Bad Schwartau: Der Bismarckturm ist eröffnet

Drei Jahre lang war der Aussichtspunkt in Bad Schwartau gesperrt. Mit einem Fest wurde der Abschluss der Sanierung gefeiert

Drei Jahre lang war der beliebte Aussichtspunkt gesperrt. Mit einem kleinen Fest mit geladenen Gästen wurde der Abschluss der Sanierung gefeiert

So richtig daran geglaubt hat die Familie Knees nicht mehr. In der sechsten Generation bewirtschaften die Knees die Gaststätte Pariner Berg. Vor mehr als 100 Jahren haben sie Grund und Boden zur Verfügung gestellt, um einen Bismarckturm errichten zu lassen. Der 12,81 Meter hohe Turm mit Aussichtsplattform lockt seitdem viele Besucher an.
Doch aus Sicherheitsgründen wurde der Turm dann gesperrt. Viele Ausflügler mussten unverrichteter Dinge umkehren. Drei Jahre lang war der Turm nun nicht zugänglich. Nun wurde die Wiedereröffnung gefeiert.

Dank an die Familie Knees

Bereits vor ein paar Tagen wurde die Absperrung am aufwendig sanierten Turm weggenommen. „Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Menschen bereits da waren, um den Turm zu besichtigen. Man muss auch sagen, der Turm sieht wieder richtig toll aus“, sagt Torsten Knees, der bei der offiziellen Eröffnungsfeier gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern mit Blumen und warmen Worten bedacht wurde. „Sie haben die lange Schließung, die auch mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden war, mit Würde ertragen“, sagte Bad Schwartaus Stadtpräsidentin Wiebke Zweig und bedankte sich.

Gute Stimmung trotz Regen

Mit Würde und Anstand haben die Gäste der Eröffnungsveranstaltung auch die Witterungsbedingungen hingenommen. Bei leichtem Regen wurde die Feier wie geplant durchgezogen. Stimmungsvoll eröffnete das Lübecker Brass-Quartett unter Regenschirmen das kleine Fest mit etwa 70 geladenen Gästen – darunter viele Stadtvertreter, Mitarbeiter des Bauamtes, Vertreter des Bismarck-Stammtischs und anderen kulturellen Einrichtungen.
Von der Aussichtsplattform spielten die Musiker Stücke unter anderem von Samuel Scheidt. Und weil die Technik streikte, mussten die Redner ohne Mikrofon auskommen. Doch auch davon wollten sich die Anwesenden die Stimmung nicht vermiesen lassen. „Das bisschen Regen macht uns nichts. Genießen wir den Anblick“, sagte Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos). Architekt Torsten Ewers konnte der Witterung sogar etwas Gutes abgewinnen: „Bei dem nassen Granit sieht man die Färbung schöner.“

Und in der Tat sorgte der Anblick der sanierten Bismarcksäule für Begeisterung. „Die sieht schon klasse aus und macht was her“, stellte Holger Klindwort vom Förderverein des Museums fest. Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer und Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung: „Der Turm sieht schön aus. Das Schönste ist aber, dass die Bad Schwartauer Bürgergesellschaft dieses Vorhaben so unterstützt hat. In vielen anderen Orten wird darüber diskutiert, Bismarck-Denkmäler oder Säulen abzureißen.“ Aus heutiger Sicht müsse man die Person Bismarck schon durchaus kritisch betrachten. Er begrüße deshalb ausdrücklich, dass die Stadt Bad Schwartau auch noch eine entsprechende Info-Tafel anbringen werde.

Historikerin: Kritische Betrachtung notwendig

Historikerin Dr. Sonja Kinzler beleuchtete in einer kleinen Ansprache die geschichtlichen Hintergründe des Bismarck-Denkmals. „Bismarck als Vorbild passt heute nicht mehr zusammen. Wir sind liberaler und demokratischer geworden“, sagte Kinzler, die sich ebenfalls für einen kritischen und offenen Umgang mit Bismarck aussprach. Die Schwartauer seien bekanntermaßen große Anhänger Bismarcks gewesen. So sei 1893 eine Schwartauer Abordnung nach Friedrichsruh gereist, um Bismarck zu seinem 80. Geburtstag zu gratulieren. Die Errichtung der Säule auf dem Pariner Berg müsse man aber auch in dem Konsens sehen, dass Schwartau zu jener Zeit Kurort wurde und auch Orte der Naherholung schaffen wollte.

Kosten lagen bei mehr als 300 000 Euro

Die Kosten der Sanierung von mehr als 300 000 Euro wurden zu 70 Prozent aus dem „Investitionsprogramm Kulturelles Erbe“ des Landes Schleswig-Holsteins gefördert. Der Rest wurde aus Eigenmitteln finanziert. Katharina Graf, Projektingenieurin aus dem Bauamt, freute sich über den Abschluss der Sanierungsarbeiten: „Ein tolles Team aus Architekt und Handwerkern hat insbesondere in den letzten Monaten eine Meisterleistung vollbracht.“ Veraltetes Fugenmaterial wurde herausgelöst und neuer Trass-Kalk-Mörtel eingebracht. Pflastersteine und einzelne Granitstufen des Aufgangs wurden erneuert. Der Turm hat neue Abdeckungen aus Blech erhalten und wurde rundum sandgestrahlt.

Blick nach Lübeck und bis zur Ostsee

Jetzt steht er all jenen offen, die den Ausblick über das schöne Ostholstein genießen wollen. Mit den Lübecker Türmen auf der einen Seite und – wenn man sich ganz hoch auf die Zehenspitzen stellt – der Ostsee auf der anderen

Knapp 13 Meter hoch ist die Bismarcksäule auf dem Pariner Berg. Von der Aussichtsplattform aus bietetsich – bei schönem Wetter – ein toller Rundumblick.. Foto: Sebastian Prey/ LN

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