Eutin: Zukunftssicher dank alter Handwerkskunst

Wie mit Methoden von gestern historische Bausubstanz zukunftssicher restauriert wird, lässt sich zurzeit an der Eutiner Landesbibliothek beobachten.

Fenster-Instandsetzung in der Eutiner Landesbibliothek erfolgt nach historischem Vorbild

Wie mit Methoden von gestern historische Bausubstanz zukunftssicher restauriert wird, lässt sich zurzeit an der Eutiner Landesbibliothek beobachten. Volker Martens aus dem hessischen Runkel ist deutschlandweit einer der wenigen ausgewiesenen Experten für die Aufarbeitung alter Fenster mittels Leinölverfahren. Er konnte für die Instandsetzung der 55 Originalfenster des 1840 erbauten Kavalierhauses am Schlossplatz gewonnen werden.

Das Gebäude zählt aus Sicht der Denkmalpflege zu den wertvollsten klassizistischen Bauten der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert in Schleswig-Holstein. Mit der derzeitigen Farbgebung von Fassade (ein verblasstes Schweinchenrosa) und Fenstern (rötliches Braun) war die Stiftung Eutiner Landesbibliothek als Eigentümerin jedoch nicht glücklich – zu recht. Denn wie sich nach Recherchen im Landesarchiv herausgestellt hat, hat das Gebäude vor 180 Jahren tatsächlich anders ausgesehen. „Die originalen Bauzeichnungen und Abrechnungen belegen, dass für die Fassade Kalkputz eingesetzt wurde, sie also in einem Weißton erstrahlte“, berichtet Geschäftsführerin Anja Sierks-Pfaff.

Althergebrachter Helfer: Leinöl

Und die Fenster seien nicht angestrichen, sondern mit Leinöl konserviert worden. Das seit den 1930er-Jahren zunehmend in Vergessenheit geratene Konservierungsverfahren findet jetzt in Eutin – einmalig in Schleswig-Holstein – wieder Anwendung. „Die althergebrachte Technik mit Leinöl ist zwar zunächst aufwendiger und teurer, schützt das Holz aber auf sehr lange Zeit von innen heraus. Deshalb ist sie auf lange Sicht kostengünstiger“, so Sierks-Pfaff. Bei einer Musterrestaurierung eines Fensters hat Martens einen gräulichen Farbton herausgearbeitet, der nun auf den gesamten Fensterbestand übertragen wird.

„Leinöl wird seit dem 15. Jahrhundert für die Konservierung von Holzteilen benutzt und hält im Grunde ewig“, erläutert Volker Marten. Farbanstriche würden die Verrottung eher beschleunigen. Die falsche Behandlung der Eutiner Fenster nimmt er jetzt zurück und löst alte Farbschichten durch eine thermische Technik ab. „Ich benutze dafür erwärmtes Leinöl. Die Restaurierungsmethode beruht von Anfang an auf Öl“, unterstreicht Marten. Auch der Kit für die Scheiben basiert auf Leinöl aus Dänemark und wird beispielsweise im Schloss Versailles verwendet. Die Blockrahmen bearbeitet der Fachmann vor Ort, die Fensterflügel werden ausgehängt und in der Werkstatt restauriert. Nach fünf Jahren und dann in immer größeren Intervallen müssen die Fenster mit Öl nachgepflegt werden. Dies könne dann durch den Hausmeister geschehen, so Marten.

Vom Denkmalschutz geförderte Restaurierung bis 2023

Die Fenster sollen bis 2023 in zwei Bauabschnitten restauriert werden. Für die erste Phase sind 149 000 Euro veranschlagt. Gefördert wird sie mit 20 000 Euro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und mit 25 000 Euro durch die Landesdenkmalpflege. Für den zweien Bauabschnitt, der mit 169 000 Euro zu Buche schlägt, sind weitere Fördermittel beantragt. „Die Investition zeigt, wie wichtig uns dieses Haus und seine denkmalgerechte Instandsetzung ist. Wir gehen mit guten Beispiel voran“, betont Ostholsteins Kreispräsident Harald Werner als Vorsitzender des Stiftungsrates.  Volker Graap

Volker Marten zeigt an einem Musterrahmen die einzelnen Schritte der Fensterrestaurierung. Kreispräsident Harald Werner, Bibliotheksleiter Dr. Frank Baudach, Geschäftsführerin Anja Sierks-Pfaff und Architekt Thomas Uhlen (v.r.) sind von der Technik überzeugt. Foto: Graap

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