Für Autofahrer gewöhnungsbedürftig: neue Radaufstellstreifen in Eutin

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mit den brandneuen Fahrbahnmarkierungen an drei Kreuzungen im Eutiner Zentrum konnten viele Autofahrer bei der Verkehrsfreigabe am vergangenen Freitag noch nichts anfangen. Die neuen sogenannten „aufgeweiteten Radaufstellstreifen“ vor den Ampeln haben manche irritiert. Bei Rot dürfen sich hier Radfahrer jetzt vor dem motorisieren Verkehr positionieren.

Sicherer durch verbesserte Sichtbarkeit

„Die Einrichtung der Radaufstellstreifen und weiterer Fahrradschutzstreifen ist ein Riesenschritt zu mehr Fahrradfreundlichkeit in Eutin“, sagt Bürgermeister Carsten Behnk. Die Maßnahmen beruhten auf Ideen aus dem Radverkehrskonzept, das die Stadt nun nach und nach umsetze. „Schutzstreifen und Piktogramme sorgen für mehr Sicherheit für Radfahrer durch eine verbesserte Sichtbarkeit“, erläutert Behnk. „Radler sollen sich sicherer fühlen, und Autofahrer müssen lernen, dass man sich den Verkehrsraum teilen kann“, betont er. In Großstädten würden sich Autofahrer darüber nicht mehr wundern. Dort kenne man diese speziellen Flächen für Radfahrer bereits.

Drei Kreuzungen sind von den Neuerungen betroffen

An den drei Kreuzungen Elisabethstraße/Weidestraße, Plöner Straße/Plumpstraße und Plöner Straße/Albert-Mahlstedt-Straße wurden vor den Haltelinien die besagten aufgeweiteten Radaufstellstreifen markiert. Einige Meter davor leitet bereits ein Schutzstreifen die Radfahrer auf ihre Sonderfläche. Diese Aufstellfläche ermöglicht es den Radlern, sich bei Rot an der Ampel vor den Pkw und Lkw zu platzieren, um gut gesehen zu werden und bei Grün als erste die Kreuzung passieren zu können. In der Weidestraße sind dadurch übrigens Abbiegespuren für Pkw weggefallen. Die Fahrzeuge können aber natürlich weiter in alle Richtungen abbiegen.

Zusätzliche Fahrradschutzstreifen

Darüber hinaus hat die Stadt die bereits im Meinsdorfer Weg bestehenden Fahrradschutzstreifen auch in der Elisabethstraße und in der Plöner Straße hergestellt. Der Schutzstreifen führt von der Lübschen Koppel beidseitig bis zur Weidestraße und von dort dann wechselseitig auf nur einer Seite bis auf Höhe Lübecker Landstraße. In der Plöner Straße wird der Radweg hinter der Holzbrücke auf einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn verschwenkt.

Neue Bedarfsampel an der Ecke Friedrichstraße

Zwei weitere Maßnahmen machen den Verkehr für die schwächeren Verkehrsteilnehmer noch sicherer: In der Elisabethstraße/Höhe Friedrichstraße hat man eine neue Bedarfsampel installiert, und in der Plöner Straße gilt jetzt auch zwischen Albert-Mahlstedt-Straße und Ihlpool Tempo 30. Insgesamt hat die Umsetzung der Baumaßnahmen für mehr Fahrradfreundlichkeit 190.000 Euro gekostet.

Am Ende geht es nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme

Eines ist aber auch Bürgermeister Behnk klar: „Voraussetzung für die fahrradfreundliche Stadt ist die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer!“ Nun gehe es in die Gewöhnungsphase, und die Stadt kläre auch mit Flyern über die neuen Regelungen auf. Überwachen, betonte Timo Hantel vom Fachdienst Öffentliche Sicherheit der Stadt Eutin, könne die Einhaltung der Verkehrsführung allerdings nur die Polizei. Diese sei für den fließenden Verkehr zuständig. Aber zunächst gehe es ohnehin nicht darum, Verstöße mit Bußgeldern zu ahnden, sondern die Bürger zu informieren.

Irritationen um Grünen Pfeil in der Plumpstraße

Inwieweit es tatsächlich nötig war, im Zuge der Arbeiten den Grünen Pfeil in der Plumpstraße zu entfernen, will Hantel noch in Erfahrung bringen. Denn eigentlich beruhe dieser auf einer behördlichen Anordnung und könne nicht ohne Weiteres demontiert werden – auch wenn diese Regelung die Ampelschaltung beeinflusse. Gefährlich ist der Abbau ohne Vorwarnung obendrein, denn viele Autofahrer haben dies noch gar nicht registriert und biegen weiterhin wie sonst auch bei Rot rechts ab. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

Volker Graap

Das Fahrzeug links macht es richtig und ordnet sich auf der Fahrspur für den motorisierten Verkehr ein. Der andere Transporter ist bis zur Ampel auf der für Fahrräder reservierten Fläche vorgefahren – so geht es natürlich nicht. (Foto oben)
Bürgermeister Carsten Behnk (links) und Mitarbeiter Timo Hantel stellen den sogenannten „aufgeweiteten Radaufstellstreifen“ vor der Ampel in der Weidestraße vor. (Foto: Graap)

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