Eutiner Drehbuchautor Jan von der Bank: Neue Fälle für „Der Alte“

Mit Krimis kennt sich Jan von der Bank aus. Der Eutiner Autor hat zwei spannende Romane und über drei Dutzend Drehbücher fürs Fernsehen geschrieben. Und weil deutsche TV-Krimis so gut wie nie ohne Mord und Totschlag auskommen, hat er schon zahlreiche Bluttaten auf dem Gewissen: „Gefühlt sind es ungefähr 1,7 Leichen pro Film – manchmal auch mehr“, schmunzelt Jan von der Bank. Jetzt laufen wieder zwei neue Folgen der ZDF-Kultserie „Der Alte“, in denen der Autor morden, ermitteln und aufklären lässt.

Autor zeichnete schon für 16 Folgen verantwortlich

Es waren die Drehbücher Nummer 15 und 16, die von der Bank für diesen Serien-Dauerbrenner verfasst hat. „Am Ermittlerteam ist nichts zu rütteln. Deren Charaktere geben Redaktion und Produzent vor, äußern Wünsche an die Autoren. Aber Fall und Nebenfiguren kann sich jeder Autor frei ausdenken. Dabei achte ich darauf, den Täter nicht von vornherein zu böse zu zeichnen, damit die Geschichte nicht vorhersagbar wird“, erläutert von der Bank seine Arbeit. Und er findet es einfacher, „völlig daher zu fantasieren“, als einen auf wahren Begebenheiten beruhenden Fall aufzugreifen. „Für die Folge ,Pias Geheimnis’ hatte ich 2019 mal den echten Fall einer Mutter aus Lensahn, die ihren Kindern schwere Krankheiten einredete, zum Vorbild genommen. Das war schwierig zu schreiben, weil es so real und nah war.“

Die Sendetermine sind am 30. April und 14. Mai

Besonders spannend ist es für ihn als „Der Alte“-Autor, wenn er den Hauptfiguren neue Facetten abgewinnen darf. „Wenn es kleine Scharmützel im Ermittlerteam gibt, jemand einen Alleingang wagt – das sind dankbare Aufgaben“, sagt von der Bank. In der Folge „Freier Fall“, die am Freitag, 30. April, um 20.15 Uhr im ZDF läuft, konnte der Autor zum Beispiel für den IT-Spezialisten Lenny, Polizei-Rechercheur mit Asperger-Syndrom, eine Nebenhandlung mit einer faustdicken Überraschung ausklügeln. Die Story spielt in der Welt der Bergsteiger- und Kletterprofis. Um einen vermeintlichen Doppelmord in einem Universitätslabor geht es in der anderen Folge aus der Feder des Eutiner Autors: „Toxische Verbindung“ wird am 14. Mai gesendet.

Das „Der Alte“-Team: Lenny Wandmann (Thimo Meitner), Annabell Lorenz (Stephanie Stumph), Richard Voss (Jan-Gregor Kremp), Tom Kupfer (Ludwig Blochberger) und Dr. Franziska Sommerfeld (Christina Rainer).

Aufwendige Locations sind fürs Fernsehen meistens tabu

Von der Bank bedauert, dass er zu wenig Zeit findet, um ein weiteres Roman-Projekt in Angriff zu nehmen. „Im Roman kann ich alles frei erfinden. Bei Drehbüchern ist man oft mehr als Dienstleister gefragt. So muss ich auch stets darauf achten, dass die Geschichten im Rahmen des Budgets realisierbar sind“, erläutert der 54-Jährige. Aufwendige Locations sind dann meistens tabu – in Corona-Zeiten gilt das natürlich auch für Szenen mit Menschentrauben. „Eine der aktuellen Folgen hätte eigentlich auf dem Münchner Viktualienmarkt gedreht werden sollen. Den Schauplatz musste ich verlegen, weil die Leute im Hintergrund alle Masken getragen hätten. Aber der Corona-Alltag hat sich noch nicht in den Geschichten der Serie niedergeschlagen“, berichtet von der Bank. Hinter den Kulissen würden am Set jedoch seit 2020 strikte Hygieneregeln gelten und Darsteller und Crew ständig auf Corona getestet.

Neue Sehgewohnheiten und die Frage der Vergütung

„Kämpfen muss man als Drehbuchautor heute nicht mehr nur um Stoffe oder einzelne Szenen, immer öfter geht’s jetzt auch ums Geld – das ist ätzend“, meint Jan von der Bank. Hintergrund ist die zunehmende Sendung der Filme über die Online-Plattformen und Spartensender. Oft steht nämlich in den Verträgen, dass diese Verwertung mit dem Haupthonorar abgegolten ist. „Die Sehgewohnheiten ändern sich gerade radikal. Niemand muss mehr den ,Alten’ am Freitagabend gucken. Die Folgen stehen monatelang kostenlos in der Mediathek. Nur: Wie werden wir Autoren vergütet, wenn das analoge Fernsehen weiter an Bedeutung verliert?“, fragt von der Bank. Kürzlich gab es noch einen Honorar-Nachschlag, weil der von ihm geschriebene ARD-Tatort „Schichtwechsel“ im Ersten wiederholt wurde.

Von der Bank arbeitet bereits an einer Serien-Sonderfolge

Aber in Zeiten, in denen auch eine traditionsreiche Serie schnell über den Jordan gehen kann, freut sich der Eutiner Drehbuchschreiber zumindest über die soliden Quoten der ZDF-Serie „Der Alte“. Zurzeit schalten deutlich über fünf Millionen Zuschauer den Freitagskrimi ein. „Dass dieses Format so beliebt ist, liegt sicher auch daran, dass die Zuschauer einfach wissen, was sie erwartet“, sagt von der Bank. Gepflegte Krimiunterhaltung mit vertrauten Gesichtern, bei der vielleicht die Geschichte, aber nicht das gute Ende überrascht. Aktuell darf Jan von der Bank eine 90-minütige Sonderfolge für den „Alten“ schreiben. „Das ist eine aufregende, umfangreiche Aufgabe. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schon mal ankündige, dass die Münchner Ermittler mal aus ihrer Region herauskommen. Die Folge wird zum Teil auf Rügen spielen.“

Neues Filmprojekt begeistert den Eutiner Segel-Freund

Zu fassen hat Jan von der Bank zurzeit außerdem ein „rasend spannendes“ Projekt: Unter dem Arbeitstitel „72 Stunden“ bereitet die renommierte Produktionsfirma „Ocean Mind“ aus Kiel einen Spielfilm vor. „Das Drehbuch schreibe ich mit dem Produzenten und Regisseur Daniel Opitz“, freut sich der Eutiner. Das Segeln ist ein bestimmender Teil des Films und damit prädestiniert für den leidenschaftlichen Segelsportler – Jan von der Bank wurde 2005 im Contender vor Travemünde Weltmeister. „Der fiktive Stoff geht auf ein wahres Ereignis am Ende des Zweiten Weltkriegs zurück: Opitz’ Großvater Heinrich Behrendt floh im März 1945 mit einer Segeljacht aus der brennenden Stadt Danzig. Um dem Inferno zu entkommen, schnappte er sich ein x-beliebiges Boot, nahm drei wildfremde Nichtsegler an Bord und segelte los“, erzählt von der Bank.

Axel Prahl den Dialog auf den Leib schreiben

Die unglaublichen Erlebnisse seiner Flucht habe Behrendt minutiös in seinem Logbuch festgehalten, mehrmals sei er dem Tod nur knapp von der Klinge gesprungen. „Sollte der Film tatsächlich produziert werden, wäre Schauspieler Axel Prahl als Hochkaräter mit dabei. Bei so einem Fingerzeig, kannst du als Autor dem Star die Sätze und Handlungen auf den Leib schreiben.“ Mit an Bord ist die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein als Projektfinanzierer.

Maritime Romane jetzt auch als E-Book
Vor elf Jahren ist mit „Die Farbe der See“ der erste maritime Roman von Jan von der Bank erschienen. Im Jahr darauf veröffentliche er mit „In den Sturm“ (Ex-Titel „Hundewache“) einen Thriller über eine Mordserie an Bord der Gorch Fock. Beide Bücher, die inzwischen im Hamburger KJM Buchverlag verlegt werden, verkaufen sich noch gut. Neuerdings gibt es die Geschichten auch als E-Book, erhältlich unter anderem auf www.hamburgparadies.de.

Bootsbau in der heimischen Garage als besonderes Hobby

Einen Ausgleich für seine kreative Arbeit am Schreibtisch findet Jan von der Bank in einem Bastel-Projekt der etwas größeren Art: Seit gut vier Jahren baut er sich sein eigenes Segelboot. 2017 hatte er damit begonnen, den Bausatz eines Retro-Racers in Sperrholz zusammenzusetzen. „Handwerklich etwas zu erschaffen, ist etwas ganz anderes. Es ist sehr befriedigend, zu sehen, wie das Boot wächst und gedeiht.“ Als studierter Architekt und Diplom-Ingenieur besitzt der Autor natürlich das nötige Hintergrundwissen für das Vorhaben, für das er sich bereits 2500 Arbeitsstunden abgezwackt hat. In seinem Blog auf janvonderbank.wordpress.com verrät der Drehbuchautor, Schriftsteller und Segler mehr über sein außergewöhnliches Hobby.

Volker Graap

Foto oben: Der Eutiner Drehbuchschreiber Jan von der Bank ist einer der Stammautoren für den Freitagskrimi „Der Alte“ im ZDF. Derzeit arbeitet er an seinem 17. Fall für diese Serie. (Foto: Graap) – Foto Mitte: Um das Ermittlerteam des ZDF-Klassikers „Der Alte“ drehen sich die Drehbücher. (Foto: ZDF/Hendrik Heiden)

 

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