Nostalgie pur in Eutin: Plakate aus 70 Jahren Autowerbung

Im Ostholstein-Museum geht es Schlag auf Schlag. Am Freitag eröffnet das Eutiner Ausstellungshaus das dritte Kunstevent innerhalb von einer Woche: Unter dem Titel „Der Deutschen liebstes Kind …“ sind im Dachgeschoss und Treppenhaus 55 Plakate aus 70 Jahren Autowerbung zu sehen. Diese Zeitdokumente spiegeln das sich stetig verändernde Grafikdesign, aber auch den Wandel in der Gesellschaft wider. Dabei dürften die Plakate Kunst- und Automobil-Liebhaber gleichermaßen ansprechen.

Aus der Sammlung des Kieler Stadtmuseums

Die Auswahl stammt aus der umfangreichen Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums. Über 5000 historische Poster finden sich in den Beständen, darunter zahlreiche kommerzielle Werbeplakate, die Einblicke in die konsumgesellschaftlichen Entwicklungen verschiedener Epochen geben. „Unsere Exponate belegen, dass die Autoindustrie nicht nur mit einem der größten Werbebudgets aller Branchen ausgestattet war, sondern es auch einzusetzen wusste“, erläutert Museumsleiterin Dr. Julia Hümme.

Plakate als Dokumente ihrer Zeit

In der Wirtschaftswunderzeit der 50er-Jahre wurde noch viel mit Zeichnungen und Grafiken gearbeitet. „Die Plakate präsentierten das Auto als ein ,must have’ in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs“, so Julia Hümme. Damals galt der Käfer als beliebtester Wagen. Auch längst verschwundene Marken hatten ihre Daseinsberechtigung – vom DKW bis zum Borgward. In den 70ern und frühen 80ern legte die Werbung dann einen besonderen Fokus auf die vermeintliche Umweltverträglichkeit und Nutzbarkeit des jeweiligen Pkw.

Werbung verändert sich mit der Gesellschaft

„Mit der Ölkrise wurden die Autos kleiner und leichter – wie beispielsweise die Ente. In den späten 80er- und 90er-Jahren setzten die Autohersteller dann vor allem auf Sportlichkeit und Luxus“, erklärt Julia Hümme. Viel Text ist auf den Plakaten nicht zu finden. „Ein einprägsamer Slogan verbunden mit einem Foto – so haben die Plakat funktioniert.“ Dass auf vielen Werbepostern Frauen abgebildet sind, hängt sicherlich mit der angesprochenen Zielgruppe zusammen. Bei Raumwunder-Fahrzeugen stand PR mit Familien und Praktikabilität im Vordergrund. Was früher als frech bewertet wurde, sehen manche heute als sexistisch an. Mit dem Wertebild der Gesellschaft hat sich auch die Werbung verändert. Die Ausstellung im Ostholstein-Museum am Schlossplatz 1 läuft bis zum 7. November. Geöffnet ist zurzeit dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Nähere Infos auf www.oh-museum.de.

Volker Graap

Die Eutiner Museumsleiterin Dr. Julia Hümme bewundert das Flaggschiff von Opel: den „Kapitän“ von 1960. (Foto: Graap)

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