Weiter Streit ums Gebäude Weidestraße 24 in Eutin: Ein Abriss steht für März im Raum

Nachdem der Eutiner Bauausschuss auf seiner Sitzung am 9. Februar mit hauchdünner Mehrheit den Abrissauftrag für das historische Gebäude Weidestraße 24 vergeben hat, regt sich Kritik am Vorgehen der Kommunalpolitik. „Bürgermeister Behnk will schon im März Tatsachen schaffen“, empört sich die Bürgergemeinschaft Eutin. Gegen den Abriss läuft zurzeit noch ein Verfahren vor dem Petitionsausschuss des Landtages.

Appell: keine irreversiblen Tatsachen schaffen

„Die einzig noch erhaltende Gruppe von Ackerbürgerhäusern in der Weidestraße ist jetzt akut bedroht. Und das, obwohl der Petitionsausschuss jüngst den Bürgermeister gebeten hatte, vor Abschluss des Petitionsverfahrens keine irreversiblen Tatsachen zu schaffen“, stellt Olaf Blanck als Sprecher der Bürgergemeinschaft fest. Trotzdem habe der Bauausschuss auf die Vorlage der Verwaltung hin mit einer 6:5-Stimmenmehrheit jetzt schon den Abrissauftrag vergeben. Als Abrisszeitraum ist der Monat März 2022 vorgesehen. Schon mehrfach war das Grundstück Weidestraße 24 als „Reservepotenzial“ für Erweiterungen der Wilhelm-Wisser-Schule im Gespräch. Immer wieder hat die Bürgergemeinschaft Eutin auf die gestalterische Bedeutung des Ensembles Weidestraße 24 bis 28 hingewiesen.

Ob das Grundstück benötigt werde, stehe infrage

„Und ob das Grundstück wirklich für Schulzwecke benötigt wird, steht spätestens nach Einleitung des Bürgerbegehrens Wilhelm-Wisser-Schule in Frage. Die Zeit, in der historische Bausubstanz gedankenlos vernichtet wird, sollte auch in Eutin endgültig vorbei sein – schließlich wird doch gerade mit Millionenaufwand die Stadtsanierung betrieben“, so Blanck.

Abrissgenehmigung nur mit Auflage

Auch die Antragsteller im Petitionsverfahren zum Erhalt des Hauses, Karlheinz und Regine Jepp vom Büro für Eutiner Stadtgeschichte, sind ebenso erstaunt, wie betroffen über die Art und Weise, wie versucht werde, „mit einem Abriss des Hauses vollendete Tatsachen zu schaffen“. Völlig unberücksichtigt bleibe dabei, dass die Stadt zwar eine bestandskräftige Abrissgenehmigung habe, diese aber nur auf der Basis erteilt wurde, dass der Abriss ausschließlich zum Aus- oder Umbau der Wisser-Schule erfolgt.

Neues Gutachten des Eutiner Historikers Frank Petzold

Doch die Abrissbefürworter argumentieren inzwischen, dass es sich bei der Weidestraße 24 um kein erhaltenswürdiges Gebäude handeln würde. Die Grundlage dafür liefert ein 33-seitiges Gutachten des Eutiner Historikers Frank Petzold. Nach akribischer Quellenforschung steht für ihn eines fest. „Ungeachtet etlicher jahrelanger Instrumentalisierungsversuche, dem bewussten Haus bestimmte inhaltliche Kriterien eines Ackerbürgerhauses zuzuschreiben, gibt es momentan letztlich nicht einen einzigen unwiderlegbaren Quellenbeleg dafür, dass das Haus in der Weidestraße 24 jemals als Ackerbürgerhaus genutzt wurde.“

„Gebäude besitzt keinen besonderen Wert“

Insofern besitze das Haus vor dem Hintergrund der historischen Quellenlage keinen nachweislichen „besonderen geschichtlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen, technischen, städtebaulichen oder die Kulturlandschaft prägenden Wert“, wie es das Denkmalschutzgesetz fordere.

Volker Graap

Das Haus Weidestraße 24. Es ist ein historisches Gebäude, aber ist es auch so bedeutsam, dass es erhalten werden muss? (Fotos: hfr)

 

Weidestraße
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