Alternative zur Jugendherberge: Wird der ehemalige Kuhstall in Eutin zum Hotel?

Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. In Eutin trifft diese Weisheit auf die Entwicklung des Areals am Alten Bauhof zu. Eigentlich war angedacht, auf dem Grundstück rund um den ehemaligen Kuhstall gegenüber der Opernscheune eine Jugendherberge anzusiedeln. Doch aufgrund der Corona-Krise hat sich das Jugendherbergswerk aus dem Projekt zurückgezogen. Ein Neubau erschien den Verantwortlichen in einem überschaubaren Zeitraum nicht umsetzbar. Die Stadt Eutin hat sich nach Alternativen umgesehen – und in dem Hamburger Hotelier Marco Nussbaum nun einen interessierten Investor gefunden.

Hotelier Marco Nussbaum investiert bereits in Hohwacht

Nussbaum hat vor Kurzem in Hohwacht ein außergewöhnliches Hotelprojekt vorgestellt, das bis 2023 realisiert werden soll. Mit seinem „Boutique-Hotel Waldwiese“ setzt er auf innovative Architektur sowie naturnahen, nachhaltigen Individualtourismus. Er ist sich sicher, dass dieses Konzept für Übernachtungs- und Urlaubsangebote im Binnenland großes Potenzial hat. „Ich bin davon überzeugt, dass das Reisen nach der Pandemie anders sein wird als davor. Es wird zukünftig weniger darum gehen, wohin und wann man reist, sondern mehr warum, mit wem und was man am Zielort zusammen unternehmen kann. Ich gehe davon aus, dass wir eine Verschiebung vom Massentourismus zum sinnvollen Reisen erleben“, sagt Nussbaum. „Da die Arbeit im Home Office auch nach der Pandemie erhalten bleiben wird, werden die Menschen häufiger Kurztrips an langen Wochenenden einlegen.“

Zwei Entwürfe für ein Hotel mit bis zu 100 Zimmern

Und hier kommen Schleswig-Holstein und Eutin ins Spiel. Die Übernachtungszahlen im Land wuchsen bis zur Corona-Pandemie kontinuierlich, vor allem auch außerhalb der eigentlichen Hauptsaison. Diese Entwicklung werde nach Ablauf der Pandemie und einer Erholungsphase weiter voranschreiten. „Dazu kommt, dass ich fest an die Renaissance der Privathotellerie und an diese ganz besonderen Gebäude glaube. Der Wunsch nach individuellen Konzepten ist extrem hoch.“ Den Standort in Eutin hat Marco Nussbaum selbst in Augenschein genommen und mit seinem Team zwei Entwürfe für ein Hotel mit bis zu 100 Zimmern erarbeitet, die dem Stadtentwicklungsausschuss in der Sitzung am Donnerstag, 6. Mai, um 18 Uhr auf der Studiobühne in der Opernscheune präsentiert werden.

Variante 1: Neubau in Bestandsgebäude integrieren

Zwar liegt bereits eine Abrissgenehmigung für den ehemaligen Kuhstall vor, doch eine Planvariante sieht den Erhalt des Bestandsgebäudes vor. Das Konzept beinhaltet, die alte Bausubstanz als bauliche Hülle zu erhalten und diese in die ergänzenden Neubauten einzubinden. Als bestimmendes Thema ist die Bildung eines Atriums mit einem Garten als Innenhof mit vorwiegend aus Holz und Backstein gestalten Elementen angedacht.

Variante 2: der Umgebung angepasster Komplett-Neubau

Der andere Entwurf zielt auf einen vollständigen Neubau. Zu dessen Gestaltung sollen die in der Umgebung vorgefundenen Mittel der Formsprache zur Dachgestaltung mit prägenden Dachgauben aufgenommen werden. Das Gebäude würde auf dem Grundstück so platziert werden können, dass zur benachbarten Opernscheune eine Raumkante den dortigen Platz einfasst und zur Freifläche ein gestalteter Gartenbereich den Übergang in den Landschaftsraum bildet.

Jedes weitere Hotel würde Eutin zugute kommen

Nussbaum hofft auf Rückendeckung durch die Kommunalpolitik: „Meines Erachtens stellt jede weitere Hotelentwicklung in Eutin – neben dem sich bereits im Bau befindlichen Inklusionshotel – sicherlich eine überaus positive Entwicklung dar, weil mit der zusätzlichen Kapazität unter anderem die Potenziale für das Eutiner Schloss, die Eutiner Festspiele, die Gastronomie und den Einzelhandel deutlich verbessert werden.“

Investor zeigt sich zurückhaltend optimistisch

Er wisse, dass die Projektentwicklung in der Hotellerie mitunter extrem aufwendig und zäh sei. „Es dauert halt und kann oftmals auch nicht klappen. Aber ich bin guter Dinge, denn bis dato waren es sehr inspirierende und kooperative Gespräche mit Carsten Behnk und Susanne Stange von der Stadt Eutin, Petra Stangenberg und allen anderen am Prozess beteiligten Personen. Dafür bin ich sehr dankbar“, betont Nussbaum. Stangenberg ist übrigens Standortberaterin in Sachen Hotelansiedlung bei der zentralen Einrichtung der Wirtschaftsförderung in Schleswig-Holstein. Diese hat ebenso wie das Wirtschaftsministerium ihre Unterstützung bei der Realisierung des Projekts signalisiert.

Volker Graap

Der hoch sanierungsbedürftige ehemalige Kuhstall am Alten Bauhof in Eutin könnte in einen Hotel-Neubau integriert werden. (Foto: Graap)

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