Gefahr in Verzug für Radfahrer: Tempo 30 im Marius-Böger-Weg in Kasseedorf?

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) häufen sich die Beschwerden über den Zustand des Marius-Böger-Weges: Die Verbindungsstraße zwischen Kasseedorf und der Landesstraße 57 hat nicht nur eine geringe Breite, sondern auch eine ausgefranste Bankette. „Für Radfahrer, die Lkw, Pkw und landwirtschaftlichen Fahrzeugen ausweichen wollen, besteht durch die hohen Kanten am Fahrbahnrand eine unmittelbare Sturzgefahr mit möglichen katastrophalen Folgen“, warnt der Sprecher der ADFC-Kreisgruppe Ostholstein, Jens Rose-Zeuner. Erst vergangene Woche sei hier ein 49-jähriger Radler gestürzt und habe sich die Schulter ausgekugelt.

„Es müssen unmittelbar Maßnahmen ergriffen werden“

Gemeinsam mit Anwohnern und betroffenen Radfahrern aus Eutin, Stendorf, Kasseedorf und Schönwalde sowie Beamten der Polizeistation Schönwalde machte Rose-Zeuner am Mittwoch vor Ort auf die akute Gefahr aufmerksam und rief die zuständigen Kommunen Eutin und Kasseedorf zum umgehenden Handeln auf. Aber nicht nur die unberechenbaren Kanten am Straßenrand sind gefährlich. „Wenn schnellfahrende Kraftfahrzeuge auf die Bankette ausweichen, wirbeln sie Steine auf, die mit hoher Wucht auf die ungeschützten Radfahrer treffen können. Es ist Gefahr im Verzug. Zur Gefahrenabwehr müssen unmittelbar Maßnahmen ergriffen werden. Nach Auskunft der Straßenverkehrsbehörde des Kreises steht es den zuständigen Gemeinden frei, wegen der Gefahrenlage temporär Tempo 30 auszuweisen, bis ein sicherer Zustand hergestellt ist“, sagt Rose-Zeuner.

Im nächsten Schritt bauliche Lösungen umsetzen

Ohnehin ist die Ausschilderung im Marius-Böger-Weg recht unübersichtlich und reicht von Tempo 100 über eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer bis hin zu Tempo 30 in der Nähe des Asphaltmischwerkes in Stendorf, das Quelle des zunehmenden Aufkommens von Schwerlastverkehr auf dieser Gemeindestraße ist. „Ein Tempolimit würde das Geschwindigkeitsniveau auf jeden Fall sinken lassen und weniger zum Überholen verleiten – mit dem E-Bike sind die Radfahrer heute nicht mehr viel langsamer“, meint Verkehrsexperte Professor Heiner Monheim. Der Stendorfer Neubürger spricht sich ebenfalls für Tempo 30 auf der gesamten Strecke aus. „Die Kommunen haben zusätzlich die Möglichkeit, Warnschilder aufzustellen und auf der Fahrbahn Pikogramm aufzubringen. Die Gefahrenpunkte am Straßenrand müssen im nächsten Schritt baulich etwa mit Betonformsteinen gelöst werden“, sagt Monheim.

Radwanderweg ist auch für Touristen eine Gefahr

Jens Rose-Zeuner fordert, alles zu unternehmen, um die gefährlichen Ausweichmanöver abzustellen. Denn nicht nur ortskundige Radfahrer, die vielleicht um die Gefahr wissen, würden die Straße nutzen. „Der Marius-Böger-Weg ist auch als touristischer Radwanderweg ausgewiesen und wird von allen Tourismuszentralen regional und überregional beworben. Unter den gegebenen Verhältnissen ist dies nicht mehr haltbar, denn unsere Gäste, die oft auch in Gruppen unterwegs sind, wissen noch weniger, was sie hier erwartet.“ Er fordert, die Radweg-Schilder abzuhängen, bis ausreichende Sicherheit hergestellt ist.

Pendler und Schüler sind auf diesen Weg angewiesen

Einen Radweg an der L 57 gibt es übrigens nur bis zur Einmündung in den Marius-Böger-Weg. Durch die Kasseedorfer Tannen führt kein Radweg mehr. Auf der schon für Autofahrer gefährlichen Strecke die Landesstraße zu nutzen, empfiehlt sich für Radfahrer keinesfalls. Sie sind auf den Umweg über Stendorf angewiesen. Angesichts der fehlenden Radwegeverbindung für Pendler und Schüler zwischen Eutin und Schwönwalde besitzt der Marius-Böger-Weg daher eine zentrale Bedeutung für den Radverkehr.

Gemeinde: „Kreis hat generelles Tempo 30 abgelehnt“

Gegenüber dem Wochenspiegel betont die Kasseedorfer Bürgermeisterin Regina Voß, dass sich die Gemeinde schon oft mit dem Thema beschäftigt habe. „Die Gemeinde hat mit dem Kreis und der Stadt Eutin über ein generelles Tempo 30 gesprochen. Dieses wurde vom Kreis abgelehnt. Wir haben auch mit dem Grundstückseigentümern geredet, ob wir dort eine ,Art‘ Radweg hinbekommen. Aber dies würde der Gemeinde sehr viel Geld kosten“, berichtet Voß und ergänzt: „Ich sehe die Verkehrssicherheit auf der Straße auch, finde aber keine kurzfristige Lösung, wenn der Kreis Tempo 30 nicht genehmigt.“

Der Wille für Veränderung scheint vorhanden

Die Gemeinde habe sich immer für einen Radwegeschluss an der L 57 eingesetzt, „aber dafür haben wir weder die Unterstützung des Kreistages noch des Landes bekommen“. Der Wille, die Situation zu verbessern, ist offenbar vorhanden. Für eine konstruktive Lösung kommen Gemeinde und die Verkehrsexperten vom ADFC vielleicht schnell ins Gespräch.

Volker Graap

Beim Pressetermin haben Hauptkommissar Andreas Schulenburg, Anwohner Heiner Monheim und ADFC-Sprecher Jens Rose-Zeuner (v.l.) auf die Gefahrenstellen am Straßenrand hingewiesen. (Foto: Graap)

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.