Umstieg aufs Fahrrad: Fußgänger und Radwege sind gefährlich!

Wochenspiegel-Redakteur Oliver Pries verzichtet eine Woche lang auf sein Auto und düst mit dem Fahrrad durch Lübeck. Der Umwelt zuliebe. Aber auch, um seine Nerven zu schonen. Ob das klappt?

Man hatte mir Sonne versprochen! Doch als ich jetzt aus dem Fenster gucke, sehe ich wieder nur das übliche Trübe-Tassen-Wetter der vergangenen Tage. Ich könnte mir schönere Tage vorstellen, um meinen Fahrrad-Versuch zu starten. Ziemlich viele sogar. Merke: Wetter-Apps taugen nix!

Die Vorbereitungen für die Radtour in den Verlag dauern schon etwas länger, als einfach nur den Rucksack zu packen. Ich muss an die neue Regenhose denken und an die neongelbe Überzieher-Jacke, die ich sonst zum Joggen anziehe. Wenn ich abends wieder nach Hause radle, wird es ja schon dunkel sein. Ich mag den Winter nicht.

Die Radwege in Lübeck sind eine Zumutung

8.17 Uhr. Das Fahrrad ist gecheckt, in den Reifen ist genug Luft, es kann also losgehen. Ich entscheide mich, durch die Innenstadt in Richtung Buntekuh zu düsen. Mir ist ein bisschen flau im Magen, weil ich auf dieser Strecke auch über den Lindenteller muss. Der ist unübersichtlich und nachweislich gefährlich. Mal gucken. Es ist nicht wirklich kalt, und ich bin warm angezogen. Daran soll die Tour also nicht scheitern. Schon eher an dem Zustand der Radwege, die mich quasi direkt vor der Haustür empfangen. Baumwurzeln und Schlaglöcher machen aus der Radfahrt eher sowas wie Achterbahn.

 

In der Moltkestraße gibt es dann die erste brenzlige Situation. Eine Autofahrerin parkt an der Straße, steigt aus – und läuft, ohne zu gucken, auf den Radweg. Zum Glück bin ich nicht besonders schnell und kann ausweichen. Jede Menge Radfahrer an der Kreuzung Hüxtertoralle/Krähenstraße machen die Situation ziemlich unübersichtlich. Ich nehme ein bisschen Gas weg, bin unsicher. Am Kohlmarkt bin ich etwas aus der Puste wegen der Steigung in der Wahmstraße. Zum Glück geht es auf der anderen Seite ja wieder runter – direkt auf den Lindenteller zu!

Angstmoment Lindenteller

Unser schönes Holstentor lenkt mich ein bisschen ab. Der Verkehr ist stark, sowohl auf der Straße als auch auf dem Radweg. Das junge Mädchen auf dem Rad vor mir ist bei der Einfahrt in den Lindenteller unsicher. Kein Wunder, denn ein Autofahrer schießt auf den Kreisel zu und bremst erst im letzten Moment ab. Offensives Fahren sagen die einen, Rücksichtslosigkeit die anderen. Man wird tatsächlich dünnhäutiger, wenn man auf dem Rad sitzt.

Die Ziegelstraße ist lang. Sehr lang. Auch hier ist der Radweg wirklich anspruchsvoll und erfordert Kraft. Aber ich habe das Ziel vor Augen: Der Verlag im Herrenholz rückt in greifbare Nähe. Und ich habe nicht einmal das Gefühl, schon besonders lange unterwegs zu sein. Nach 29 Minuten bin ich schließlich da. Mit dem Auto brauche ich, wenn ich gut durchkomme, 20 bis 25 Minuten. Geile Zeit! Mit ein bisschen Training geht da bestimmt noch was.

Memo an mich selbst: Morgen vielleicht ein Deo einpacken. Und einen Kamm. Die Frisur ist nämlich hinüber. Oliver Pries

Hier geht’s zu Teil 1 der Serie

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