Eutiner Bauausschuss diskutiert über Brauhaus-Schirme und sichere Stege

Zwei Themen werden den Bauausschuss der Stadt Eutin wohl auch in den nächsten Sitzungen noch beschäftigen. Über die Gestaltung der Außengastronomie des Brauhauses und die Verkehrssicherheit der Steganlagen rund um die Stadtbucht wurden bei den Beratungen am 9. Juni jedenfalls noch keine Entscheidungen gefällt.

100.000 Euro schwere Investition steht auf dem Spiel

Die Brauhaus-Wirte Martina und Marcus Gutzeit hatten die Stadt gebeten, zu prüfen, ob die Pläne zur Neugestaltung des Marktplatzes vor ihrem Restaurant verändert werden können. Vor dem Hintergrund der Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme haben sich die Unternehmer entschieden, ihre Außengastronomie neu aufzustellen. „Über ein Förderprogramm hatten wir die Chance, die Möblierung unserer Außenterrasse zum großen Teil fördern zu lassen. Allerdings mussten wir uns kurzfristig bis zum 30. April entscheiden und sind das Risiko eingegangen“, erläuterte Marcus Gutzeit. Es geht um eine Investition in Höhe von 100.000 Euro. Im Fokus stehen sechs große, festinstallierte Allwetterschirme mit Regenrinnen. Unter diesen könnten die Gäste auch bei Regenwetter im Trockenen sitzen, die Außensaison könnte ausgedehnt werden.

Zwei Bäume und eine Lampe würden im Weg stehen

Der Aufbau funktioniert jedoch nur, wenn die Stadt auf zwei vor dem Haus geplante Bäume und eine Lampe verzichtet. Und das wird von den Fraktionen sehr unterschiedlich beurteilt. Während FDP und FWE das Engagement der Brauhaus-Betreiber lobten und dazu aufforderten, den Unternehmern keine Steine in den Weg zu legen, übten andere Fraktionen Kritik. Marcel Kriwet (CDU) sah den Ausschuss vor vollendete Tatsachen gestellt, da die Schirme bereits bestellt seien. Monika Obieray (Grüne) sah die Gefahr, dass man bei Zustimmung auch allen anderen Gastronomen am Markt so etwas genehmigen müsse – und es dann gar keine Bäume mehr dort gäbe. Nach einer Sitzungsunterbrechung einigten sich die Kommunalpolitiker schließlich darauf, kurzfristig eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zu gründen, in der bis Herbst eine Lösung herbeigeführt werden soll.

Lösung: Badeverbot statt Geländer?

Mit der Verkehrssicherungspflicht an den Steganlagen entlang der Stadtbucht und im Seepark beschäftigt sich der Bauausschuss seit September. Hintergrund ist die deutsche Rechtsprechung. Gerichte haben in den vergangenen Jahren an die Sicherung von (Bade-)Stegen an flachen Gewässern hohe Anforderungen gestellt. Kommunen wurden nach Unfällen zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Um dies im Fall der Fälle in Eutin zu verhindern, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Das hat nun auch der Sachverständige Professor Carsten Sonnenberg aus Braunschweig in einem Gutachten festgestellt. „In der Rechtsprechung geht der Aspekt der Eigenverantwortlichkeit immer weiter zurück. Der Trend geht hin zur Mitleidsrechtsprechung“, so der Experte. Wenn junge Leute etwa einen Kopfsprung ins flache Wasser machen, kann der Kommune schnell eine Mitschuld am Unfall angelastet werden.

Gespräche mit der Unteren Wasserbehörde

Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass das Anbringen von Geländern auf den drei Stegen im Seepark dann verhindert werden kann, wenn der Kreis hier an der Stadtbucht ein generelles Badeverbot erlässt. Dazu sind noch weitere Gespräche mit der Unteren Wasserbehörde erforderlich, die bisher für diesen Schritt noch keine Notwendigkeit sieht. In diesem Fall würde es ausreichen, mit Hinweisschildern und Piktogrammen, die für Kinder und Jugendliche verständlich sind, auf das Verbot hinzuweisen.

„Wollen Sicherheit möglichst minimalinvasiv hinkriegen“

Sonnenberg geht davon aus, dass die Holzbohlen, die um die Seepromenade herum laufen, nicht extra gesichert werden müssen. Eine Beschilderung reiche aus. Ganz anders die Lage am Seerosengarten: Der verschachtelte Steg lade auch Kinder zum Spielen ein und müsse mit Geländer oder Netzen abgesichert werden, damit die Kommune im Rechtsfall auf der sicheren Seite ist. Jetzt warten die Stadtvertreter zunächst die Gespräche mit dem Kreis ab. „Ziel ist es, eine hinreichende Sicherheit möglichst minimalinvasiv hinzukriegen“, so Bürgermeister Carsten Behnk.

Volker Graap

Der Seerosengarten-Steg an der Stadtbucht muss laut Gutachter auf jeden Fall in irgendeiner Form besser abgesichert werden.
Der Außenbereich vor dem Brauhaus am Marktplatz soll dauerhaft mit neuen Allwetterschirmen überspannt werden, hoffen die Gutzeits als Brauhaus-Betreiber. (Fotos: Graap)

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