Eltern an der Fissauer Grundschule installieren Abluft-/Zuluft-Anlage

Am „Tag der Arbeit“ haben 14 Eltern mit Unterstützung des Hausmeisters in der Grundschule Fissau kräftig in die Hände gespuckt. Innerhalb von zwölf Stunden haben sie für alle fünf Klassenräume Abluft-/Zuluft-Anlagen installiert. Bereits im Dezember hatte die Elterninitiative diese Maßnahme für einen verbesserten Infektionsschutz ihrer Kinder bei der Stadt Eutin vorgeschlagen.

Stadt übernimmt Kosten für die Bausätze

Nach umfangreicher Prüfung durch die Verwaltung hatte der zuständige Ausschuss schließlich Anfang März seine Zustimmung zur Umsetzung des Pilotprojekts gegeben. Die leicht zu installierende Anlage wurde von Dr. Frank Helleis am Max-Planck-Institut in Mainz entwickelt. Sie ist mit Materialien aus dem Baumarkt konstruiert. Die Klassenräume aller Mainzer Schulen sind mittlerweile damit ausgerüstet. Für Fissau hat die Stadt die Finanzierung übernommen. 900 Euro hat jeder vorkonfektionierte Bausatz gekostet.

Schüler können sich wieder auf Unterricht konzentrieren

„Die Anlage sorgt dafür, dass die von den einzelnen Schülern produzierten, potenziell virusbelasteten Aerosole unmittelbar senkrecht zur Decke abgeführt werden, ohne sich zuvor horizontal im Raum ausbreiten zu können. Die abgesaugten Aerosole werden nach außen abgeführt, unbelastete Frischluft wird über eine Zuleitung auf Fußbodenniveau nachgeführt. So ist auch der kontinuierliche Luftaustausch gewährleistet“, erläutert Initiator Dr. Matthias Geenen von der Elterninitiative. Und Mitstreiter Jan von der Bank betont: „Lehrer und Schüler können sich nun ganz auf den Unterricht konzentrieren.“ Die Stunde müsse nicht mehr für das regelmäßige Stoßlüften unterbrochen oder gestört werden.

Muss doch mit dem Stoßlüften weitergemacht werden?

Doch hier sind sich die Eltern mit Schulleiter Oliver Martins noch nicht ganz einig. Der Rektor geht davon aus, dass das Stoßlüften nach Vorgabe des Bildungsministeriums weiter zwingend erforderlich ist. Für die Elterninitiative und auch Erfinder Helleis wäre ein solches Vorgehen – vorsichtig gesagt – irrational. Schließlich handele es sich bei der Anlage nicht um einen Luftreiniger, sondern um eine alternative Belüftungsmethode, die den Raum gerade im Sommer sogar effektiver und sicherer lüfte, als es das Stoßlüften vermag.

Bildungsministerium spielt den Ball zurück

Auf Nachfrage zitiert die Sprecherin des Landesbildungsministeriums, Beate Hinse, folgende Empfehlung ihres Hauses von 2020: „Die notwendige Frischluftzufuhr kann in Schulgebäuden auf unterschiedlichem Weg gewährleistet werden: ausschließlich Fensterlüftung, Fensterlüftung mit Unterstützung einer raumlufttechnischen Anlage (RLT-Anlage) oder ausschließlich über eine RTL-Anlage.“ In dieser Empfehlung werde für den Einsatz der stationären Anlagen aber auch ausgeführt, dass die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung für Innenraumarbeitsplätze bestimmte Anforderungen an RLT-Anlagen zusammengestellt habe. Es gelten jede Menge Normen und Richtlinien „zur Sicherung eines hygienisch einwandfreien Zustandes“ der Anlagen. „Letztendlich kann nur der Schulträger beurteilen, ob die in der Schule installierte Anlage den Anforderungen an eine ausreichende Belüftung entspricht und damit das Belüften über die Fenster komplett entbehrlich macht“, sagt Hinse und spielt damit den Ball zurück zur Stadt Eutin.

Hoffnung auf funktionierende Lösung

Jan von der Bank betont: „Um die Effektivität und den Schutzgrad der neuen Anlage beurteilen zu können, ist es jedoch unabdingbar, vom bisherigen Stoßlüften abzurücken – ganz einfach deswegen, weil keine noch so gute Lüftungsanlage bei offene Fenster und Türen arbeiten kann. Mit anderen Worten: Sollte das bisherige Lüftungsschema beibehalten werden, wäre der Einbau der neuen Anlage leider für die Katz.“ Geenen ist zuversichtlich, vor Ort noch eine funktionierende Lösung zu finden. Bleibt die Frage, warum in einer Pandemie bisher unbekannten Ausmaßes Handlungsspielräume nicht genutzt werden und Bürokratie zu oft vor Logik geht.

Volker Graap

Jan von der Bank (links) und Dr. Matthias Geenen zeigen Elemente der installierten Anlage. Das Ergebnis der Arbeit der Eltern: eine effektive Lüftungsanlage mit Material „aus dem Baumarkt“. (Fotos: Graap/hfr)

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