Bürgerbegehren in Eutin: CDU ist „ein Stück weit entrüstet“ über Vorgehen des Elternbeirats

Die CDU-Fraktion in der Eutiner Stadtvertretung ist verärgert, ja sogar ein Stück weit entrüstet. Fraktionschef Matthias Rachfahl nennt das Vorgehen des Schulelternbeirates in Bezug auf das jetzt eingeleitete Bürgerbegehren zur Wilhelm-Wisser-Schule inakzeptabel. Statt zuerst wie angekündigt den Kontakt zur Stadtverwaltung und zu den Fraktionen zu suchen, hätten die Elternvertreter gleich Fakten geschaffen und das Begehren angeschoben.

CDU hält Verzögerung von vier bis fünf Jahren für möglich

In einem Pressegespräch hat die Fraktionsspitze jetzt noch einmal klargemacht, warum sie an den bisherigen Planungen und damit am Schulstandort in der Elisabethstraße festhält. „Die Schule gehört in die Stadt und nicht an den Rand“, ist die CDU überzeugt. Und: „Schon jetzt kostet uns das Bürgerbegehren ein halbes Jahr an Zeitverzug“, so Rachfahl. Sollte der Bürgerentscheid dann für den neuen Schulstandort zwischen Blauer Lehmkuhle und Kerntangente  ausfallen, würde sich der Neubau unter optimalen Bedingungen zwei bis drei Jahre verzögern, wahrscheinlich würden es aber vier bis fünf Jahre werden. Mit den entsprechenden Baukostensteigerungen hält die CDU dann statt der bisher veranschlagten 38 Millionen Euro Kosten (inklusive Containerdorf) eine Investitionssumme von 45 Millionen aufwärts für möglich.

Problematischer Baugrund am alternativen Standort?

Als problematisch schätzt die CDU außerdem den Baugrund am alternativen und im Bürgerbegehren bereits festgeschriebenen Standort an der Kerntangente ein. Zum einen sei das Grundstück überhaupt noch nicht erschlossen sowie die Zuwegungen nicht geklärt. Zum anderen sei die Fläche zwar als Schulentwicklungsland ausgezeichnet, der Boden allerdings noch nicht begutachtet worden. „Das könnte eine wässrige Sache werden“, meint Rachfahl. Ein früheres Bodengutachten aus dem Jahr 2010 habe für den benachbarten Festplatz ergeben, dass dort eine Bebauung nur mit einer kostspieligen Tiefgründung möglich sei. Und CDU-Kollege Sascha Clasen merkt an, dass sich auf dem Gelände 9400 Quadratmeter Ausgleichsflächen für verabschiedete B-Pläne befinden. „Diese Flächen müsste die Stadt anderswo teuer dazu kaufen.“

Nicht alle Hutzfelder Schüler kommen nach Eutin

Außerdem gibt die CDU zu bedenken, dass ein Bürgerentscheid für einen neuen Standort der Wisser-Schule auch den Neubau der Schule am Kleinen See beeinflussen könnte. Verzögere sich nämlich der Bau der Wisser-Schule, stelle sich die Frage, was mit den 5. und 6. Klassen passiere, die zurzeit noch am Kleinen See mit untergebracht seien. Auch das Argument, die geplante Schul sei schon jetzt zu klein, weil die Außenstelle in Hutzfeld 2023 schließt, lässt die CDU nicht gelten: „Die Schüler kommen nicht alle nach Eutin, sondern sie werden sich über viele Schulen in der Region verteilen“, so Rachfahl.

Störfeuer durch Abriss-Verhinderung in der Weidestraße

Als „weiteres Störfeuer“ bewertet die CDU außerdem das Vorhaben, den Abriss des historischen Gebäudes Weidestraße 24 zu verhindern und damit die Erweiterung der Wisser-Schule am jetzigen Standort zu blockieren. Clasen bezweifelt, dass es sich um ein erhaltenswertes „Ackerbürgerhaus“ handelt. „Da gibt es keinen Nachweis für. Das Haus ist rott, ein Erhalt wäre Verschwendung von Steuergeldern“, so Clasen.

CDU-Appell: „Ziehen Sie das Bürgerbegehren zurück!“

Die Botschaft von CDU-Fraktionschef Rachfahl ist eindeutig: „Wir richten den dringenden Appell an Elternvertreter und Bürgerinitiative, das Vorhaben zu überdenken. Kommen Sie zur Vernunft und ziehen Sie das Bürgerbegehren zurück!“ Selbst vor dem Verwaltungschef macht der Ärger der CDU nicht halt. „Die ganze Tragik ist: Wir hätte diese Situation nicht, wenn von Anfang an schnell gearbeitet worden wäre. Bürgermeister Behnk hätte den Schulbau zur Chefsache machen müssen“, so Rachfahl.

Bürgerinitiative weist Vorwürfe zurück

Die vom Schulelternbeirat gegründet Bürgerinitiative „Mehr Raum für Entwicklung“ hat die Vorwürfe der CDU inzwischen zurückgewiesen. Würden Verwaltung, Politik und Schule an einem Strang ziehen, könne ein Schulbau schnell vorangetrieben werden mit höchstens ein bis zwei Jahren Verzögerung. Daher würden sich die von der CDU prognostizierten Mehrkosten ebenso ausschließen. Zum Thema nimmt die Initiative auf ihrer neuen Website https://mehr-raum-fuer-entwicklung.de Stellung.

Volker Graap

Marcel Kriwet, Matthias Rachfahl und Sascha Clasen (von links) von der CDU-Fraktion positionieren sich gegen das Vorgehen des Schulelternbeirats der Wisser-Schule in puncto Bürgerbegehren. (Foto: Graap)

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Eine Antwort auf „Bürgerbegehren in Eutin: CDU ist „ein Stück weit entrüstet“ über Vorgehen des Elternbeirats“

  1. Petra Theiss sagt:

    warum nicht 5 Jahre auf die neue Schule warten? Als ich vor 17 Jahren nach Eutin gezogen bin, war schon vom neuen Feuerwehrgerätehaus die Rede.Das ist noch nicht gebaut und die Kosten ins unermässliche gegangen.Da sind doch 5 Jahre gpr eine gross angedachte Schule keine Zeit.Lange genug hatten Sie alle Zeit für eine vernünftige Planung.Nun habeb Andere die Pläne mit dem Bürgerbegehren durchkreutz und schon wird die CDU rebellisch.Ich unterstütze auf jeden Fall das Bürgerbegehren und weiss von sehr vielen, die der gleichen Meinung sind.Nicht immer gegen alles sein, was nicht von der Partei kommt.Man muss auch mal über den Tellerrand schauen.

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