Erstes Aufeinandertreffen der drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Eutin

Höchste Corona-Sicherheitsstufe für die rund 40 Zuhörer der ersten Vorstellungsrunde der Eutiner Bürgermeister-Kandidaten: Die Gäste mussten in der Aula der Gustav-Peters-Schule nicht nur Masken tragen, sondern sich vor Eintritt auch einem Schnelltest unterziehen. Inhaltlich verlief der Abend unaufgeregt. Dass es nicht nur „bierernst“ zuging, war der munteren Moderation von R.SH-Journalist Carsten Kock zu verdanken. Die Bürgermeisterwahl findet am 27. Februar statt.

Der Befragung persönliche Statements vorangestellt

Bürgermeister Carsten Behnk (54) sowie seine Herausforderer Christoph Gehl (42) und Christoph Müller (69) stellten der Befragung persönliche Statements voran. Behnk sagte, dass die Multiprojektlage in der Stadt eine Herausforderung für alle gewesen sei, und er hoffe, dass er zeigen konnte, „dass ich die Verwaltung führen und Projekte vorantreiben und umsetzen kann“. Als Beispiele nannte er den Ausbau der Kita-Plätze, den Umbau des ZOB und die voranschreitende Innenstadtsanierung. Möglicherweise könne der Markt-Umbau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Behnk weiter: „Ich bin parteilos und unabhängig – das ist gut so. Denn es geht darum, die Sache nach vorne zu stellen.“ Mit dem tollen Team in der Stadtverwaltung wolle er die weiteren Leitprojekte wie Feuerwehrneubau, Tribünen-Ersatzbau und die Schulneubauten verwirklichen.

Müller möchte Politikverdrossenheit entgegenwirken

Christoph Müller bezeichnete sich als unabhängig, bürgernah und engagiert. „Ich bin parteilos, aber nicht farblos. Ich möchte Politikverdrossenheit abbauen und die Bürger mitnehmen.“ Er sei überrascht gewesen, wie viele Leute nach Bekanntwerden seiner Kandidatur auf ihn zugekommen seien und ihn dafür gelobt hätten, „dass endlich mal jemand ausspricht, was in der Eutiner Politik los ist“, sagte Müller. Er kritisierte unter anderem die neue Einbahnstraßenregelung im Jungfernstieg und bemängelte die für den Abend vorgegebene Themenliste. „Ich würde lieber darüber sprechen, was in den letzten sechs Jahren in Eutin passiert ist und was in den nächsten sechs Jahren passieren soll“, meinte Müller.

Gehl: „Eutin braucht ein Mehr an Miteinander“

Christoph Gehl erzählte, dass es ihm nach vielen beruflichen Experimenten gelungen sei, sich in der Verwaltung eines medizinischen Dienstleisters hochzuarbeiten. „Seit 15 Jahren habe ich leitende Positionen bei der Mitarbeiterführung inne. Ich habe aber nie vergessen, woher ich komme und dass zehn Euro für mich als junger Mann viel Geld waren.“ Es gehe ihm deshalb auch darum, die Welt gerechter zu machen. „Mit 16 Jahren bin ich in die SPD eingetreten, das gehört zu meiner Persönlichkeit. Ich trete zur Wahl an, weil ich das Gefühl habe, dass Eutin ein Mehr an Miteinander braucht“, so Gehl. Auch Umwelt- und Klimaschutz stehen bei ihm oben auf der Agenda.

„Hotel-Neubau und Reisemobilpark sind Meilensteine“

Aus der anschließenden Fragerunde zu den Themen „Eutin- Umland“, „Tourismus“, „Verkehr“ und am Rande „Schule“ lassen sich folgende Positionen der Kandidaten zusammenfassen: Carsten Behnk sieht Eutin als Mittelzentrum gut im ländlichen Raum positioniert. Das Umland sei verkehrlich gut an die Stadt angebunden, das sei die Stärke Eutins. Dazu komme die gute Infrastruktur, das Angebot an Fachgeschäften. „Die Politik hat sich mit der Innenstadtsanierung richtig entschieden.“ In puncto Tourismus seien mit den Hotel-Neubau an der Stadtbucht und dem Reisemobilpark Meilensteine für die Entwicklung gesetzt worden. Diese hätten einen Dominoeffekt und würden weitere Investoren anziehen. Ein zweites Hotel sei in Planung.

Behnk verteidigt Maßnahme gegen Durchgangsverkehr

In Sachen Verkehrspolitik verteidigte Behnk die Entscheidung, den Durchgangsverkehr aus dem Rosengarten zu verbannen. „Wenn die Lage es erfordert, kann man nachbessern.“ Das gelte auch für die Fahrradschutzstreifen. „Wir haben an vielen Stellen kleine Maßnahmen umgesetzt und Eutin fahrradfreundlicher gemacht.“ Wie kann Eutin attraktiver für junge Leute werden? Behnk fallen da die Stichworte günstiger Wohnraum, schnelles Internet, Schlossterrassen-Sanierung und die Ansiedlung einer Disco ein. Und die Wisser-Schule sollte nach Meinung Behnks in der Innenstadt verbleiben.

SPD-Kandidat gibt Verkehrssituation in Eutin die Note 5

Laut Christoph Gehl müsse Eutin als Mittelzentrum intensiv weiterentwickelt werden. Dazu gehöre insbesondere der noch unzureichende ÖPNV.  Das Pfund, mit dem Eutin wuchern könne, seien die Fachgeschäfte. Deshalb müsse die Innenstadt weiter belebt werden. In Sachen Tourismus spricht er sich für ein moderates Wachstum aus. Gastronomie und Hotelkapazitäten müssten weiterentwickelt, das Slow-Traveling stärker in den Fokus gerückt werden. Mit Eutin solle man Genuss, Kultur und Entspannung verbinden. Der aktuellen Verkehrssituation gibt Gehl die Note 5: Es gelte, Lösungen zu finden für den eiligen Durchgangsverkehr, der die Lebensqualität der Bürger mindere. „Da, wo es möglich ist, sollten sogenannte Shared Spaces umgesetzt werden. Zonen, die allen Verkehrsteilnehmern zur gleichberechtigten Nutzung zur Verfügung stehen. Eine autofreie Innenstadt lehnt Gehl ab. Er fordert ein zentrumsnahes Parkhaus, das sich ins Stadtambiente einpasst.

Gehl will einen Schwerpunkt auf Interessen der Jugend legen

Einen Schwerpunkt seiner Arbeit möchte Gehl außerdem darauf legen, Eutin attraktiver für junge Menschen zu machen, zum Beispiel in puncto bezahlbares Wohnen und Freizeitgestaltung. „Als Bürgermeister würde ich zweimal im Monat ein Event für junge Leute organisieren lassen.“ Die Wisser-Schule, sagt Gehl, werde aktuell am Bedarf vorbei gebaut. Er unterstützt den Neubau nahe der Blauen Lehmkuhle.

Müller hält derzeitige Verkehrslage für mangelhaft

Auch Christoph Müller ist für einen Schulneubau am neuen Standort. An den steigenden Schülerzahlen habe man bisher völlig vorbeigeplant. Ohnehin geht Müller mit der Entwicklung Eutins hart ins Gericht. „In der Region hat unsere Kleinstadt ihre Vorreiterrolle längst an Neustadt verloren.“ Auch für den Tourismus wäre es wichtig, die Innenstadt weiter zu beleben und mehr Kleingewerbe anzusiedeln. Außerdem müssten das gastronomische Angebot sowie das kulturelle Angebot für junge Leute deutlich ausgeweitet werden. Er plädiert für eine erweiterte Nutzung von Küchengarten und Opernbühne. In Eutin würden außerdem sozialer Wohnungsbau und ein Parkhaus gebraucht. Die derzeitige Verkehrslage hält Müller für mangelhaft. Allein die ohne Vorbereitung der Bürger eingeführten Fahrradaufstellflächen würden zeigen, wie gedankenlos die Kommunalpolitik bisher vorgegangen sei.

Und noch ein Blick in die Zukunft

Abschließend bat Moderator Carsten Kock die drei Kandidaten, einmal in die Glaskugel, in die Zukunft zu schauen: Wie sieht Eutin in zehn Jahren aus?
Christoph Gehl: „Das Eutin der Zukunft hat es geschafft, Altes zu bewahren, ist im besten Sinne Residenzstadt. Das Durchschnittalter der Einwohner ist gesunken, und die Stadt bietet für junge Menschen viel mehr als heute.“
Christoph Müller: „Eutin ist vom Charakter her wie es früher einmal war. Und in der Innenstadt herrscht wesentlich mehr Leben.“
Carsten Behnk: „Eutin hat seinen Charakter nicht verloren. Die zwei neuen Hotels florieren. Die Stadt hat nennenswert an Tagesgästen gewonnen. Der Reisemobilplatz konnte verdoppelt werden, die sanierten Schlossterrassen laden zu Tanz und Konferenzen ein. Das neue Feuerwehrhaus und die neuen Baugebiete sind realisiert. Und Eutin hat 20.000 Bewohner.“

Volker Graap

Der R.SH-Chefkorrespondent machte den Abend unterhaltsam (von rechts): Moderator Carsten Kock befragte die Bürgermeister-Kandidaten Carsten Behnk, Christoph Müller und Christoph Gehl. (Foto: Graap)

Zwei weitere Vorstellungsrunden
Noch zwei weitere Vorstellungsrunden sind geplant: Am 10. Februar steht das Kandidaten-Trio in der Reithalle des Reiterhofes Fissau, Dorfstraße 12, Rede und Antwort. Und am Freitag, 18. Februar, wird der im Januar abgesagte Termin im Kreishaus, Lübecker Straße 41, nachgeholt (die alten Platzreservierungen behalten ihre Gültigkeit). Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Wer sich für eine Teilnahme anmelden möchte, tut dies unter Telefon 04521 7930 oder per E-Mail an buergervorsteher@eutin.de. Der letzte Abend wird auch als Live-Stream im Internet übertragen. Infos auf www.vg-eutin-suesel.de.
Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.