

Volker Graap

Fredy und Gisela Müller schließen das Kino in der Königstraßenpassage. (Foto: Graap)

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