Premiere für „La Bohème“: Puccinis „perfekte Oper“ kommt auf die Eutiner Freilichtbühne

Ganz Paris träumt von der Liebe: Das war schon zu Zeiten Giacomo Puccinis so. Über dieses Lebensgefühl hat der Komponist vor 125 Jahren mit „La Bohème“ eine der erfolgreichsten Opern der Welt geschrieben. Am Freitag, 30. Juli, feiert das Stück bei den Eutiner Festspielen Premiere.

„Jedes Auge muss weinen, jedes Herz wird weich“

Es ist erst das zweite Mal nach 1971, dass diese Oper in Eutin auf dem Spielplan steht. Selbst den musikalischen Leiter Hilary Griffiths wundert das ein bisschen: „Es ist die perfekte Oper, musikalisch sehr anspruchsvoll, gleichzeitig fürs Publikum melodisch sehr eingängig. Jedes Auge muss weinen, jedes Herz wird weich. Selbst beim Dirigieren kommen mir bei zwei Takten immer die Tränen“, erzählt der Chef am Dirigentenpult. Er studiert das Stück mit den Musikern der Kammerphilharmonie Lübeck ein.

Regisseur setzt auf die Kraft der Fantasie

Für die Spielleitung zeichnet Igor Folwill verantwortlich, der erstmals auf der Eutiner Freilichtbühne als Regisseur in Erscheinung tritt und sich mächtig freut, „Steuermann sein zu dürfen auf dem großartigen Schiff Eutiner Festspiele“. Folwill setzt bei seiner Inszenierung ganz auf die Kraft der Fantasie der Zuschauer. Denn das pittoreske Bohème-Paris sei auf der in Natur eingebetteten Seebühne nicht herzustellen, „deshalb ist vor allem Imagination gefordert“, sagt Folwill und betont: „Aber für den Zirkus des Lebens, das Erleben von Freud und Leid, Liebe und Tod, die Grundsituation der Bohème, zeigen wir stimmige Bilder. Keine Abbilder, sondern Sinnbilder!“ Authentizität verspricht die Aufführung in italienischer Sprache.

Lovestory spielt um 1850 in der Pariser Künstlerszene

Die Opern-Lovestory spielt um 1850 in der Pariser Künstlerszene. Als Maler, Musiker, Philosoph und Poet tun sich vier Freunde schwer mit dem Geldverdienen. Viel leichter fällt es ihnen, die Freuden des Lebens zu suchen und zu genießen. So entflammt der arme Dichter Rodolfo auf der Stelle für seine reizende Nachbarin Mimi, als die eines Abends an seine Tür klopft. Sie erwidert spontan seine Gefühle. Und voilà: Im Freundeskreis wird das Liebesglück gefeiert. Doch das Hochgefühl ist nicht von Dauer. Je näher sie sich kommen, desto bedrohlicher erscheint beiden ihr Glück. Denn Mimi ist sterbenskrank, und Rodolfo hat als Hungerkünstler nicht die Mittel, ihr zu helfen … Auf das Publikum wartet eine der ergreifendsten Finalszenen der Operngeschichte.

„Die Mimi passt perfekt zu meiner Stimme“

Eine tragende Rolle im elfköpfigen Ensemble auf der Bühne hat Alyona Rostovskaya. Die russische Sopranistin übernimmt den Part der Mimi und empfindet dies als sehr reizvolle Aufgabe. „Es ist ein Vergnügen, die Mimi zu singen. Sie passt perfekt zu meiner Stimme“, sagt die zuletzt am Volkstheater Rostock engagierte Künstlerin. 2019 hatte sie am Opernstudio in Moskau ihr Rollendebüt als Mimi, einer sehr durchsetzungsfähigen jungen Frau, die offen und ehrlich mit ihren Gefühlen umgeht.

Oper ist insgesamt achtmal in Eutin zu sehen

In den weiteren Rollen sind Tenor Aleksander Nesterenko als Rodolfo, Bariton Miljenko Turks als Maler Marcello, Bariton Manos Kia als Musiker Schaunard, Bassist Sargis Bazhbeuk-Melikyan als Philosoph Colline, Sopranistin Ines Lex als Freudenmädchen Musetta sowie Mario Klein, Tilman Madaus, Jessica Falceri, Alexander Wilbert und Arvid Johansson zu erleben. Nach der Premiere am 30. Juli ist die herzergreifende Oper bis zum 21. August insgesamt noch siebenmal auf der Freilichtbühne im Eutiner Schlossgarten zu sehen.

Infos zum Kartenvorverkauf
Interessierte können Tickets für eine oder mehrere Vorstellungen ihrer Wahl direkt online im Ticketshop auf www.eutiner-festspiele.de, über die Ticket-Hotline 04521 80010 oder bei einer Vorverkaufsstelle – wie etwa der Tourist-Info Eutin am Markt 19 – kaufen. Neben der Oper „La Bohème“ zeigen die Festspiele als Eigenproduktion noch das Musical „Cabaret“ sowie das Klassik-Jazz-Event „In the Mood“ und das „Freischütz-Jubilee“-Konzert. Als Gastspiele sind geplant die Mitmach-Konzerte „Eutin singt“, Max Raabe und das Palast Orchester sowie Jan Josef Liefers Band Radio Doria.

Vorab gibt es einen Vortrag zur Oper „La Bohème“

„Stirb, Diva – damit die Oper lebe!“ – unter diesem Titel hält der Berliner Publizist Matthias Gerschwitz am Dienstag, 27. Juli, einen Vortrag zur Puccini-Oper „La Bohème“ in der Opernscheune der Eutiner Festspiele. Im Mittelpunkt stehen dabei die literarische Vorgeschichte und die Hauptthemen dieses Meisterwerks. Gerschwitz verfasst seit Jahren kenntnisreich und sprachlich glänzend Texte für die Programmhefte der Festspiele. Beginn ist um 17.30 Uhr auf der Studiobühne. Anmeldungen mit Angabe der Kontaktdaten sind per E-Mail an ticket@eutiner-festspiele.de oder telefonisch unter 04521 80010 erwünscht.

Volker Graap

Die russische Sopranistin Alyona Rostovskaya hat eine Hauptrolle in der berühmten Oper von Giacomo Puccini übernommen. (Foto: Anastasia Kapitanova)

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