Aktiver Beistand für Flutopfer: Stefan Knorr aus Eutin hat im Ahrtal angepackt

Mitte Juli brach die Sintflut über die Menschen im Ahrtal herein: Die Hochwasserkatastrophe zerstörte Häuser, Straßen, Infrastruktur und forderte über 130 Menschenleben. Fünf Monate später steht das Thema zwar nicht mehr im Fokus der medialen Öffentlichkeit, vor Ort kämpfen die Einwohner aber weiter mit den Folgen der Flut – unterstützt von vielen freiwilligen Helfern aus der gesamten Republik. Auch Stefan Knorr aus Eutin hat kürzlich eine Woche lang mit bei den Aufräumarbeiten angepackt.

Hilfseinsatz statt Campingurlaub in Dänemark

„Eigentlich wollte ich im Internet einen Campingplatz in Dänemark mit freien Stellplätzen suchen. Dann habe ich aber eine Anzeige des Helfer-Shuttle gesehen, das dazu aufrief, Zeit an der Ahr zu spenden“, erzählt Knorr. Der Inhaber des Fachgeschäfts „Weingeist“ hatte bereits in seinem Laden Wein zugunsten der Flutopfer verkauft und meldete sich kurzentschlossen zum Hilfseinsatz. „Thomas Pütz und Marc Ulrich, zwei Unternehmer aus Bad Neuenahr, haben diese Schnittstelle zwischen Menschen, die Hilfe benötigen, und denen, die Hilfe anzubieten haben, organisiert“, berichtet Knorr. „Komm einfach vorbei, wir finden Arbeit für dich“, hieß es.

Ein motivierendes Morgen-Ritual im Ahrtal

Und so steuerte Knorr Ende Oktober mit seinem Caravan ein Gewerbegebiet in der Gemeinde Grafschaft an, wo eine Zelt- und Wohnmobilstadt für Helfer entstanden ist. „Wir waren unter der Woche zwischen 450 und 700 und am Wochenende über 2800 Helfer, die zu den Einsatzstellen gefahren wurden. Das war perfekt organisiert. Alle Helfer wurden auch täglich versorgt mit allem, was nötig ist“, erzählt er. Geweckt wurde die Truppe mit dem Nana-Mouskouri-Hit „Guten Mor- gen Sonnenschein“. Dieses Ritual sei sehr motivierend gewesen.

50 Prozent der Häuser sind unbewohnbar

Wie waren seine ersten Eindrücke vom Ahrtal? „Ich hatte noch die Fernsehbilder mit meterhohen Schutthaufen an den Straßen im Kopf. Die waren zwar alle beseitigt, aber die Zerstörungen nicht: Mindestens 50 Prozent der Häuser in den betroffenen Orten sind unbewohnbar, es gibt keine funktionierende Kanalisation. Das Wasser stand 4,20 Meter hoch in den Häusern. Es ist unvorstellbar, was dort für Fluten durchgegangen sind. Betroffene haben uns viele bewegende Geschichten erzählt“, berichtet Knorr. Besonders gefreut habe ihn, da unten provisorische Stromkästen mit Eutin-Aufkleber zu sehen. „Die Firma Erbs & Brumm hatte ja Elektromaterial in die Überflutungsgebiete gebracht.“ Und auch die Stadtwerke Eutin waren vor Ort.

Stefan Knorr übernahm hauptsächlich Abbrucharbeiten

Stefan Knorr übernahm hauptsächlich Abbrucharbeiten. Er hat Wände aufgestemmt, Putz runtergeklopft, Dämmmaterial und Estrich rausgerissen. „Es ist wichtig, dass die gewaltige Feuchtigkeit über die Winterzeit trocknen kann, damit man überhaupt im Frühjahr an Aufbau denken kann. Alleine hätten das die Hausbesitzer nicht geschafft, zumal auch kaum Fachfirmen, die oft selbst von der Flut betroffenen sind, beauftragt werden können“, so der Eutiner.

„Am besten ist, die Betroffenen direkt zu unterstützen“

Er habe die große Dankbarkeit der Menschen für die vielfältige Hilfe aus ganz Deutschland gespürt. Aber er habe auch die Frustration über staatliche und Versicherungsleistungen, die auf sich warten lassen, wahrgenommen. „Am besten ist, die Betroffenen direkt zu unterstützen. Etwa das Helfer-Shuttle oder das Helferteam um Melanie Bröxkes, das Versorgungsstellen eingerichtet hat und tonnenweise Hilfsgüter verteilt“, sagt Knorr. Das Wasser sei zwar weg, der Schaden aber noch lange, lange nicht behoben. Wer helfen will, findet nähere Infos auf www.helfer-shuttle.de sowie auf der Facebook-Seite vom Helferteam Melanie Bröxkes.

Volker Graap

Der Putz muss runter: Stefan Knorr (Mitte) beim Hilfseinsatz im Ahrtal. (Foto oben: hfr)

Zerstörung im Ahrtal
Die Zerstörung im Ahrtal ist noch immer allgegenwärtig. (Foto: hfr)
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