Malenter Illustratorin Elena Prochnow stellt Bilderbuch vor, das Spaß macht und für Artenschutz sensibilisiert

Die Themen ihrer Bilderbücher müssen Relevanz haben. Trivial, das passt nicht zur Philosophie der Autorin und Illustratorin Elena Prochnow aus Malente. Nach dem bundesweiten Erfolg ihres Debüt-Werks über Mobbing veröffentlicht der Verlag Edition Pastorplatz nun am 1. März das neue Buch der 44-Jährigen: In „Ach, hätte ich bloß einen Kakapo“ geht es darum, Kinder ab fünf Jahren für den Artenschutz zu sensibilisieren – unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger.

Ein Papagei als perfektes Haustier

Das Buch kommt in markanten, exotischen Farben daher – so exotisch wie der Protagonist. Denn im Mittelpunkt steht ein Kakapo-Papagei, der in Neuseeland zu Hause ist. Der dicke, grüne und flugunfähige Vogel gehört zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Der Papagei hat viele sonderbare Eigenschaften, die ihn für einen kleinen Jungen interessant macht, der eigentlich kein Haustier besitzen darf. Seine Mutter hat nämlich eine Tierhaarallergie und kennt noch weitere Gründe, ihrem Sohn einen tierischen Spielgefährten zu verbieten.

Der Kakapo ist ein sehr seltener, bedrohter Vogel

Der Junge aber malt sich gedanklich aus, was er mit einem Kakapo als Haustier so alles erleben könnte. Er hat von dem Vogel im Radio gehört und weiß, dass er sehr leise ist, nicht stinkt, sondern nach Honig und Bienenwachs riecht, und als Pflanzenfresser auch kein teures Futter braucht. Als der Junge zusammen mit seiner Mutter im Internet zu dem Tier recherchiert, wird ihm klar, dass der Kakapo sehr selten ist. Und dass es besser ist, die Menschen zu unterstützen, die den Papageien in ihrer Heimat beim Überleben helfen.

Autorin bringt eigene Erfahrungen ins Buch ein

Wie ist die Autorin auf dieses ungewöhnliche Thema gekommen? „Zuerst ist mir dieses Wort Kakapo in einem Zeitungsartikel ins Auge gesprungen. Ein Wort, mit dem gerade auch kleine Kinder gerne herumspielen“, erzählt Elena Prochnow. Und auch die Geschichte dahinter – es gibt nur noch ungefähr 200 Kakapos auf der Welt – hat die Autorin berührt. „Und so hat sich ein erster Funke im Kopf festgesetzt, und die Buchidee hat immer mehr Formen angenommen.“ Mit eingeflochten hat sie die Tatsache, dass viele Kinder keine Haustiere haben dürfen. „Auch ich hatte mir in meiner Kindheit sehnlichst einen Hund gewünscht – und wurde immer vertröstet. Ich finde es wichtig, dass man eigene Erfahrungen ins Buch einbringt. Nur so kann man eine Sache wirklich überzeugend vermitteln“, sagt Elena Prochnow.

Elena Prochnow stellt ihr neues Bilderbuch vor.

In keiner Weise oberlehrerhaft

Dabei ist ihr das Kunststück gelungen, trotz der ernsten Thematik heiter zu bleiben. Sie ist das Problem von der positiven Seite angegangen und in keiner Weise oberlehrerhaft. Am Ende der Geschichte zeigt sie den Kindern und ihren Familien auf, dass man schon im Kleinen etwas für Artenschutz und Artenvielfalt tun kann, wenn man nur ein bisschen über den eigenen Tellerrand hinausschaut.

Das Rezept für ein gelungenes Bilderbuch

Ihr Rezept für ein gelungenes Bilderbuch hatte Elena Prochnow dem Wochenspiegel schon im vergangenen Jahr verraten. „Es braucht eine gewisse Tiefe und darf nicht zu banal sein. Auch für junge Leser ist es wichtig, dass man Lebensaspekte anspricht. Und die Illustration muss, ähnlich wie beim Film, Gefühle transportieren. Mir ist es wichtig, mit visuellen Mitteln und wenig Text Emotionen zu übertragen“, sagte die Autorin damals. Mit ihrer kindgerechten Geschichte über den dicksten und einem der seltensten Papageien der Welt ist ihr abermals ein Geniestreich geglückt.

Buch wird in Wanderausstellung gezeigt

Das Kakapo-Bilderbuch ist übrigens durch das Stipendium der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein in der Sparte Literatur gefördert worden. Die Jury hat es außerdem in die Longlist des Hamburger Bilderbuchpreises 2021 gewählt, und das Buch wird in der Buchpreis-Wanderausstellung im Sommer auch in Lübeck gezeigt.

Zu Gast auf italienischer Kinderbuchmesse

Nach der großen medialen Aufmerksamkeit für ihren Erstling „Pass bloß auf deinen Daumen auf!“ zum Thema Mobbing besucht Elena Prochnow nun auch die eine oder andere Buchmesse. Im März ist sie zum Beispiel auf der „Bologna Children‘s Book Fair 2022“ in Italien zu Gast. Von Malente aus den internationalen Buchmarkt zu erobern, das wäre tatsächlich eine Bilderbuch-Karriere.

  • „Ach, hätte ich bloß einen Kakapo“, Verlag Edition Pastorplatz, 42 Seiten, 15 Euro

Volker Graap

In ihrem Bilderbuch erzählt Elena Prochnow die Geschichte eines Jungen, der sich einen Kakapo als Haustier wünscht. Er malt sich aus, wie das Leben dann wohl so sein könnte … (Fotos: hfr)

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