Eutin bekommt einen neuen Bürgermeister: Christoph Gehl (SPD) holt 54,4 Prozent

Es gibt einen Wechsel an der Spitze der Eutiner Stadtverwaltung. Das ist das Ergebnis der Bürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag. Noch bevor die letzten Wahlbezirke ausgezählt waren, gestand Bürgermeister Carsten Behnk seine Niederlage ein und gratulierte seinem Kontrahenten Christoph Gehl zum Sieg. Mit 54,4 Prozent der Stimmen hatte der SPD-Kandidat die Stichwahl um den Chefposten im Eutiner Rathaus für sich entschieden. Die Wahlbeteiligung betrug 42,5 Prozent nach knapp 45 Prozent im ersten Wahlgang.

Carsten Behnk gelang keine Wähler-Mobilisierung

Amtsinhaber Behnk konnte mit seinem Stimmanteil von 45,6 Prozent in keiner Weise zufrieden sein. Denn im Vergleich zum ersten Durchgang am 27. Februar büßte er sogar noch Stimmen ein. Und damit gelang es ihm nicht, seine potenziellen Wähler noch einmal zu mobilisieren. Bei der Stichwahl erhielt er 2802 Stimmen, drei Wochen zuvor waren es noch 3030. Bei Herausforderer Gehl das umgekehrte Bild: Die 2846 Stimmen aus dem ersten Wahlgang konnte er „im Finale“ auf 3342 steigern.

Bürgermeister Carsten Behnk (Mitte) konnte am Sonntag nach verlorener Stichwahl nur noch Trost zugesprochen werden – unter anderem von Propst Peter Barz (links), Bürgervorsteher Dieter Holst und Alt-Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (rechts).

Amtsinhaber zeigt sich überrascht vom Ergebnis

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl habe ihn überrascht, gestand Behnk ein. „Ich habe in den letzten Jahren mit Herzblut, Kompetenz und Sachverstand mit meiner ganzen Kraft für Eutin gearbeitet. Das werde ich bis zum Ende meiner Amtszeit am 31. Juli selbstverständlich so weiterführen“, kündigte der Verwaltungschef an. Auch Amtsvorgänger Klaus-Dieter Schulz hat der Wahlausgang überrascht. „Ich hoffe jetzt einfach, dass alles, was auf der Abarbeitungsliste steht, auch abgearbeitet wird. Das Wohl der Stadt steht über allem“, betonte Schulz im Hinblick auf die Multiprojektlage in Eutin. Er zollte Behnk Anerkennung für die geleistete Arbeit.

Christoph Gehl ist „glücklich, stolz und dankbar“

„Glücklich, stolz und dankbar“ zeigte sich Christoph Gehl am Wahlabend. „Ich danke allen, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben. Alle Bürger können von mir Neutralität und politische Unabhängigkeit im Amt erwarten“, unterstrich der SPD-Kandidat, der mit allen Einwohnern und den Fraktionen in der Stadtvertretung eine gute Zusammenarbeit anstrebt. Nach der Stimmauszählung habe sich der politische Gegner sehr korrekt verhalten und zur Wahl gratuliert. Diskreditierende Äußerungen hinsichtlich seines beruflichen Hintergrunds hat Gehl bereits abgehakt. „An keiner Stelle habe ich etwas anders dargestellt“, betonte Gehl.

Viel Zeit in den Wahlkampf investiert

Zur Klarstellung erläuterte Gehl, dass er bis Oktober 2020 als leitender Angestellter bei der BAD GmbH, einem Unternehmen für Arbeitsmedizin und betriebliche Gesundheitsvorsorge, tätig war und dann von der Betriebsarztservice Holding GmbH abgeworben wurde. „Ich habe dort als Key Account Manager bundesweit den Vertrieb mit aufgebaut. Weil ich aber von Anfang an wusste, dass ich mich als Bürgermeister bewerben wollte, habe ich nur einen Jahresvertrag abgeschlossen. Im Oktober 2021 habe ich mich dann normal arbeitslos gemeldet.“ Wahlkampf sei eine sehr zeitintensive Geschichte. „Hätte ich mir diese Zeit nicht genommen, wäre mir ein Sieg bei der Wahl nicht gelungen“, ist sich Gehl sicher. Bewerber außerhalb des öffentlichen Dienstes seien in dieser Beziehung deutlich im Nachteil. „Ich habe schon früh gewusst, was es heißt, zu arbeiten, war bis dato auch nie arbeitslos. Familie und Freunde haben mich bestärkt, diesen Weg zu gehen, und in vielen persönlichen Gesprächen mit den Bürgern  habe ich dieses Thema immer geradeziehen können“, sagt Gehl.

Strahlende Gesichter bei Christoph Gehl, seiner Lebensgefährtin, der Familie und Freunden: Der Wahlabend in der Opernscheune verlief ganz nach ihrem Geschmack.

Der Neue will Bürgermeister zum Anfassen sein

Auf die Kritik, zu wenig Verwaltungserfahrung zu besitzen, entgegnet Gehl so: „Ich kann auch Verwalter, das ist die Basis und kein Nice-to-have. Verwalten ist wichtig, aber aus gutem Grund keine Bedingung mehr für dieses Amt. Bürgermeister ist mehr ein Gefühl als eine fassbare Aufgabe. Ich will ein Bürgermeister zum Anfassen sein, zu dem man auch Vertrauen fassen kann.“ Mit Gehl nimmt erstmals ein Sozialdemokrat auf dem Chefsessel im Rathaus der Kreisstadt platz. Damit hat die Wahl durchaus historische Dimensionen. „Das ist schon ganz schön cool“, sagt Gehl. Aber er verspricht, das Amt überparteilich wahrnehmen zu wollen. Er setze auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.

Gehl will Amt möglichst früh übernehmen

Den Umgang mit Bürgerinitiativen will Gehl verändern. Bürgerschaftliches Engagement sei etwas Besonderes und müsse unterstützt werden – „unabhängig davon, ob ich für oder gegen ein bestimmtes Projekt bin“. Gehl verspricht auch allen Fraktionen bestmögliche Arbeitsbedingungen, Zuarbeit und Wertschätzung. „Und mit den Bürgern will ich auf Augenhöhe bleiben und etwa regelmäßig sichtbar sein mit einem Stand auf dem Wochenmarkt“, kündigt der gewählte Bürgermeister an. Er hoffe, das Amt noch vor dem 1. August übernehmen zu können. Anliegen, sagt Christoph Gehl, würden schon jetzt an ihn herangetragen.

Volker Graap

Mit Christoph Gehl (42) wird erstmals ein Sozialdemokrat Bürgermeister in Eutin. (Fotos: Graap)

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