Thema Mobbing: Malenter Autorin Elena Prochnow gestaltet Bilderbücher mit Tiefgang

Elena Prochnow

Elena Prochnow hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Mit „Pass bloß auf deinen Daumen auf!“ hat die frischgebackene Illustratorin und Grafikdesignerin aus Malente ihr Debüt als Bilderbuchautorin gefeiert. Die 43-Jährige hat dafür das Thema Mobbing in der Schule aufgegriffen und auf 38 Seiten ein Plädoyer für Mut und Selbstbewusstsein geschaffen. Ihre fast angeborene Kreativität lebt die Künstlerin erst jetzt so richtig aus.

Elena Prochnow hat von klein auf gerne gezeichnet

„Ich wollte mich schon immer mit Kunst und Illustration beschäftigen, aber beruflich schien das damals wenig Perspektiven zu bieten“, berichtet Elena Prochnow, die von klein auf leidenschaftlich gerne Geschichten gehört und dazu gezeichnet hat. Nachdem sie die Staatliche Kunstschule in Tallinn 1996 mit Diplom absolviert hatte, studierte sie daher im Anschluss Journalismus in St. Petersburg, Englische Literatur in New Hampshire und Jura in Kiel. In Deutschland lernte sie ihren Mann kennen und gründete eine Familie. Doch die stolze Mutter einer inzwischen 16-jährigen Tochter hatte immer wieder den Gedanken, zur Kunst zurückzukehren.

Abschluss an der Kieler Muthesius Kunsthochschule

„Ich fing wieder zu zeichnen an und habe dann einen ,Tag der offenen Tür‘ an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel genutzt, um meine Arbeiten vorzustellen. Der Professor war begeistert – und ich habe mich um einen Studienplatz beworben“, erzählt Prochnow. Nach Auswahlverfahren, Eignungsprüfung und Kolloquium begann sie 2016 das Studium in Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration. „Hier konnte ich meinen Traum, ein Bilderbuch zu illustrieren und auch selbst zu schreiben, realisieren.“

Mit visuellen Mitteln und wenig Text Emotionen übertragen

Ihr Abschlussprojekt zum Thema Mobbing hat in Layout und Inhalt auf ganzer Linie überzeugt. Kein Wunder, denn Elena Prochnow war von Anfang an klar, was ein gutes Bilderbuch ausmacht. „Es braucht eine gewisse Tiefe und darf nicht zu banal sein. Auch für junge Leser ist es wichtig, dass man Lebensaspekte anspricht. Und die Illustration muss, ähnlich wie beim Film, Gefühle transportieren. Mir ist es wichtig, mit visuellen Mitteln und wenig Text Emotionen zu übertragen.“

Inspirierende Geschichte gibt Selbstbewusstsein

Mobbing, das weiß Elena Prochnow aus eigener Erfahrung, ist für viele Schüler und auch Erwachsene eine alltägliche Situation, die sehr viel Leid und persönliche Tragödien verursacht. „Ich erzähle hier eine emotionale und inspirierende Geschichte, um Mobbing-Opfern Halt zu geben und ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, sagt die Autorin. Im Bilderbuch bietet sie eine unkonventionelle Lösung an: Ihre Protagonistin Mimi geht in die zweite Klasse und wird von den älteren Jungs schikaniert. Da weder Mutter noch Lehrerin ihr wirklich helfen, holt sie sich bei Opa Rat. Der war früher Boxer und bringt ihr bei, wie man sich zur Wehr setzt … So fasst Mimi den Mut, Grenzen zu setzen und zu verteidigen.

Kinder mit dem Problem Mobbing nicht alleine lassen

„Mein Buch ist keinesfalls ein Aufruf zu Gewaltlösungen. Ich bin davon überzeugt, dass meine Hauptbotschaft – seine Angst zu überwinden, sich nicht zu verstecken, nicht zu schweigen und ganz deutlich ,Stopp‘ zu kommunizieren – vielen Mobbing-Opfern auch in anderen Bereichen und für das spätere Leben helfen kann“, unterstreicht Elena Prochnow. Welchen Rat würde sie Kindern geben, die in Mimis Situation sind? „Immer als erstes Erwachsene – Eltern, Großeltern und andere Verwandte – ansprechen. Die Erwachsenen sollen dann mit den zuständigen Lehrern reden und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Die Kinder dürfen auf keinen Fall damit alleine gelassen werden“, meint die Autorin. Ihr Bilderbuch jedenfalls bringt ein noch vielfach tabuisiertes Thema auf den Tisch und regt dazu an, sich konkreter mit diesem ernsten Problem auseinanderzusetzen.

Zweites Bilderbuch ist bereits in Arbeit

In Arbeit hat Elena Prochnow übrigens bereits ein weiteres Bilderbuch, das Kindern Natur- und Artenschutz näherbringt und im Februar erscheinen soll. In „Ach, hätte ich bloß einen Kakapo“ geht es um einen fast ausgestorbenen neuseeländischen Vogel. „Die Geschichte dreht sich um einen Jungen, der sich verzweifelt ein Haustier wünscht. Als er vom Kakapo hört, stellt er sich vor, wie toll es wäre, so einen Papagei zu besitzen. Aber dann wird ihm klar, wie gefährdet diese Tierart ist“, erläutert Prochnow und betont: „Nichts gegen Entertainment im Bilderbuch-Bereich, aber mein persönlicher Ansatz ist es, Sachen aufzugreifen, die Gewicht haben.“ Das Bilderbuch „Pass bloß auf deinen Daumen auf!“ ist Anfang August im Verlag „Edition Pastorplatz“ erschienen, kostet 14 Euro und ist für Leser ab fünf Jahren geeignet.

Volker Graap

Elena Prochnow wurde 1978 in Minsk geboren, lebt aber seit gut 20 Jahren in Deutschland. Die Malenter Autorin und Illustratorin ist stolz auf ihr Bilderbuch-Debüt zum Thema Mobbing. Ihr zweites Buch „Ach, hätte ich bloß einen Kakapo“ (siehe unten) kommt im Frühjahr 2022 heraus. (Fotos: hfr)

das zweite Bilderbuch
Elena Prochnows zweites Buch „Ach, hätte ich bloß einen Kakapo“ kommt im Frühjahr 2022 heraus.

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