Schulbau in Eutin erfordert Interimslösung: Containerdorf für Wisser-Schüler

Was machen eigentlich die Schulneubauten in Eutin? In der Sitzung des Bauausschusses wurde am Mittwoch der aktuelle Planungsstand für die mit Abstand umfangreichsten und kostspieligsten Bauvorhaben in der Kreisstadt vorgestellt. Danach könnte der Neubau der Grundschule am Kleinen See im August 2024 abgeschlossen sein. Die Sanierung und Erweiterung der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule würde sich bis in Februar 2025 hinziehen.

Auch Wisser-Seitenflügel soll abgerissen werden

Markus Kaupert, Geschäftsführer des Büros „ppp architekten + stadtplaner“ aus Lübeck, präsentierte ein Konzept, das bautechnisch wie wirtschaftlich deutliche Vorteile gegenüber der bisher diskutierten Studien-Variante mit sich bringt. Danach soll das denkmalgeschützte Hauptgebäude separat saniert und künftig vor allem für die Verwaltung genutzt werden. Klassenräume werden konsequent in die Neubauten verlegt, die sich um den historischen Altbau gruppieren. Dafür empfiehlt der Architekt, auch den bisher als Sanierungsfall eingestuften Seitenflügel komplett abzureißen. „Das ist ,vermintes Gelände‘. Bei einer Sanierung könnte der Brandschutz nur sehr aufwendig hergestellt werden, ebenso eine Lüftungsanlage“, so Kaupert. Auch das Trinkwasser-Leitungsnetz müsste komplett erneuert werden. Letztlich würde ein Neubau günstiger werden.

Mehr Nutzfläche auf weniger Grundfläche

Sein Büro hat die Neubauten kompakter als noch in der Studie dargestellt geplant. So wird weniger Grundfläche gebraucht und die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken können besser eingehalten werden. Zugleich steht aber auch mehr Nutzfläche zur Verfügung, sodass das Raumprogramm problemlos erfüllt werden kann. Die Gebäude sind so geplant, dass Jahrgangscluster entstehen – also alle Klassen einer Stufe in einem Gebäude untergebracht werden können. Die Klassenzimmer werden annähernd quadratisch gebaut, sodass sie für alle modernen Unterrichtsformen optimal nutzbar sind. Integriert werden eine Zwei-Feld-Sporthalle sowie im Zentrum der Schule Mensa und Räume fürs Ganztagsangebot.

Arbeiten sollten in einem Rutsch ausgeführt werden

Darüber hinaus legt der Architekt den Stadtvertretern dringend ans Herz, die Bauarbeiten „in einem Rutsch“ durchzuführen anstatt in zwei Bauabschnitten. Dann könnte die Schule in 30 statt 46 Monaten fertig sein. Der Unterricht müsste für diese Zeit komplett ausgelagert werden. Als Interimslösung schlägt Kaupert ein Containerdorf auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs vor, dass dann ab Spätsommer 2022 bezogen werden müsste. Der Bau einer Tiefgarage ist übrigens nicht geplant, dennoch wird wohl kein Weg daran vorbeiführen, das sogenannte historische Ackerbürgerhaus – es steht an der Grundstücksgrenze in der Weidestraße 24 – für das Bauvorhaben abzureißen.

Entwurf und Kostenberechnung für Dezember erwartet

Auch eine Tendenz zu den Kosten zeichnet sich ab. Mit 26,7 Millionen Euro blieben sie rund 1,5 Millionen Euro unter den Kosten für die Variante der ersten Studie. Allerdings sind in dieser Betrachtung die Kosten für Ausstattung, Außenanlagen und Baunebenkosten in dem Betrag noch nicht enthalten. Der Vorentwurf mit einer konkreten Kostenschätzung soll jetzt im August vorgestellt werden. Der fertige Entwurf und die detaillierte Kostenberechnung sollen im Dezember vorliegen. Baubeginn, so Architekt Kaupert, wäre dann im Oktober 2022. Der Ausschuss stimmte zu, dass die Planungen auf dieser Grundlage weitergeführt werden sollen.

Keine Zwischenlösung für Grundschule erforderlich

In Sachen Neubau Grundschule stellte Christian Lehmhaus von der Berliner Projektberatung „phase eins“ vor, was auf dem Grundstück am Kleinen See machbar ist. Die künftige Wegeführung solle nicht am See entlang, sondern das Gelände in der Mitte teilen. Aussichtsreich umzusetzen wäre dann eine vierzügige Schule (inklusive Förderschulen und Offene Ganztagsschule) auf der Landseite. Vorgesehen ist ein zweigeschossiges Gebäude, damit das Raumprogramm umgesetzt werden kann. Ein Interimsbau ist nicht erforderlich, da die auf der Seeseite liegenden Schulgebäude während der Bauarbeiten stehen bleiben und weiter genutzt werden können. Auf der Seeseite könne später der Sportplatz und ein neuer Verkehrsübungsplatz entstehen.

Sporthalle könnte am Verkehrsplatz-Standort entstehen

Auf dem bisherigen Verkehrsübungsplatz sollte die Drei-Feld-Sporthalle mit einer Tribüne für bis zu 500 Zuschauer errichtet werden. Noch in diesem Jahr wird dann ein Planungswettbewerb für das Projekt beginnen, der im Mai 2022 abgeschlossen sein soll. Der Schulbau wird rund 17 Monate dauern und ist ab März 2023 geplant. 2024 folgen der Abbruch der alten Schulgebäude und der Hallenneubau.

Gedanken machen für Verkehrskonzept

Aussagen über die Kosten liegen noch nicht vor – aber billig wird das Projekt wohl nicht werden. Kopfzerbrechen dürfte den Stadtvertretern außerdem noch das Verkehrskonzept für die Straße Lübsche Koppel machen, über die die Grundschule erschlossen werden soll.

Volker Graap

So stellen sich die Lübecker Architekten die drei Neubauten an der Wisser-Schule vor. (Foto: PPP Architekten)

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