Bürgermeisterwahl in Malente: Fünf Parteien suchen gemeinsamen Gegenkandidaten

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Fünf der sechs im Malenter Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen hatten schon vor Monaten angekündigt, für die Bürgermeisterwahl am 8. Mai 2022 einen gemeinsamen Kandidaten suchen und unterstützen zu wollen. Ihr Vertrauensverhältnis zur amtierenden Verwaltungschefin Tanja Rönck gilt als zerrüttet. In einem Pressegespräch erläuterten die Kommunalpolitiker von CDU, SPD, FDP, Freien Wählern Malente und Grünen jetzt, warum sie diesen ungewöhnlichen Weg gehen.

„Hauptsache gut, eine gestandene Persönlichkeit“

CDU-Fraktionschef Uwe Potz stellte zu Beginn klar, dass die Farbe des Parteibuches oder das Geschlecht der Person dabei völlig egal seien. „Hauptsache gut und geeignet. Eine gestandene Persönlichkeit“, sagte Potz. „Wenn wir aber das Gefühl haben, dass bei den Bewerbern keine Person dabei ist, die den Job besser als die derzeitige Bürgermeisterin machen würde, werden wir keinen Gegenkandidaten aufstellen“, betonten die Parteienvertreter unisono.

Kritik an der Amtsführung von Tanja Rönck

An der Amtsführung von Tanja Rönck lassen die Kritiker allerdings kaum ein gutes Haar. Sie lasten ihr insbesondere den ungewöhnlich hohen Krankenstand und die Personalfluktuation im Rathaus an. „Seit 2016 gibt es 21 Prozent mehr Stellen in der Verwaltung. Aber ein Drittel der Mitarbeiter ist nie anwesend, weil sie krank oder Stellen nicht besetzt sind. Und von 46 während der Amtszeit der Bürgermeisterin eingestellten Mitarbeitern sind 26 bereits wieder gegangen“, so Potz. Das werfe Fragen auf.

„Führungsproblem im Bereich der Finanzen“

Finanzausschuss-Chef Wilfred Knop (FDP) bemängelt, dass sich Tanja Rönck zu wenig um die Konsolidierung des Haushaltes kümmere. „Stattdessen beschäftigt sie sich mit immer neuen kostenpflichtigen Projekten, ohne dafür eine inhaltlich, finanziell, zeitlich oder personell abgestimmte Planung vorzulegen“, so Knop. Auch fehlende Eröffnungsbilanz und Jahresabschlüsse belegten ein Führungsproblem im Bereich der Finanzen.

Bürgermeisterin als beratungsresistent kritisiert

Jürgen Baguhl von den Freien Wählern sagte, 2016 habe man Rönck noch unterstützt, im Laufe der Amtszeit sei man aber zu einer anderen Sichtweise gekommen. „Viele Bürger fühlen sich von der Bürgermeisterin nicht mehr mitgenommen. Sie scheint sich nur noch für die großen Dinge wie den Kauf des Bahnhofs zu interessieren. Die Probleme vor der Haustür der Einwohner interessieren nicht“, kritisiert Jürgen Baguhl.

Wahlvorschläge kann man bis zum 14. März einreichen

Und Carmen Weber (SPD) vermisst ein respektvolles Miteinander im Umgang mit den Ehrenamtlern in der Selbstverwaltung und auch den Bürgern. Allzu häufig würden den Kommunalpolitikern die Grundlagen fehlen, um Entscheidungen zu treffen, weil viele Vorlagen der Verwaltung Sachverhalte nicht vollständig abbildeten. Hinzu komme, dass Tanja Rönck in ihren Augen beratungsresistent sei. Die fünf Parteien hoffen, dass sich in den kommenden Monaten qualifizierte Kandidaten melden. Die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen endet am 14. März. Infos finden sich auf www. malente.de.

Deutlicher Widerspruch von Malenter Unternehmern

Es gibt auch Stimmen in der Gemeinde Malente, die sich wohlwollend über Tanja Rönck äußern und Lob und Anerkennung für die Bürgermeisterin in aller Öffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen. So sieht der Unternehmer Hans-Peter Wandhoff die Bürgermeisterin als sehr bürgernah, freundlich und spontan. „Bei Problemen hat Frau Rönck immer ein offenes Ohr für die Wirtschaft und ist sich nicht zu schade, auch kurzfristig direkt vor Ort zu erscheinen um über Probleme und Sorgen zu sprechen. Selbst bei einem Brand auf unserem Hofgelände in Sieversdorf erschien die Bürgermeisterin sofort, packte mit an und versorgte sogar die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr mit Brötchen und Getränken“, sagt Wandhoff.

„Sie hat sich stets als bürgernahe Bürgermeisterin gezeigt“

Der Malenter Gartenbauunternehmer Jan Eskildsen berichtet ebenfalls nur Gutes über seine Bürgermeisterin. Als Vorstandsmitglied des Fördervereins Dorf und Natur betont er die gute Kooperation und Hilfsbereitschaft während des Genehmigungsverfahrens zur Erstellung des neuen Holzbergturms und in Angelegenheiten des Wildparks. Und Ole Marxen, der Verwalter und Projektleiter der neuen Hotelanlage Gut Immenhof, erklärt, dass Tanja Rönck als Bürgermeisterin bei der baulichen Umsetzung und für Fragen immer hilfreich zur Seite gestanden hat. Ihnen gegenüber habe sich Rönck immer als bürgernahe Bürgermeisterin gezeigt, betonen die Geschäftsleute in einer Pressemitteilung.

Volker Graap

Carmen Weber (SPD), Wilfred Knop (FDP), Sebastian Zimmer-Abelstedt und Uwe Potz (beide CDU) sowie Jürgen Baguhl (FWM) suchen gemeinsam einen geeigneten Bürgermeister-Kandidaten. Die Grünen waren beim Pressetermin zeitlich verhindert. (Foto: Graap)

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