Ein Segelboot der Marke Eigenbau: Jan von der Bank aus Eutin werkelt in seiner Garagenwerft

Jan von der Bank

Garagen waren schon immer Keimzellen manch großartiger Projekte. Steve Jobs etwa hat in seiner Garage die ersten Apple-Computer zusammengeschraubt. Das Vorhaben von Jan von der Bank aus Eutin ist zwar weniger weltbewegend, nötigt aber dennoch gehörigen Respekt ab: Der Architekt und Drehbuchautor hat seine Garage in eine Mini-Werft verwandelt, in der er ein 9,5 Meter langes Segelboot baut. Vor genau fünf Jahren hatte er begonnen, die ersten vorgefrästen Sperrholzteile zu verleimen. „Noch in diesem Sommer soll das Boot im Wasser sein“, kündigt von der Bank an.

Nur für die Beplankung musste das Boot zum Profi

Als im Januar 2017 der erste Stapel Sperrholzplatten geliefert wurde, hatte von der Bank seine Garage bereits mit Zeltplane und Dämmfilz provisorisch erweitert. Dort ist das Boot dann Stück für Stück gewachsen. Es hat die Garagenwerft nur zum Wenden des Rumpfes, für die Präsentation auf einer Bootsmesse und für einen Arbeitsschritt, der professionelle Hilfe erforderte, verlassen. Ein Kieler Bootsbauer musste mit Spezialwerkzeug die Beplankung des Rumpfes mit Furnier übernehmen.

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Im Februar 2017 arbeitete der Bastler noch am Sperrholz-Gerippe. (Foto: Graap)

Aufbauten und Innenausbau lagen dann wieder in der Hand von Jan von der Bank. Zurzeit werkelt er gerade an dem Modell der Kielbombe. Das 700 Kilo schwere Bleitorpedo wird in 2,20 Metern Tiefe an der Kohlefaserflosse montiert – als Gegengewicht, das das Boot aufrecht hält.

Von der Bank hat bereits 3100 Arbeitsstunden investiert

Nach 3100 Arbeitsstunden ist aus einem Sperrholz-Gerippe ein eleganter Retro-Racer geworden. Etwa 300 bis 400 Stunden muss Jan von der Bank noch investieren, um das Boot zu komplettieren. „Zu erledigen sind noch Holzarbeiten in der Kajüte, das Cockpit muss mit Teak ausgelegt werden und es gilt, den Mast und die Takelage zu fertigen“, berichtet er.

Jan von der Bank
Für sein Projekt musste Jan von der Bank seine Garage am Haus provisorisch erweitern. (Foto: Graap)

Gerade Letzteres nimmt der Diplom-Ingenieur nicht auf die leichte Schulter, weiß er doch um die enorme Segelfläche, die dem Boot Schnelligkeit verleihen soll. „Man wächst mit seinen Aufgaben. Viele Arbeitsschritte haben sich als Distanzriesen erwiesen: Sie muten zunächst gewaltig an, sind aber zu bewältigen, wenn man sich nur an sie herantraut“, betont von der Bank.

„Ich war schon immer verrückt nach Booten“

Der Anstoß für das Projekt gab ursprünglich ein Freund. „Der hatte vorgeschlagen, dass jeder parallel sein eigenes Boot baut und man sich dabei austauscht. Letztendlich hat er einen Rückzieher gemacht, aber ich war der Idee verfallen“, erzählt der XXL-Bastler. Seine Familie konnte er schnell überzeugen: „Die Mädchen bekamen den Hund, den sie immer wollten, und ich durfte das Boot bauen. Einzige Bedingung meiner Frau war, es zu Hause zu bauen – sonst wäre ich zu oft und zu viel weg gewesen.“ Ein Bootsbauer im Homeoffice – und das bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Es hat sich als praktisch erwiesen, denn wenn mal eine zusätzliche Hand benötigt wird, ist die Familie da. „Auch einige Freunde haben schon aus Spaß an der Freude mit angepackt“, sagt von der Bank.

Der Eutiner verfügt über jahrzehntelange Segelerfahrung

Die Affinität zum Thema war bei Jan von der Bank schon immer da. „Als Vierjähriger bin ich auf der Düsseldorfer Bootsmesse verloren gegangen, weil ich mir die Boote auf eigene Faust angeschaut habe – schon damals war ich verrückt nach Booten. Später habe ich eine Lehre als Bootsbauer angefangen, mich dann aber doch fürs Architekturstudium entschieden.“ Als leidenschaftlicher Wassersportler – 2005 wurde Jan von der Bank Weltmeister  im Contender – verfügt der 55-Jährige über jahrzehntelange Segelerfahrung. „Kleine Umbauten an meinen Booten habe ich meist selbst erledigt, und ich war stets neugierig auf alles, was Boote angeht“, so Jan von der Bank.

Segler
Innendesign ist ein Steckenpferd von Jan von der Bank. In der Segelboot-Kajüte kann er sich in dieser Hinsicht verwirklichen. (Foto: Graap)

Retro-Yacht mit besten Segeleigenschaften

Er hatte daher auch ganz konkrete Vorstellungen von seinem Traumboot, die der renommierte Konstrukteur Martin Menzer von „Berckemeyer Yacht Design“ umgesetzt hat: Der moderne Riss im Retro-Look verleiht dem Boot den Charakter einer klassischen Yacht, aber auch beste Segeleigenschaften. „Das Boot ist leicht gebaut und üppig betakelt und soll so zügig ins Gleiten kommen. Das verspricht optimalen Segelspaß“, freut sich von der Bank, der mit dem Schiff auch bei Regatten antreten will – wie dem „Silverrudder“ rund um die Insel Fünen. Für lange Touren ist das Boot nicht gedacht, es ist ein sogenannter Weekender.

Speziallösungen à la Jugend forscht & Daniel Düsentrieb

Als Voraussetzung für die Umsetzung eines solchen Projektes nennt der Hobby-Bootsbauer statische Grundkenntnisse und handwerkliches Geschick. „Der überwiegende Teil ist learning by doing. Die meisten Dinge habe ich vorher noch nicht gemacht. Deshalb funktioniert das Ganze nur mit genauer Vorüberlegung, externer Beratung und einer gewissen Portion Mut“, unterstreicht von der Bank. Auch Ausdauer und Frustrationsresistenz seien wichtig, um sich auch mal durch weniger spaßige Aufgaben zu beißen. „In den vergangenen Jahren ist die Arbeit aber nie langweilig geworden. Es sind immer wieder neue Dinge aufgeploppt, die mich gefordert haben“, sagt der Segelfreund. Oft war sein Sinn für Tüftelei gefragt. „Für viele technische Details habe ich mir unkonventionelle Speziallösungen einfallen lassen und dabei ,Jugend forscht’ und Daniel Düsentrieb gespielt“, schmunzelt von der Bank.

Um den Rumpf des Bootes mit Mahagoni-Furnier zu beplanken, musste das Boot zwischendurch zum Profi in eine Kieler Werft. (Foto: hfr)

Wegen Tropenholz: Spendenaktion für Baumpflanzungen

Während des Werkelns hat den Bauherren übrigens das schlechte Gewissen geplagt. „Mein traumhaft schönes Holzsegelboot besteht leider, wie im Bootsbau üblich, zu 90 Prozent aus Tropenholz.“ Es handelt sich zwar um zertifiziertes Holz (sogar um einen einzigen Mahagoni-Stamm), angesichts der weltweiten Vernichtung des Regenwaldes hat von der Bank aber mit einer Spendenaktion für eine Baumpflanzaktion der Organisation „Oro Verde“ den Versuch einer Art Wiedergutmachung unternommen.

Entstehung des Bootes wird in einem Blog dokumentiert

Den künftigen Liegeplatz wird das noch namenlose Boot in Kiel-Schilksee haben. Von dort aus lassen sich die Gewässer an der schleswig-holsteinischen und dänischen Ostsee am besten über die Wochenenden erkunden. Die Entstehung des Bootes dokumentiert der Eutiner laufend in einem Blog auf seiner Website janvonderbank.wordpress.com. Großartig findet er das Feedback, die Tipps und die Bestätigung, die er dort von Seglern aus der ganzen Welt erhält. Ein Segelboot der Marke Eigenbau ist eben ein tolles, aber seltenes Projekt.

Volker Graap

Der Architekt, Romanschriftsteller, Drehbuchautor und Contender-Weltmeister Jan von der Bank aus Eutin baut in der eigenen Garage ein elegantes Segelboot. (Foto oben: Graap)

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