Neues Buch stellt vergessene Schriftstellerinnen aus Ostholstein vor

Nachdem ihnen über Jahrhunderte das Schreiben – wie sogar das Lesen – verwehrt worden war, betraten Frauen im 19. Jahrhundert mehr und mehr die Bühne der Literatur. Der Eutiner Literatur- und Medienwissenschaftler Professor Dr. Axel E. Walter hat vier dieser Autorinnen aus Ostholstein für eine Anthologie wiederentdeckt.

Viele Texte weiblicher Autoren sind verloren gegangen

Aber auch damals waren die Frauen noch den Männern ausgeliefert – „sei es durch die Einforderung der Pflichten ihres angestammten Berufs als Hausfrau, Ehefrau und Mutter, sei es durch Kritiker, die ihre Werke oft als zweitrangig, als minderwertige Unterhaltungskultur oder gleich als Schund brandmarkten“, erzählt Walter. Und auch wenn ihre Bücher in öffentliche Bibliotheken Eingang fanden, sortierte man die Frauen der Feder in der Regel als erste wieder aus, sobald die Regale wieder einmal zu voll wurden. „Man warf die Bücher einfach weg. So sind viele Texte weiblicher Autoren heute sehr selten geworden oder sogar verloren gegangen.“

Neue Anthologie will dem Vergessen entgegenwirken

In Ostholstein war die Situation nicht anders als überall. Die Namen hiesiger Autorinnen sind heute weitgehend vergessen, von ihren Werken existieren oft nur noch ganz wenige Exemplare in deutschen Bibliotheken. Die neue, von Axel Walter herausgegebene Anthologie will diesem Vergessen entgegenwirken. Sie enthält vollständige Erzählungen und Romane von den vier Autorinnen Amalia Schoppe aus Heiligenhafen, Wilhelmine Johannsen aus Eutin, Ida Staacke aus Neustadt und Conradine Stinde aus Lensahn. Sie alle schafften es in einem von Männern dominierten Literaturbetrieb, ihre Werke zum Druck zu bringen.

Amalia Schoppe etwa war deutschlandweit erfolgreich

„Amalia Schoppe war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogar eine der erfolgreichsten Autorinnen in Deutschland“, berichtet Walter. Dabei zeugten ihre autobiografische Erzählung „Clementine“ wie die Texte der anderen Schriftstellerinnen von der aktiven Rolle, die Frauen damals auf dem literarischen Markt zunehmend ausfüllten, obwohl ihre politischen und sozialen Rechte nach wie vor stark limitiert waren. Walter: „Was sie geschrieben haben, zeigt nicht nur auf, welche schriftstellerischen Begabungen im wahrsten Sinne des Wortes weggeworfen worden sind, sondern ebenso, dass Frauen anders schreiben als Männer.“

Professor Walter hat alle Texte kommentiert

Die Anthologie, die erste mit ausschließlich weiblichen Autoren aus Ostholstein im 19. Jahrhundert, wurde an der Eutiner Landesbibliothek erarbeitet. Alle Texte sind mit ausführlichen Kommentaren versehen. Ein literaturgeschichtliches Nachwort beschreibt die sozialen, politischen und kulturellen Kontexte, unter denen diese Texte von Frauen damals entstanden. Unter dem Titel „Ostholsteinische Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts“ ist das Buch über den örtlichen Buchhandel zu beziehen, kann aber ebenso direkt bei der Eutiner Landesbibliothek am Schlossplatz 4 bestellt werden, wo Walter die Forschungsstelle zur Historischen Reisekultur leitet.

Vortrag für die Volkshochschule am 23. September

In der Eutiner Landesbibliothek hält Professor Walter am Donnerstag, 23. September, um 19.30 Uhr einen Vortrag über besagte ostholsteinische Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Die Veranstaltung wird von der Volkshochschule Eutin angeboten. Anmeldungen sind unter Telefon 04521 849880, per E-Mail an vhs@eutin.de oder über die Homepage www.vhs-eutin.de möglich.

Pressemitteilung

(Foto: LN-Archiv)

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