Die Pfadfinder von St. Matthäi suchen neue Mitglieder

Seit 2020 gibt es in der Kirchengemeinde St. Matthäi einen Pfadfinder-Stamm - Neue Mitglieder gesucht.

Die Pfadfinder von St. Matthäi

Concordia Domi Foris Pax – Ob Lübecker oder auch nicht, wer schon einmal das Holstentor
aus der Nähe inspiziert hat, der weiß auch mit diesem lateinischen Satz etwas anzufangen.
„Eintracht im Inneren, Friede nach Außen“ steht allerdings nicht nur in goldenen Lettern über
dem weltbekannten Stadtbogen, es ist auch der Leitspruch des evangelischen
Pfadfinderstammes St. Matthäi.

„Wir wollen nach innen eine gute Gemeinschaft leben, mit tragfähigen Werten und nach
außen allem Guten dienen“, sagt Michael Schulze. Vor zwei Jahren hat der Gemeindepastor
den Stamm im Stadtteil St. Lorenz-Nord gegründet. „Wir leben in einem dicht bevölkerten
Teil Lübecks, der dominiert ist von Häusern, Straßen, Autos. Grün und Natur gibt es kaum“,
berichtet der Theologe. 2020 wollte er ein neues Angebot für Kinder und Jugendliche im
Viertel schaffen. Drei Dinge waren ihm wichtig: Er wollte einen sozialen Anlaufpunkt
schaffen, an dem junge Menschen miteinander Spaß haben können, zugleich aber auch
christliche Werte erleben und einen sensitiven Zugang zu Natur, Umwelt und Schöpfung
erfahren sollen.

Ein Dreiklang als Ziel für die Gemeindearbeit, für das Michael Schulze nicht lang nach
einem passenden Konzept suchen musste. „Ich bin selbst viele Jahre Pfadfinder gewesen“,
sagt der 56-Jährige. Allerdings: „Ich hatte mich mit zunehmendem Alter eigentlich aus der
aktiven Pfadfinder zurückgezogen und wollte den Stamm St. Matthäi eigentlich nur in der
Gründungsphase mit anschieben und eigentlich nur maximal ein Jahr begleiten.“

Seit 2020 gibt es in der Kirchengemeinde einen Stamm

Doch die Betonung liegt auf eigentlich: Pastor Michael Schulze ist Stammleiter und der
Mittwochnachmittag jeder Woche ist in seinem Terminkalender für seine Pfadfinder fest
reserviert. 15 Mädchen und Jungen zwischen neun und 12 Jahren sind feste Mitglieder des
Stammes. Und wie es sich der Laie vorstellt, so ist es zumeist auch: „Wir verbringen wirklich
viel Zeit draußen unter freiem Himmel“, sagt Lasse Bialas. Der 18-Jährige unterstützt
Schulze ehrenamtlich bei der Leitung der Gruppe. Der mit alten Obstbäumen umsäumte
naturbelassene Garten hinter dem Gemeindehaus in der Westhofstraße ist der perfekte Ort
für gemeinsame Spiele, mit denen jedes Treffen startet. Ab dem Frühjahr können die jungen
Pfadfinder dann ihr über den Winter erlerntes Wissen, zum Beispiel in Vogelkunde
unter Beweis stellen. Ertönt aus der Gruppe „Da, ein Sperling“ ist Pastor und Pfadfinder
Schulze zufrieden.

Voller Stolz tragen die Kinder ihre Stammeskluft, ihre Hemden und Tücher. „Der
Zusammenhalt in der Gemeinschaft gefällt mir am besten“, sagt die zehnjährige Vanessa.
„Es wird keiner ausgeschlossen – jeder ist für den anderen da.“ Für ihren Stammesbruder
Ben, ebenfalls zehn Jahre alt, sind es die vielen spannenden Dinge, die es zu erlernen gilt,
die ihm am besten gefallen.

Singvögel, Knoten und das Vater unser

Tatsächlich ist das Spektrum an Themen nahezu unerschöpflich. Welche verschiedenen
Formen von Knoten gibt es? Wie geht man sicher mit Feuer um? Wie koche ich über offener
Flamme? Woran erkennt man Unterkühlungen? Was ist eine stabile Seitenlage und wie
funktioniert sie? Oder wie lassen sich eigentlich Windstärken erkennen? „Die Idee zu
letzterer Frage kam mir, als ich nach einem Sturm an der Kirche entlang ging und eine
heruntergepustete Dachschindel auf dem Rasen entdeckte“, berichtet Schulze. Die
Vermittlung von Alltagswissen ist ihm ebenso wichtig wie die Vermittlung von Werten und
Idealen der Pfadfinderei. Und wie es sich für einen evangelischen Stamm gehört, versucht
der Seelsorger auch geistliche Impulse zu geben – ohne dass die Stammestreffen wie
Religionsunterricht in der Schule anmuten würden. Ein christliches Ritual gibt es allerdings
schon: „Am Ende eines jeden Treffens beten wir gemeinsam das Vater unser.“

Zurzeit plant der Stamm St. Matthäi die erste Exkursion des neuen Jahres. Gemeinsam steht
ein Besuch im Wildpark Eekholt an. Im Sommer geht es dann mit zwei anderen Pfadfinder Stämmen zum gemeinsamen Ferienlager nach Brandenburg. Und wer Interesse hat: Der Stamm, der voll Stolz das Holstentor im Abzeichen trägt, sucht noch neue Mitglieder. Gern
möchte Pastor Schulze auch eine Gruppe für Zwölf- und 13-Jährige eröffnen. Die Aufnahme
neuer Kinder und Jugendlicher findet übrigens immer im Rahmen einer besonderen
Zeremonie statt – zu Füßen des Wahrzeichens und des namensgebenden Schriftzuges
„Concordia Domi Foris Pax.“

Foto: hfr

 

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