„Euch steht die Welt offen“: Bäcker-Innung spricht Azubis aus Ostholstein frei

Drei Jahre nach der Einschreibungsfeier ist jetzt für acht Auszubildende des Bäckerhandwerks in Ostholstein die Lehrzeit zu Ende gegangen. Bei der Freisprechungsfeier der Innung am Dienstag im Bosauer Gasthaus „Zum Frohsinn“ erhielten jeweils vier frischgebackene Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen ihre Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse.

Bäckerhandwerk sucht weiterhin Auszubildende

„Ich hätte mir eine höhere Zahl von Absolventen gewünscht, aber unser Beruf liegt bei der Berufswahl der jungen Leute schon lange nicht mehr so weit vorn“, klagte der stellvertretende Landesinnungsmeister Helmut Börke in seiner Ansprache. Aber die Branche brauche dringend junge Menschen, die für diesen Beruf brennen. Menschen, „die aus einfachen Rohstoffen wohlschmeckende Produkte herstellen und diese mit einem Lächeln verkaufen“. Börke betonte, das Bäckerhandwerk sei systemrelevant und habe mehr denn je goldenen Boden.

Gute Zukunftsaussichten für die jungen Gesellen

„Ausgebildete Fachkräfte, die wissen, was sie tun, werden immer gesucht“, so Börke. Entsprechend gut seien die Zukunftsaussichten der jungen Gesellen. Innungsmitglied Hans-Peter Klausberger aus Eutin rief die erfolgreichen Prüflinge dazu auf, auch mal aus den Backhäusern hinaus zu gehen und sich weiter zu bewähren: „Die Welt steht Euch offen, ob Ihr nun ein gefördertes Auslandspraktikum antreten oder einen Job auf Traumschiffen annehmen möchtet.“

Für unbegleiteten Flüchtling geht Traum in Erfüllung

So ein Traum ist auch für seinen Bäckerlehrling Mohammed Maraii in Erfüllung gegangen. Als unbegleiteter Flüchtling kam er mit 15 Jahren aus Ägypten nach Eutin. Bei Klausberger erhielt er zunächst ein Langzeitpraktikum. „Mohammed hatte ganz schön damit zu kämpfen, um das zu schaffen, was wir von ihm wollten. Er hat es geschafft“, berichtet Bäckermeisterin Anja Klausberger, bei der er insgesamt fünf Jahre gelernt hat.

Die Eutiner Bäckermeisterin Anja Klausberger und ihr Mann Hans-Peter sind stolz auf ihren erfolgreichen Azubi Mohammed Maraii.

„Jetzt haben wir ihn in die weite Welt geschickt, damit er weitere Eindrücke im Beruf gewinnt“, sagt Hans-Peter Klausberger. Mohammed hat sich in Lübeck umgeschaut und bei der Traditionsfirma „Niederegger“ bereits zum 1. September eine Stelle bekommen. „Dort geht es zwar mehr um Konditorei, aber wer das Bäckerhandwerk beherrscht, beherrscht alles: Brot, Brötchen und feine Backwaren“, meint Klausberger.

Freigesprochen wurden:
die Bäcker und Bäckerinnen Rebekka Schütt (Bugenhagenwerk), Frederike Jordan (Hofladen Klostersee), Abduhrahman Diyar (Mien Backstuuv), Mohammed Maraii (Stadtbäckerei Klausberger) sowie die Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk mit Schwerpunkt Bäckerei Alexa Groth (Bäckerei Von Allwörden), Vivien Schlüter (Dallmeyers Backhaus), Laura Wolf und Laura Lademacher (beide Bäckerei Puck).

Rebekka Schütt wurde innungsbester Prüfling

Besonders stolz zeigte sich Helmut Börke über die innungsbeste Auszubildende: Rebekka Schütt lag trotz Handicaps mit einer 2 in der praktischen und einer 1 in der theoretischen Prüfung ganz vorne. Ihre Lehre absolvierte sie im Bugenhagen-Berufsbildungswerk in Timmendorfer Strand. „Das ist eine ganz tolle Leistung, die den Spaß am und die Leidenschaft zum Beruf zum Ausdruck bringt. So ein Erfolg kann für uns als Ausbilder nicht schöner sein“, sagte Börke. Die Lehrkräfte der Berufsschule sprachen bei diesem Jahrgang generell von „phänomenalen Prüfungsergebnissen“ – herzlichen Glückwunsch!

Volker Graap

Der stellvertretende Innungsobermeister Helmut Börke (rechts) und Hans-Peter Klausberger (links) mit den acht frischgebackenen Junggesellen (von links): die Bäcker beziehungsweise Bäckerinnen Mohammed Maraii, Frederike Jordan, Abduhrahman Diyar und Rebekka Schütt sowie die Fachverkäuferinnen Laura Wolf, Laura Lademacher, Vivien Schlüter und Alexa Groth.  (Foto: Graap)

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