Lübecker Frauenhaus am Limit

Trotz des Anstiegs von Gewalt gegen Frauen und Kinder fehlt es an ausreichenden Plätzen und Finanzierung für Frauenhäuser.

Nach Offenem Brief und Demonstration in Kiel und Lübeck Lösung zwischen Land und Stadt absehbar

Trotz des Anstiegs von Gewalt gegen Frauen und Kinder fehlt es an ausreichenden Plätzen. Außerdem sorgen sich die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser in Schleswig-Holstein um die ausreichende Finanzierung der 16 Einrichtungen im Land. Mit Demonstrationen in Lübeck und in Kiel machten sie auf die verschärfte Situation aufmerksam.

In einem Offenen Brief an Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack wies Anke Kock vom Lübecker Frauenhaus auf das schwierige Ringen mit der Gleichstellungsministerin um eine auskömmliche Finanzierung hin. Dem Frauenhaus Lübeck fehlen 39 000 Euro an Mietkostenzuschüssen.
Bei dem dargelegten Lösungsangebot der Ministerin sei der finanzielle Bedarf einfach an das Budget angepasst worden und nicht umgekehrt. Das machen Anke Kock und die weiteren Vertreterinnen der Frauenhäuser im Land deutlich. „Eine liberale Politik für von Gewalt betroffene und bedrohte Frauen heißt hierzulande, dass jede Frau im Frauenhaus natürlich in ein ‚Sozialfallkorsett mit Bettelfaktor‘ gezwängt wird. Der feministische Ansatz der Grünen verblasst in Gänze und die Politik ignoriert die Bedarfe. Mit diesen Leitsätzen sehen wir der Landtagswahl 2022 besorgt entgegen. Wie einst und immer, wie eh und je haben wir es mit einer Politik gegen arme und bedrohte Frauen in Schleswig-Holstein zu tun“, so Anke Kock.

Mehr Geld für Frauenhäuser

Nach der Entscheidung des Landes soll künftig den Frauenberatungsstellen mehr Geld zur Verfügung stehen, nachdem in der Vergangenheit die Frauenhäuser besser gestellt waren. Für Anke Kock ist dies ein ganz falscher Ansatz. „Die betroffenen Frauen können nicht die vom Mann ausgehende Gewalt in einer Beratungsstelle aufarbeiten, um sich zu schützen“, weiß sie aus ihrer 41 Jahre langen Erfahrung im Bereich ihrer Arbeit mit von Gewalt bedrohten Frauen und Kindern. „Jeder Mann ist für sein Tun verantwortlich“, unterstreicht sie. Im gesamtgesellschaftlichen Denken bestehe eine entsetzliche Schieflage. Deshalb hält sie schärfe Sanktionen mit Angeboten für gewalttätige Männer durch ausgebildete männliche Berater und Therapeuten für angesagt. „Wir müssen beharrlich sein“, sagt sie, damit eine auskömmliche Daseinsvorsorge der Frauen gewährleistet wird.

Indes gibt es Neuigkeiten über das Lübecker Finanzierungsproblem. Nach einem Gespräch zwischen der Gleichstellungsministerin und Bürgermeister Jan Lindenau wird das Land weitere fehlende Plätze für das Lübecker Frauenhaus finanzieren und die Stadt wird durch den fehlenden Mietzuschuss belastet. Monika Poppe-Albrecht

Demo und Mahnwache in Kiel. Die Vertreterinnen der Frauenhäuser des Landes machen vor dem Kieler Landtag auf die finanzielle Schieflage aufmerksam. Foto: hfr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.