„Frogs“-Wirt will ins Eutiner Rathaus: Christoph Müller tritt bei Bürgermeisterwahl an

Christoph Müller

Überraschung in Eutin. Für die Bürgermeisterwahl am 27. Februar gibt es einen dritten Kandidaten. Nach Ende der Bewerbungsfrist am Montag wurde bekannt, dass auch der 69-jährige Unternehmer Christoph Müller als Einzelbewerber ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus eingreift. Statt sich nur über das Handeln von Verwaltung und Kommunalpolitik zu ärgern, möchte er selbst dazu beitragen, dass sich in Eutin etwas ändert und der Politikverdrossenheit entgegenwirken, erläutert er im Gespräch mit dem Wochenspiegel.

Bekannte gaben den Rat: „Dann lass dich doch wählen“

Bisher war man eigentlich von einem Duell um das Amt des Verwaltungschefs ausgegangen. Neben Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) hatte nur Christoph Gehl (SPD) seine Kandidatur öffentlich gemacht. Müller reichte seine Bewerbung erst kurzfristig am 27. Dezember ein. „Mir ist in den vergangenen Jahren vieles bitter aufgestoßen. Und meine Bekannten haben gesagt: Dann lass dich doch wählen“, berichtet Müller. Dennoch sei die Bewerbung wohl überlegt, er nehme die Kandidatur nicht auf die leichte Schulter, betont Müller. Er rechne sich zwar nur Außenseiterchancen aus, „aber wenn es mir gelingt, nur zehn oder 15 Prozent der Nichtwähler zu aktivieren, zur Wahl zu gehen, habe ich ein Ziel schon erreicht.“

Christoph Müller eröffnete 1981 Disco in Eutin

Christoph Müller ist ausgebildeter Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, seitdem er 1981 nach Eutin kam jedoch vor allem als Gastronom tätig. Bis 1999 hat er die Diskotheken „La Luna“ und „Cosy“ betrieben. Seit 2004 ist er Inhaber der Musikkneipe „Frogs“ in der Lübecker Straße. Im Mai 2021 übernahm er außerdem das Restaurant „Bootshaus“ im Seepark. Darüber hinaus führt der Unternehmer noch einen Malerbetrieb. Ehrenamtlich engagiert sich Müller bei der Eutiner Schützengilde. Dort gehört er zu den Offizieren, und er ist amtierender Spaßkönig.

Auch dunkle Flecken in seinem Lebenslauf

Weniger lustig sind die dunklen Flecken in seinen Lebenslauf. Vor 42 Jahren saß er eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Versicherungsbetrugs ab, vor 15 Jahren bekam er wegen Insolvenzbetrugs eine Bewährungsstrafe. „Fehler kann jeder machen, aber man muss dazu stehen. Ich habe für meine Fehler gebüßt“, sagt Müller, der offen über seine Verfehlungen spricht.

„Ich bin parteilos, aber nicht farblos“

Politisch sieht der Gastronom sich weder rechts noch links. „Ich bin parteilos, aber nicht farblos. Mir kommt es darauf an, Entscheidungen vernunft- und sachfragenorientiert zu treffen“, meint Müller. Ein Dorn im Auge sind ihm Bürokratie oder solche Fehlplanungen wie beim Umbau des Bahnhofvorplatzes. Ganz aktuell unterstützt er zum Beispiel ein Bürgerbegehren, dass der Schulelternbeirat der Wisser-Schule prüft.

Belebung der Innenstadt, Stärkung von Kulturevents

Als Unternehmer wisse er, wie wichtig die weitere Belebung der Innenstadt sei. Auch dafür und für die Ansiedlung von Kleingewerbe wolle er sich einsetzen. Außerdem plädiert er für eine Stärkung der Kulturveranstaltungen, die Eutin bekannt gemacht haben – insbesondere das Bluesfest. Auch das Motorradtreffen möchte er wiederaufleben lassen. „Die Unstimmigkeiten in Bezug auf die Verwaltungsgemeinschaft Eutin-Süsel möchte ich klären. Dazu bin ich bereits mit dem Süseler Bürgermeister in Kontakt. Offenbar liegen die Differenzen nur an der Kommunikation“, so Müller.

Drei Vorstellungsrunden sind in Eutin geplant

Wer sich ein persönliches Bild von den drei Bürgermeisterkandidaten machen möchte, erhält dazu bei drei Vorstellungsrunden am 26. Januar, 1. und 10. Februar um jeweils 19 Uhr Gelegenheit. Moderiert werden die Veranstaltungen, die auch im Internet gestreamt werden sollen, von R.SH-Chefkorrespondenten Carsten Kock. Näheres dazu in Kürze auf www.eutin.de.

Volker Graap

„Ich bin parteilos, aber nicht farblos“: Christoph Müller kandidiert am 27. Februar bei der Bürgermeisterwahl in Eutin. (Foto: Graap)

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2 Antworten auf &‌#8222;„Frogs“-Wirt will ins Eutiner Rathaus: Christoph Müller tritt bei Bürgermeisterwahl an&‌#8220;

  1. Ottexa sagt:

    Die Frauen sitzen bei ihren Männer und machen sich Sorgen darüber er, ob ihren Liebsten das Mittagessen zusagt oder nicht. Du hast Recht, Frauen müsste man mehr zumuten als bisher es der Fall war. Leider fehlen noch immer die gleichen Chancengleichheit sichernde Strukturen. Die Hausarbeit, Kind und Treppenhaus putzen und dabei die Politik lenken, dies hätte wohl Maria Thereschen auch nur schwer gemeistert. OTTEXA

  2. Andreas Christ sagt:

    Die richtigen Ansichten (im Sinne der evidenten sozialen und ökonomischen Probleme ) hat dieser Mann zweifellos. Ob er auch die menschlichen und mentalen Fähigkeiten besitzt, all dass, was er sich so vorstellt, auch langfristig zu verfolgen – erhebliche Fragezeichen! Sein veröffentlichter Lebenslauf gibt dies jedenfalls nicht her. –
    Emotionen allein reichen wohl kaum aus, um die Missstände in Eutin zu beseitigen. Ein überzeugender Kandidat für das Amt des Bürgermeisters einer Kreisstadt wie Eutin hätte schon im Vorfeld mit überzeugenden Ideen zur Verbesserung der hiesigen Verhältnisse punkten müssen. Was übrigens bisher keinem Kandidat gelungen ist. Man fragt sich: Was ist eigentlich mit den Frauen dieser Stadt los?
    Mit freundlichem Gruß Andreas Christ

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