„Ein Häppchen Leben“: Klausberger in Eutin startet Spendenwoche für syrische Bäcker

Wenn man Ausländer nach einem typisch deutschen Stück Kultur fragt, werden nicht wenige mit „Brot“ antworten. Die Bäcker hierzulande sind also nicht ohne Grund stolz auf die einmalige Vielfalt und Qualität dieses Lebensmittels. Das spiegelt sich beim „Tag des deutschen Brotes“ wider, den die Innungsbäcker bundesweit jetzt zum neunten Mal am 21. April feiern.

50 Cent pro Brot gehen an das Projekt „Der 15. Garten“

Die Eutiner Stadtbäckerei Klausberger nutzt den Aktionstag für eine ganz besondere Kampagne: Am heutigen Montag, 19. April, hat der Traditionsbetrieb eine Spendenwoche für syrische Bäcker und Kleinbauern gestartet. Bis zum 25. April stiftet das Unternehmen für jedes verkaufte Dreikornbrot 50 Cent an das Projekt „Der 15. Garten“. Damit wolle man Aufmerksamkeit für die Lage in Syrien schaffen. „Es fast unsichtbar geworden, dass dort immer noch Bürgerkrieg herrscht“, sagen Bäcker Hans-Peter Klausberger und Tochter Jana, die die Idee für diese Aktion hatte.

Aufmerksamkeit für Lage im Bürgerkriegsland schaffen

Beide weisen darauf hin, dass der Nahe Osten nicht ganz unbedeutend für das hiesige Bäckerhandwerk ist: „Es gäbe kein ,deutsches‘ Brot ohne Getreide, welches ursprünglich unter anderem dort wuchs, wo heute Syrien liegt, bevor es als Kulturpflanze nach Europa gekommen ist“, betont Jana Klausberger. Die 30-Jährige ist gelernte Bäckerin und auf dem Sprung zur Meisterschule. Heute sei das tägliche Brot sei im kriegsgebeutelten Syrien allerdings ein knappes Gut. „Um die Situation ins Bewusstsein zu rücken und sich mit syrischen Bauern und Bäckern zu solidarisieren, führen wir nun diese Aktionswoche durch“, so die Klausbergers.

Stichwort: Dreikornbrot
Das Dreikornbrot ist das offizielle Brot des Jahres des deutschen Bäckerhandwerks. Es gilt als Klassiker und ist überall in Deutschland in verschiedenen Varianten erhältlich. Die Eutiner Bäckerei Klausberger verwendet Roggen, Weizen und Hafer. Leinsamen sorgen für ein leicht nussiges Aroma dieses besonders saftigen und ausgewogenen Brotes, dessen Krume mit Sesam veredelt wird.

Hilfe bei unabhängiger Nahrungsmittelproduktion

Das Motto lautet „Ein Häppchen Leben”. Dies ist auch eine arabische Ausdrucksform für das „tägliche Brot”, ein konstanter Bestandteil von jeder Mahlzeit im ganzen westasiatischen und nordafrikanischen Mittelmeerraum. Das Projekt „Der 15. Garten“ ist ein Netzwerk zur Nahrungssouveränität in Syrien. Mit urbanen Gärten in ausgebombten Städten, Saatguttausch, dem Aufbau von Kleinstbäckereien und nachhaltiger Wissensvermittlung werden syrische Bäcker und Bauern darin unterstützt, sich eine unabhängige Nahrungsmittelproduktion aufzubauen. Das ist auch deshalb wichtig, weil das diktatorische Regime und andere Akteure in der Region Nahrung als Waffe und politisches Machtmittel missbrauchen, um Menschen auf diese Weise unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die Aktion läuft bis Sonntag in allen Klausberger-Filialen

Bis zum Sonntag läuft die Aktion noch in allen Klausberger-Filialen in Eutin und Malente. Zum Dreikornbrot gibt es einen Handzettel mit weiteren Infos über das syrische Projekt. Auch darüber hinaus gehende Spenden sind willkommen. Im Kulturcafé am Eutiner Markt wollen Klausbergers außerdem noch eine Fotoausstellung über den „15. Garten“ zeigen – sobald es die Corona-Beschränkungen wieder zulassen.

Volker Graap

 

Jana und Hans-Peter Klausberger präsentieren das hauseigene Dreikornbrot. „Wenn wir davon 500 in der kommenden Woche verkaufen, wäre das schon toll“, sagen sie. (Foto: Graap)

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