„Aufgeben ist keine Option“

Der Start nach der Einreise nach Deutschland war für Arezou Jeyran und ihre Familie schwierig, Die ersten Jahre verbrachten sie im Heim für Asylbewerber:innen

Die gebürtige Iranerin Arezou Jeyran hatte viele Hindernisse auf dem Weg zum Berufsabschluss zu bewältigen

Der Start nach der Einreise nach Deutschland im Jahr 2011 war für Arezou Jeyran und ihre Familie schwierig: Die ersten Jahre verbrachten sie im Heim für Asylbewerber:innen. Einer ihrer beiden Söhne leidet an einer schwerwiegenden und dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigung mit erhöhtem Betreuungsbedarf, so dass zahlreiche Besuche bei Ärzt:innen und einige Klinikaufenthalte anstanden. Die fehlenden Deutschkenntnisse machten die Situation nicht einfacher.

Nach Erlangen des B1-Sprachzertifikates nahm Frau Jeyran an dem Förderangebot des Jobcenters Lübeck „Sprache und Beruf Friseur:in“ im Fortbildungszentrum der Handwerkskammer Lübeck teil und entschied sich im Anschluss für die Teilzeit-Umschulung zur Friseurin.

Umschulung in Teilzeit

„Die Teilzeit-Variante ist für mich als Mutter eine tolle Möglichkeit, Umschulung und Familie zu vereinbaren,“ bestätigt die 40-jährige, die sich damals im ersten Moment noch gar keine Umschulung zutraute. „Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass auch die schriftlichen Deutschkenntnisse für eine Ausbildung so wichtig sind. Ich hatte einige Schwierigkeiten mit dem Lesen und dem Schreiben.“

Daniela Noetzel, sozialpädagogische Mitarbeiterin im Fortbildungszentrum der Handwerkskammer Lübeck ergänzt: „Zu den Herausforderungen im Alltag und der sprachlichen Hürde kam auch für unsere Teilnehmenden die Corona-Krise hinzu. Der Unterricht konnte glücklicherweise weitergehen und teilweise über Online-Meetings durchgeführt werden.“

Frau Jeyran hat sich im Laufe der Umschulung Zeit zum Lernen und Wiederholen genommen, wo es nur möglich war: abends, nachts – oder frühmorgens, wenn die Kinder geschlafen haben. Außerdem konnte sie mit einer Sprachpartnerin zusammen ihre Deutschkenntnisse verbessern. Der Erfolg stellte sich schnell ein und sie bestand den Theorieteil der Gesellenprüfung.

Wenn man wirklich will kann man es schaffen

„Die Gründe für eine Umschulung sind vielfältig: Sie können gesundheitlich bedingt sein oder es gibt andere Gegebenheiten, die einen Wiedereinstieg in den ehemaligen Beruf verhindern“, erklärt Geschäftsführer des Jobcenters Lübeck Joachim Tag und ergänzt: „Ein Berufswechsel und die damit einhergehende Neuorientierung eröffnet dem/der Einzelnen immer eine Reihe neuer Möglichkeiten.“

Mittlerweile hat Arezou Jeyran, die von einer Meisterprüfung in ferner Zukunft träumt, ihre Abschlussprüfung bestanden. „Etwas Wichtiges habe ich außerdem gelernt: Wenn man wirklich will, kann man einen Berufsabschluss trotz vorhandener Schwierigkeiten schaffen“, so die Umschülerin stolz und betont: „Es ist sehr wichtig, sich notfalls Hilfe zu holen. Aufgeben ist keine Option, auch wenn die Situation einem nicht gerade einfach erscheint. Meiner Ausbilderin Frau Bartelt bin ich sehr dankbar. Sie hat immer eine Möglichkeit gefunden, zu helfen und war immer für mich da. Ich habe mich während der Umschulung sehr gut aufgehoben gefühlt – das hat mir gutgetan und Kraft gegeben durchzuhalten.“

Wer Interesse an einer Umschulung oder Weiterbildung hat, kann sich online informieren auf https://www.arbeitsagentur.de/m/newplan/ PM Arbeitsagentur

Die gebürtige Iranerin Arezou Jeyran hatte viele Hindernisse auf dem Weg zum Berufsabschluss zu bewältigen. Foto: hfr

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.