Ostküstenkonferenz zur Planung der 380 kV-Leitung mit kurzer Fragerunde

Es gibt also jede Menge Kritik und Diskussionsstoff um die geplante Ostküstenleitung

Energiewendeministerium und Tennet luden zur Diskussion in Ratekau ein

Sie ist notwendig, sagen die einen. Sie wird nicht mehr gebraucht, sagen die anderen. Es gibt also jede Menge Kritik und Diskussionsstoff um die geplante Ostküstenleitung, die den Windstrom aus der Region Göhl zum Umspannwerk in Lübeck Siems (Raum Lübeck– Raum Göhl) und von dort weiter Richtung Umspannwerk Stockelsdorf Pohnsdorf (Raum Lübeck – Siems) und schließlich Richtung Hennstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg – Raum Lübeck) abtransportieren soll. Die Ostküstenkonferenz am Donnerstag vergangener Woche in der Ratekauer Møn-Halle sollte die Abschlussveranstaltung zu den Dialogprozessen rund um die Trassenfindung bilden.
Der Tennet-Gesamtprojektleiter für die Ostküstenleitung, Till Klages, und Uwe Herrmann vom Planungsbüro BHF Landschaftsarchitekten stellten die aktuelle Trassenführung vor und erläuterten die Gründe für die Anpassung. Ebenso ging es um das Thema Erdverkabelung, die nicht kommen wird, weil die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt werden. Für die anschließende Gesprächsrunde kamen zunächst die Bürgermeister von Ratekau und Oldenburg, Thomas Keller und Jörg Saba, der Windmüller und Landwirt Karl Detlef von Fehmarn zu Wort.

Keller zeigte sich enttäuscht über die aktuelle Planung und kritisierte, dass das Thema Windenergie in Wasserstoff umzuwandeln, Erdverkabelungen und Alternativen zur 70 Jahre alten Transporttechnik über Freileitungen nicht berücksichtigt würden. „Das ist doch nicht nachhaltig“, so Keller. Sein Kollege Saba sieht durch die vielen Großprojekte im Raum Oldenburg wie Hinterlandanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung und die 380-kV-Trasse die Stadtentwicklung verhindert. Windmüller Detlef forderte hingegen, dass die Abführung der Windenergie durch die Ostküstenleitung endlich vorankommt. „Wir brauchen diese Leitung dringend, Ostholstein wird sonst wirtschaftlich abgehängt.“ Außerdem sieht er große Chancen für Ostholstein durch die Gewerbesteuereinnahmen.

Online-User stellten Fragen

Landrat Reinhard Sager sieht ebenfalls Probleme durch eine Überbündelung. Dass aus dem Pilotprojekt Erdverkabelung nichs werde, findet er enttäuschend. Er regte an, die Idee einer Gleichstromverkabelung durch die Ostsee Richtung Mecklenburg wieder aufzugreifen. Albrecht klärte darüber auf, dass diese Möglichkeit nicht funktioniere. „Die Aufgabe besteht zunächst im Sammeln und Zusammenführen von Energie entlang der Ostküste und dann erst den Abtransport“, so der Minister. Die Gleichstromtechnik ermögliche das nicht, sondern sei nur für den Weitertransport geeignet.

Im Anschluss sollte dann die Diskussions- und Fragerunde mit den rund 50 anwesenden Bürgern und knapp 90 beteiligten Online-Usern, die ebenfalls Fragen stellen konnten, stattfinden. Aus dem Publikum gab es letztlich nur zwei Beiträge und einen Onlinebeitrag, die berücksichtigt werden konnten. Die auf zwei Stunden angelegte 2G-plus-Veranstaltung wurde dann nach knapp zweieinhalb Stunden beendet. Es gab jedoch noch die Möglichkeit auf dem angeschlossenen Infomarkt persönliche Gespräche mit den an der Konferenz Beteiligten zu führen. Anja Hötzsch

Unter https://www.tennet.eu/de/unser-netz/onshore-projekte-deutschland/ostkuestenleitung/ gibt es alle Informationen rund um das Projekt. Dort ist auch die Aufzeichnung der Ostküstenkonferenz abrufbar. Unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/E/energiewende/verlaufOKL.html beziehungsweise https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/Themen/Digitalisierung/Netzausbau/netzausbau.html gibt es ebenfalls Informationen und weitere Links zum Vorhaben.

Gesprächsrunde mit der Region zur geplanten Trasse: (v.l.) Tobias Goldschmidt, Staatssekretär Energie, Vera Brenzel von Tennet, Moderatorin Nadine Bethge, Deutsche Umwelthilfe, Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht und Landrat Reinhard Sager. Foto: Anja Hötzsch

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