Bilder im Ostholstein-Museum: Stille, Stimmungen und Alltäglichkeiten von Frauke Gloyer

Gloyer

„Die Arbeiten von Frauke Gloyer sind wahnsinnig stimmungsvoll“, zeigt sich Museumsleiterin Dr. Julia Hümme begeistert. Im Eutiner Ostholstein-Museum eröffnet sie am Sonntag, 28. November, um 11.30 Uhr eine große Retrospektive der schleswig-holsteinischen Künstlerin. Unter dem Titel „Frauke Gloyer. Malerei. Alle Tage.“ ist ein repräsentativer Querschnitt durch ihr facettenreiches Schaffen zu sehen.

Die vermeintliche Einfachheit des dargestellten Motivs

Die von Frauke Gloyer favorisierten Themen sind mannigfaltig und reichen von Landschaftsbildern über Porträts bis hin zur Darstellung alltäglicher Gegenstände. Sie alle bestechen durch die vermeintliche Einfachheit des dargestellten Motivs. „Die Malerin hat einen fokussierten Blick aufs Detail und beweist in ihren Landschaftsbildern Mut zur Stille“, sagt Julia Hümme. Gloyer habe das Talent, die Schönheit hinter den Dingen zu sehen, wenn sie beispielsweise Alltäglichkeiten in Szene setzt: den Knopf, das Paar Schuhe, eine Kerze, ein Streichholz, die schleimige Nacktschnecke oder gar die Forelle auf dem Teller – vor und nach dem Verzehr. „Dies zeigt: Frauke Gloyer hat sich eine gewisse Neugier, ein stetes Interesse und einen wachen Blick auch für die kleinen und kleinsten Dinge im Leben bewahrt“, meint Julia Hümme.

Das Unspektakuläre rückt Frauke Gloyer in den Fokus

Auch ohne spektakuläre Blickfänge sind die Bilder von Meer und Himmel von einer atemberaubenden Atmosphäre durchdrungen. Das heißt die Behandlung von unscheinbar wirkenden Dingen als auch die Leere und das Unspektakuläre in der Natur nimmt bei Frauke Gloyer einen großen Stellenwert ein und glänzt durch eine besondere Qualität. Wenn Sonnenstrahlen eine Wolkendecke durchstoßen und sich aufs Wattenmeer ergießen oder ein kleines Motorboot vor Fehmarn durchs Bild tuckert, dann freut sich das Herz des Betrachters.

Doppelausstellung: Nissenhaus Husum zeigt weitere Bilder

Fast hätte es die Jubiläumsschau nur in der nordfriesischen Heimat der Künstlerin gegeben. Denn eigentlich hatte Frauke Gloyer dem Eutiner Museum bereits abgesagt. „Damals hatte ich schon dem Nissenhaus in Husum eine Ausstellung anlässlich meinen 60. Geburtstags zugesagt“, berichtet die Künstlerin. Aber bei Durchsicht der Arbeiten aus fast vier Jahrzehnten künstlerischer Tätigkeit hat Frauke Gloyer dann doch insgesamt 500 ihrer Meinung nach „taugliche“ Bilder in den Beständen gefunden – und damit ausreichend Material, um zwei Ausstellungen – eine an der Nord-, die andere an der Ostsee – zu bestücken.

Frauke Gloyer malt jeden Tag – am liebsten im Stillen

Ein Tag ohne zu malen? „Das geht nicht. Ich muss wirklich täglich malen, das ist für mich absolut wichtig“, betont Frauke Gloyer. Deshalb kommt das Ausstellungstitel „Malerei. Alle Tage“ auch nicht von ungefähr. Am liebsten ist sie beim Malen allein, sie braucht Stille zum Arbeiten – ob nun draußen in der Natur oder in ihrer Fachwerkkate in Galmsbüll. Das 300 Jahre alte Haus ist ihr Rückzugsort, dem sie auch viele ihrer Bilder widmet.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen

Die Retrospektiven in Eutin und Husum gibt es übrigens zum Mitnehmen: Begleitend zu den parallel laufenden Ausstellungen erscheint ein umfangreicher Katalog. Auf 176 Seiten können die faszinierenden Kunstwerke bestaunt und Aufsätze über die Kunstfertigkeit der Malerin nachgelesen werden. Geöffnet ist die Bilderschau bis zum 30. Januar dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie sonnabends, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember ist das Museum am Schlossplatz 1 geschlossen. Auch Führungen sollen angeboten werden. Aktuelle Infos gibt es online auf www.oh-museum.de.

Volker Graap

Große Schneeflocken, die auf ihre Fachwerkkate rieseln – die nordfriesische Malerin Frauke Gloyer hat die Szenerie sofort in stimmungsvollen Bildern festgehalten. (Fotos: Graap)

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