Vielfältige Probleme: Tim Brockmann im Austausch mit dem Ostholsteiner Handwerk

Kürzlich traf sich der CDU-Landtagsabgeordnete Tim Brockmann mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön zum Gedankenaustausch. Kreishandwerksmeister Ulrich Mietschke, die Obermeisterin der Friseur-Innung, Kirstin Voß, sowie weitere Obermeister und Vorstandsmitglieder verschiedener Innungen unterhielten sich mit dem Politiker in Eutin über die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie sowie weiterer aktueller Themen, mit denen die Betriebe des Handwerks konfrontiert sind.

Schwierigkeiten mit Baumaterial-Bezug

Die Unternehmensvertreter aus dem Metall-, Elektro-, Sanitär- und Tischlerhandwerk berichteten von erheblichen Schwierigkeiten beim Bezug von Baumaterial. So können Aufträge bei Kunden derzeit vielfach nicht aus- oder fortgeführt werden, weil vor Wochen oder gar Monaten bestellte Baustoffe nicht geliefert werden können. Darüber hinaus sind die Preise in den vergangenen Monaten erheblich gestiegen, da Holz oder andere Bau-Rohstoffe in den USA oder China erheblich nachgefragt werden.

Ausbildungsplätze sind nicht leicht zu besetzen

In Sachen aktuelle Ausbildungssituation berichteten die Obermeister unisono, dass es immer schwerer wird, die angebotenen Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben zu besetzen. Vielfach erhalten die Unternehmen keine oder nur sehr wenige Bewerbungen auf die angebotenen Lehrstellen. Zudem müssen die Handwerksunternehmer immer häufiger feststellen, dass einem nicht unerheblichen Teil der Bewerber die grundlegende Ausbildungsreife fehlt. Dies konnte der Leiter der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Baugewerbe-Innung Ostholstein, Henrik Johannsen, aus praktischer Erfahrung bestätigen. Er bedauerte, dass die Leistungsqualität vieler Auszubildender in den Berufen Zimmerer, Maurer, Fliesenleger sowie Straßenbauer in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen hat.

Politik muss berufliche Bildung stärker fördern

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister und Obermeister der Metall-Innung Holstein Nord, Thoralf Volkens, appellierte in diesem Zusammenhang an die politisch Verantwortlichen in Schleswig-Holstein, nicht nur das Abitur und ein anschließendes Studium als bildungspolitisches Ziel für junge Menschen im Auge zu haben, sondern ebenso andere Schularten und die berufliche Bildung zu fördern. Das Handwerk bietet hochmoderne Ausbildungsgänge für junge Frauen und Männer aller Schularten an, es fehlt jedoch an ausreichender Unterstützung aus der Landespolitik, kritisierte Volkens. „Viele Schulabgänger, Eltern, Lehrer und Bildungspolitiker wissen gar nicht, was das Handwerk von heute ausmacht.“

 So ist dem Fachkräftemangel nicht zu begegnen

Volker Blunck, Obermeister der Sanitär-Innung für den Kreis Plön, ergänzte, dass inzwischen 75 Prozent der Gemeinschaftsschüler nach dem ersten Schulabschluss einen weiterführenden schulischen Bildungsgang absolvieren, anstatt eine betriebliche Berufsausbildung zu beginnen. So wird es in absehbarer Zeit nicht möglich sein, dem Fachkräftemangel in Deutschland effektiv zu begegnen, zeigte sich Volker Blunck überzeugt.

Fortbestand der Fachklassen ist gefährdet

Friseur-Obermeisterin Kirstin Voß wies auf die drohenden Folgen der geringen Ausbildungszahlen hin. Zu wenige Nachwuchskräfte gefährden den Fortbestand der regionalen Fachklassen an den Beruflichen Schulen und damit mittelfristig den gesamten Standort einer Berufsschule. So kämpft das Friseurhandwerk bereits seit geraumer Zeit mit einer zu geringen Auslastung der Fachklasse an der Beruflichen Schule in Oldenburg. Fehlende Berufsschulklassen in der Region würden voraussichtlich dazu führen, dass noch mehr vor der Berufswahl stehende junge Menschen von einer Zukunft im Handwerk Abstand nehmen oder den Kreisen Ostholstein und Plön den Rücken kehren, um ihr berufliches Glück in einem städtischen Zentrum zu suchen.

Mehr Wert auf klassische Unterrichtsinhalte legen

Tim Brockmann versicherte, dass es der Landesregierung bewusst sei, dass nicht jeder junge Mensch für das Abitur und ein Studium geeignet sei. Deshalb unterstütze man der Forderung des Handwerks, die Gemeinschaftsschulen sowie die duale Berufsausbildung intensiver zu fördern und als lohnenswerte Zukunftsperspektiven herauszustellen. Er will sich dafür einsetzen, dass in den allgemeinbildenden Schulen wieder mehr Wert auf die Vermittlung klassischer Unterrichtsinhalte wie Rechtschreibung und Prozentrechnung gelegt wird, um entsprechende Defizite in einer anschließenden Berufsausbildung im Betrieb und der Berufsschule zu reduzieren.

Pressemitteilung Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön

Kürzlich trafen sich Innungsvertreter der Handwerkerschaft zum Gedankenaustausch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Tim Brockmann in Eutin. (Foto: hfr)

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