Eutiner Festspiele starten mit dem Erfolgsmusical „Cabaret“ in die 70. Spielzeit

„Willkommen, bienvenue, welcome!“ – schöner als mit der berühmten Erkennungsmelodie des Musicals „Cabaret“ kann man die Rückkehr der Eutiner Festspiele aus der Corona-Zwangspause nicht begrüßen. Und mit genau diesem Stück von Erfolgskomponist John Kander („New York, New York“) eröffnen die Festspiele am Freitag, 2. Juli, ihre 70. Saison.

Inszenierung mit Klassik und Klasse und etwas Humor

Das 1966 uraufgeführte, vielfach ausgezeichnete und 1972 mit Liza Minnelli zum Teil in Eutin verfilmte Musical wird von einem dreiköpfigen Team in Rekordzeit auf die Freilichtbühne gebracht. Zwischen Regisseur Tobias Materna, dem Musikalischen Leiter Christoph Bönecker und Vanni Viscusi, zuständig für Choreografie und Co-Regie, stimmt die Chemie. Das Trio funkt bei der Inszenierung auf einer Wellenlänge. „Wir haben schnell eine gemeinsame Sprache gefunden“, sagt Materna und verspricht dem Publikum: „So haben Sie ,Cabaret‘ noch nicht gesehen! Wir inszenieren das Stück mit Klassik und Klasse und einem bisschen Humor – nicht zu ehrlich, denn Life is a Cabaret“, zitiert Materna aus dem Titelsong.

Sänger und Tänzer wollen endlich wieder spielen

Auch im Ensemble herrscht beste Stimmung, denn dank täglicher Corona-Testungen haben alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen ein echtes Gefühl der Sicherheit. „Wir haben einen super Cast, die Sänger und Tänzer sind so ,excited‘. Sie kommen jeden Tag mit Freude zu den Proben, weil sie endlich wieder spielen wollen“, sagt Vanni Viscusi. Begeistert ist er von Hauptdarstellerin Jasmin Eberl: „Die Rolle der Sally Bowles ist wie für sie geschrieben! Diese Rolle wird sie noch öfter im Leben spielen.“ Und mit Oliver Urbanski als Conférencier haben die Festspiele den Mann gewinnen können, der diesen Part bereits erfolgreich im Berliner Tipi zum Besten gab.

Die Freilichtbühne wird zur Zirkusarena

In den ersten heißen Juni-Wochen feierten die Akteure Tag für Tag Silvester, denn das Stück spielt zur Jahreswende 1929/30 im Berlin der zu Ende gehenden Weimarer Republik. Im Kit-Kat-Club erleben die Zuschauer den Tanz auf dem Vulkan, der Nationalsozialismus wirft bereits seine Schatten voraus. „Wir bringen den kleinen, verruchten Club im Art-déco-Stil auf die große Seebühne und machen sie zur Zirkusarena“, erläutert Regisseur Materna. „Wir haben eine Manege, und drumherum platzieren wir Tische und Stühle und auch unsere kleine zehnköpfige Band. Hier verschwimmen dann Show und Realität.“ Der Orchestergraben bleibt leer, wird aber hier und da als Kulisse eingesetzt.

Themen, die heute noch aktuell sind

Bei diesem Festspiel-Musical gehen Bildungsauftrag und Unterhaltung Hand in Hand, betont Materna. „Das Stück beinhaltet ernste Themen und private Auseinandersetzungen, die exemplarisch für gesellschaftliche Probleme stehen, die auch heute noch aktuell sind. Wir weisen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf sie hin, sondern mit den Mitteln des Musiktheaters. Die Show kommt nicht zu kurz.“

Die Story von Sally und Clifford
„Cabaret“ ist eine Liebesgeschichte aus den späten „Goldenen Zwanzigern“: US-Schriftsteller Clifford Bradshaw sucht in Berlin Inspirationen für ein neues Buch. Ein Reisegefährte schickt ihn in den Kit-Kat-Club, wo er die Sängerin Sally Bowles kennenlernt. Beide werden ein Paar, sie wohnen zusammen in der Pension von Fräulein Schneider. Auf die hat der Obstverkäufer Herr Schultz ein Auge geworfen, doch dessen Hoffnungen platzen: Fräulein Schneider wird gewarnt, einen Juden zu heiraten. Und auch für Sally und Clifford scheint nicht mehr lange die Sonne: Als sie schwanger wird, will sie ihre Cabaret-Karriere nicht aufgeben. Er hingegen sieht die Gefahr einer gewaltsam werdenden Juden- und Fremdenfeindlichkeit in der heraufziehenden Nazi- Diktatur …

In den Hauptrollen sind Jasmin Eberl als Sally Bowles und Julian Culemann als Clifford Bradshaw zu sehen. (Foto: C. Landerer)

Jetzt geht es um die Feinarbeit

Nach drei Wochen Probenarbeit sind die Szenen gestellt, die Darsteller wissen, was zu tun ist. „Jetzt folgt die Feinarbeit, die wichtig ist, um das Stück zum Glänzen, zur Perfektion zu bringen“, betont der Regisseur. In den vergangenen Tagen hat zudem Christoph Bönecker die Proben mit den Musikern der Kammerphilharmonie Lübeck aufgenommen. Schlagzeug, Saxophon, Holzbläser, Gitarren oder Tubas sind zu hören. Bönecker selbst sitzt auch auf der Bühne am Klavier. Am Donnerstag haben Band und Darsteller dann erstmals zusammen geprobt.

Bitte um Geduld beim Kartenkauf

Festspiel-Geschäftsführer Falk Herzog bittet alle Besucher um Verständnis und Geduld, wenn der Kartenvorverkauf noch nicht ganz rund läuft. „Wir müssen in vier Wochen abwickeln, was sonst über neun Monate läuft.“ Außerdem könnten wegen der Corona-bedingten Begrenzung der Tribünenkapazität auch Stammgäste nicht immer ihre gewohnten Sitzplätze bekommen. Über 15 000 Tickets seien bereits abgesetzt, „aber ausverkauft sind die meisten Vorstellungen noch nicht“, teilt Falk Herzog mit. Insgesamt stehen bis zum 22. August 14 Aufführungen auf dem Programm. Karten können online auf www.eutiner-festspiele.de oder Telefon 04521 80010 (Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr) gebucht werden. Persönlich sind Tickets bei der Tourist-Info Eutin am Markt 19 erhältlich.

Volker Graap

Das passt perfekt: Als Team verstehen sich Regisseur Tobias Materna, der Musikalische Leiter Christoph Bönecker und Choreograf Vanni Viscusi (von links) fast blind. Die Freilichtbühne wird unter ihren Instruktionen zur Zirkusmanege. (Foto: Graap)

 

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